Wintersaison Arbeitslosigkeit steigt auf mehr als drei Millionen

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist saisonbedingt wieder leicht angestiegen. Für Bundesagentur-Chef Frank-Jürgen Weise kein Drama. Volkswirte erkennen jedoch bereits die ersten Auswirkungen des Mindestlohns.
Jobcenter in Frankfurt am Main: Hauptsächlich Mini-Jobs betroffen

Jobcenter in Frankfurt am Main: Hauptsächlich Mini-Jobs betroffen

Foto: MICHAEL PROBST/ ASSOCIATED PRESS

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Nürnberg - Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Januar um 268.000 auf 3,032 Millionen gestiegen. Das sind 104.000 weniger als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,6 Punkte auf 7,0 Prozent.

Saisonbereinigt sank die Arbeitslosenzahl in Deutschland im Januar um 9000 auf 2,836 Millionen. Volkswirte hatten einen Rückgang um 10.000 erwartet. Die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl ging im Westen Deutschlands um 5000 zurück, im Osten sank sie um 4000.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sagte: "Der Arbeitsmarkt knüpft an die gute Entwicklung des letzten Jahres an. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Januar hat vor allem jahreszeitliche Gründe." Eine Zunahme sei im Zuge der Winterpause üblich, das Plus fiel in diesem Januar aber geringer aus als in den vergangenen Jahren.

Konjunkturschub erwartet

Ohne die zum Jahreswechsel in Kraft getretene Mindestlohn-Regelung wäre die Winter-Arbeitslosigkeit aber wahrscheinlich noch geringer ausgefallen, betonten Arbeitsmarktexperten. "Der Mindestlohn hat die Entwicklung im Januar sicher etwas gedämpft", ist etwa Steffen Henzel vom Münchner Ifo-Institut überzeugt. Bisher dürften allerdings hauptsächlich niedrig vergütete Mini-Jobs davon betroffen sein, glaubt er.

Auch Commerzbank-Volkswirt Achim Tuchtfeld geht davon aus, dass "der Mindestlohn Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen wird. Es scheint in manchen Betrieben schon scharf gerechnet zu werden." Das habe er bei Gesprächen mit Unternehmern festgestellt.

Wegen des niedrigen Ölpreises und des schwachen Euro, von dem vor allem exportorientierte Firmen profitieren, erwarten die meisten Volkswirte für das Jahr 2015 einen etwas stärkeren konjunkturellen Schub. "Das wirkt ja alles wie ein kleines Konjunkturprogramm", sagt Tuchtfeld. Davon dürfte auch der Arbeitsmarkt profitieren.

Nachfrage nach Arbeitskräften steigt

Unterdessen hat der wachsende Konjunkturoptimismus in vielen Unternehmen zum Jahresbeginn die Nachfrage nach Arbeitskräften auf ein Rekordhoch klettern lassen. Noch nie seit dem Beginn entsprechender Aufzeichnungen habe es mehr freie Stellen in deutschen Betrieben gegeben, wie die Bundesagentur mitteilte.

Der seit 2004 ermittelte monatliche Stellenindex BA-X ist im Januar auf 183 Punkte gestiegen - das sind zwei Punkte mehr als im Dezember und 18 mehr als vor einem Jahr. Inzwischen ist die Nachfrage nach Beschäftigten sogar größer als im Boom-Jahr 2011, wie aus der BA-Statistik hervorgeht.

Zusammengefasst: Die Wintersaison wirkt sich nicht so stark auf den Arbeitsmarkt aus wie in den vergangenen Jahren. Doch es könnte alles viel besser sein, wenn der Mindestlohn nicht wäre.

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mik/dpa-AFX
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