Ausbleibende Geldschwemme Japans Notenbank enttäuscht die Börsen

Anleger hatten sich von der japanischen Notenbank eine Ausweitung der Geldschwemme erhofft. Die blieb aus. Auch andere negative Nachrichten belasteten den Aktienmarkt.

Wolkenkratzer in Tokio
AFP

Wolkenkratzer in Tokio


Trotz drohender Deflation in Japan will die Notenbank ihre ultralockere Geldpolitik nicht ausweiten. Den Strafzins für einige Einlagen von Finanzinstituten beließ sie bei 0,1 Prozent. Zugleich verschob die Bank von Japan (BoJ) ihr Inflationsziel von zwei Prozent abermals nach hinten und senkte überdies ihre Wachstumserwartungen für die Wirtschaft.

Die Tatenlosigkeit der BoJ sorgte an den Märkten für Enttäuschung: An der Börse stürzte der Nikkei-Index um 3,61 Prozent auf den Stand von 16.666 Punkten. Zudem wertete der Yen zum Dollar stark auf, was schädlich für Japans Exportwirtschaft ist. Die schwachen Vorgaben haben auch den deutschen Aktienmarkt belastet. Der Dax stand am Mittag nahe seinem Tagestief mit mehr als einem Prozent im Minus bei 10.178 Punkten.

Die Bank von Japan versucht, die jahrelange Deflation dauerhaft zu überwinden und das Wachstum anzuschieben. In einer solchen deflationären Abwärtsspirale sinken auch die Löhne und Investitionen stocken. Die BoJ hält seit Jahren mit einer Nullzinspolitik und viel billigem Geld dagegen.

Anfangs hatte die massive Geldflut als zentraler Pfeiler der Abenomics genannten Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Shinzo Abe tatsächlich eine Erholung bewirkt, da der Yen im Zuge der lockeren Geldpolitik drastisch abwertete. Doch dies wird nun schwieriger, da auch andere Notenbanken wie die Europäische Zentralbank EZB abwerten. Hinzu kommt, dass der Yen angesichts der Sorgen um China und der Weltwirtschaft als sicherer Hafen gilt und zuletzt wieder aufwertete.

Inflationsziel erneut verschoben

Die Zentralbank sah sich nun gezwungen, ihr Ziel einer Teuerungsrate von zwei Prozent abermals zu verschieben; hatte sie dies zuletzt für die erste Hälfte des Haushaltsjahres 2017/2018 angepeilt, das am 1. April beginnt, so heißt es jetzt, man wolle dieses Ziel "irgendwann" in dem Haushaltsjahr erreichen.

Zwar habe sich der Trend einer moderaten Erholung der Wirtschaft trotz schleppender Exporte angesichts der Flaute in China fortgesetzt. Trotzdem senkte die BoJ ihre Wachstumsprognose für das laufende Fiskaljahr von 1,5 auf jetzt noch 1,2 Prozent. Im kommenden Geschäftsjahr dürfte die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt dann nur noch um 0,1 Prozent statt 0,3 Prozent zulegen, erklärte die BoJ.

Die Währungshüter bekräftigten zudem ihr Programm zum Ankauf von Anleihen und Wertpapieren von jährlich 80 Billionen Yen (rund 650 Milliarden Euro). Zudem beschlossen sie ein Hilfsprogramm über umgerechnet 2,4 Milliarden Euro für Banken, um den Wiederaufbau in den Krisengebieten im Süden des Landes zu unterstützen. Dort hatte kürzlich ein Erdbeben schwere Schäden angerichtet.

Die Preisentwicklung in dem Land bleibt derweil schwach. Die Verbraucherpreise sanken nicht zuletzt auch wegen des Ölpreisverfalls erstmals seit fünf Monaten wieder, und zwar um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, teilte die Regierung mit. Die durchschnittlichen Ausgaben der Privathaushalte, die zu 60 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes beitragen, verringerten sich im März um 5,3 Prozent zum Vormonat.

brt/Reuters/dpa

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