Neuer Handelskonflikt Jetzt streiten sich auch noch Japan und Südkorea

Zwischen Japan und Südkorea nehmen die Spannungen zu. Die Regierung in Tokio entschied, dem Land Privilegien im Handel zu streichen. Die Folgen könnten auch Deutschland treffen.

Protest gegen die Streichung vor der japanischen Botschaft in Seoul
Ahn Young-joon/ AP

Protest gegen die Streichung vor der japanischen Botschaft in Seoul


Im Handelsstreit mit China hat US-Präsident Donald Trump abermals neue Zölle angekündigt. In Asien droht sich derweil zwischen zwei anderen Staaten ein ähnlicher Konflikt anzubahnen. Betroffen: Japan und Südkorea.

Die Regierung in Tokio will mit Südkorea nun erstmals ein Land von seiner "weißen Liste" streichen. Darauf stehen mehr als zwei Dutzend Länder, die die geringsten Handelsbeschränkungen genießen, darunter Deutschland, Großbritannien und die USA.

Mit der Streichung müssen sich Firmen aus Südkorea künftig auf mehr Bürokratie einstellen. Vorzugsbehandlungen oder der einfachere Bezug von Produkten, die für militärische Zwecke benutzt werden können, fallen weg. Das könnte den Handel der zwei Länder, die beide als Sicherheitspartner der USA gelten, bremsen.

Zuletzt hatte Japan bereits die Belieferung südkoreanischer Technologiekonzerne beschränkt. Bei beiden Schritten wurden Sicherheitsbedenken als Grund genannt. Die Exportbeschränkungen gelten für japanische Firmen, die bestimmte Materialien ausführen wollen. Dazu zählen Fotolacke, die in der Chipproduktion verwendet werden. Die Beschränkungen könnten Experten zufolge auch Folgen für die globalen Lieferketten und damit auch für Deutschland haben. Was genau droht, ist ungewiss.

Klar ist: Firmen mit betroffenen Produkten sollen vor dem Export nun jedes Mal Lizenzen beantragen. Von den Restriktionen sind vor allem die südkoreanischen Chiphersteller Samsung und SK Hynix sowie das Unternehmen LG Display betroffen. Südkorea nannte Japans Vorgehen politisch motiviert.

Südkorea erwägt Gegenmaßnahmen

Auch an der aktuellen Streichung von der "weißen Liste" übte Südkorea scharfe Kritik. Es wird mit Gegenmaßnahmen gerechnet. Zum Beispiel könnte die Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen auf den Prüfstand gestellt werden. Ein Sprecher des südkoreanischen Präsidialamtes sagte, das Land werde eine starke Antwort finden und bedauere den Schritt Japans. Für Freitag sei eine außerplanmäßige Kabinettssitzung anberaumt worden. Sprecherin Ko Min Jung sagte: "Unsere Regierung wird auf Japans unfaire Maßnahme resolut reagieren."

Boykott in einem Geschäft in Seoul: "Wir verkaufen keine japanischen Produkte"
Ahn Young-joon / AP

Boykott in einem Geschäft in Seoul: "Wir verkaufen keine japanischen Produkte"

Der japanische Industrieminister Hiroshige Seko wiederum gab sich gelassen. Nach der Zustimmung des Kabinetts werde die Streichung ab dem 28. August gelten. Die Entscheidung sei aus Gründen der nationalen Sicherheit getroffen worden. Seko sagte, er gehe nicht davon aus, dass Handel oder die bilateralen Beziehungen beeinträchtigt würden. Südkorea war laut einem Regierungssprecher das einzige Land mit Vorzugsbehandlung. Es werde jetzt wie jedes andere Land in der Region behandelt.

Hinter dem Streit dürfte auch die Auseinandersetzung der beiden Länder über Zwangsarbeit in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stehen. Sie hatte die Beziehung beider Länder bereits merklich abgekühlt. Im Oktober hatte das oberste Gericht Südkoreas entschieden, dass Nippon Steel und der Schwerindustriekonzern Mitsubishi Heavy Industries Entschädigungen an Südkoreaner zahlen müssen, die während der Besetzung der koreanischen Halbinsel von 1910 bis 1945 Zwangsarbeit leisteten. Japan reagierte empört und erklärte, dass bereits 1965 eine Einigung erzielt worden sei.

apr/dpa/Reuters



insgesamt 9 Beiträge
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claus7447 02.08.2019
1. Bricht die alte Rivalität wieder aus?
S-Korea war nie ein Freund Japans. Die Besatzungszeit hat tiefe Spuren hinterlassen. Lediglich die Industrialisierung in der 60er Jahren, wo eben Lieferungen aus Japan genommen wurden überdeckt dies. Aber S-Korea wird sich rasch an Europa wenden. Allerdings wird es für koreanische Firmen wohl aufwendiger.
mursol 02.08.2019
2. Es obliegt doch jedem Land
In seiner authorität wem er wieviel Zuschüsse gibt oder nicht . Es wäre sonst Fremdbestimmung!
Korken 02.08.2019
3. Die Provokationen Südkoreas (Teil 1 von 2)
Ich hoffe, die provokante Überschrift verleitet zum lesen. Ich schreibe auch mal meinen Frust über Südkoreas Handlungen nieder. Man muss sehen, dass sich Japan seit Jahrzehnten um Aussöhnung mit sehr viel Geduld und Zurückhaltung übt während Südkorea oftmals einfach nur laut und einigen Dingen unfair ist und damit mehr Gehör in der Welt findet. Die gegenwärtigen Ausschreitungen sind fast nur darauf zurückzuführen, dass Japan, nach mehreren, nachgewiesenen Verstößen, wir reden hier über mehr als hundert, der genannten Waren an problematische Länder wie Nordkorea etc. über Südkorea, die normalste Sache der Welt tut: Die Überwachung verschärfen. Die sogenannte Streichung Südkoreas von der Weißen Liste bedeutet lediglich, dass wie mit allen anderen asiatischen Ländern auch, etwas mehr Papierkram zum Bezug der Materialien benötigt wird. Es handelt sich in keinster Weise um ein Embargo oder ähnliches. Somit ließe sich besser zurückverfolgen, wo die Schwachstellen Südkoreas liegen, die die dortige Regierung nicht in der Lage (oder Willens) ist, zu schließen. Die IMHO dämlichen Ausschreitungen von Schülern und Studenten, angestachelt von ein paar rechten Freizeitaktivisten zu diesem eigentlich nebensächlichen Thema nun zeigen leider auch die Indoktrination gegenüber dem Dauerfeind Japan, der man sich in Südkorea immer wieder zunutze macht. Es dürfte dort gar nicht im Interesse der Regierenden sein, richtig mit Japan Frieden zu schließen, es ist ein viel zu gutes Werkzeug, von innenpolitischen Problemen abzulenken, erkennt man immer wieder, es läuft für Moon derzeit nicht gerade gut. Selbstverständlich fallen bei diesen Protesten auch immer wieder Vermischungen zur Kriegsvergangenheit zusammen. Dabei hat Japan schon mehrere Anläufe gemacht, ein gutes Verhältnis herzustellen. Da nun Südkoreanische Gerichte sich über den internationalen Vertrag zur Aussöhnung 1965 hinwegsetzten, indem er anders (bad faith) interpretiert wird und japanische Firmen in Südkorea offiziell enteignet werden dürfen, um damalige Strafarbeiter und Erben (letztere sind die immer wieder treibende Kraft) damit direkt zu "entschädigen", obwohl damals schon über ein Jahresbruttoinlandsprodukt an Südkorea bezahlt wurde, zerstört Vertrauen massiv. Nur wurde damals von Südkorea Japan verboten, direkt mit Betroffenen zu sprechen un zu entschädigen, alle Ansprüche gingen mit dem Abkommen der Arbeiter eigentlich an die Südkoreanische Regierung über. Die will davon aber nicht viel wissen, das Geld wurde damals in Infrastrukturprojekte nach dem Koreakrieg (mit dem Japan nichts zu tun hatte) gesteckt. - Ende Teil 1 -
Korken 02.08.2019
4. Die Provokationen Südkoreas (Teil 2 von 2)
-Teil 2- Nun schwelen auch noch andere Sachen wie Inselstreitigkeiten in der Luft, immer schön vermischt. Südkorea weigerte sich schon mehrmals auf Vorschlag Japans, die Sache vor dem Internationalen Gerichtshof klären zu lassen. Ebenso wird weiterhin über die "Trostfrauen" gestritten, obwohl Japan mit Südkorea erneut 2015 einen Vertrag aufsetzte, der zusätzlich erneut direkte Entschädigungen ermöglichte. Japan zahlte, dann zeriss Südkorea den Vertrag, weil: Der kam nicht bei allen gut an. Nun ja, das Geld ist bezahlt aber wie soll man so einer Regierung international noch trauen? Bei Vertrauensverlust macht die Streichung von der Weißen Liste noch mehr Sinn. Auch Entschuldigungen Japans gab es übrigens zuhauf: https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_war_apology_statements_issued_by_Japan (weil immer wieder behauptet wird, dem sei nicht so) So zieht sich das ganze durch die Jahre, Südkorea immer dabei, Japan international zu schmähen. Nun soll das japanische Meer nach Südkoreanischer Nennug in international Ostmeer umbenannt werden. Das Ostchinesische Meer im Süden, das dann allerdings Südmeer heißen müsste und die Gelbe See, die dann Westmeer heißen müsste, nimmt man davon aus. Es gibt viele Dinge, die Südkorea mit seiner Politik ändern müsste. Bis heute gibt es einen Bann von jap. TV Shows und Drama auf den großen terrestrischen Fernsehkanälen, bis zur Jahrtausendwende war fast aller japanischer Einfluß inkl. Musik in Medien untersagt. Es wäre wirklich an der Zeit, dass Südkorea, gerade für die Kinder, auf eine gute Zukunft baut und nicht rückwärtsgewandt dauernd Schuldzuweisungen sucht und auf das kollektive "Han" spielt. Organisationen streichen nun schon auf Druck weniger lauter Leute IMHO bescheuerterweise Austausche mit Schülern und Studenten mit Japan. Wie kann man nur so kurzsichtig sein. Baut endlich eine starke, gemeinsame Zukunft auf, anstatt nur in der Vergangenheit zu wühlen und sucht Lösungen, denen ihr euch nicht ständig selber im Weg steht!
blurps11 02.08.2019
5.
Zitat von claus7447S-Korea war nie ein Freund Japans. Die Besatzungszeit hat tiefe Spuren hinterlassen. Lediglich die Industrialisierung in der 60er Jahren, wo eben Lieferungen aus Japan genommen wurden überdeckt dies. Aber S-Korea wird sich rasch an Europa wenden. Allerdings wird es für koreanische Firmen wohl aufwendiger.
Man sollte auch nicht vergessen, dass Abe selbst durchaus zur Riege der Rechtspopulisten gehört, auch wenn er im Auftreten weitaus gemäßigter als ihre anderen Mitglieder ist.
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