Studie Jeder zehnte Beschäftigte trotz Arbeit von Armut bedroht

Die deutsche Wirtschaft wächst. Doch immer mehr Menschen droht die Armut - obwohl sie arbeiten. Laut einer Studie ist fast jeder zehnte Beschäftigte armutsgefährdet. Vor zehn Jahren waren es nur halb so viele.
Bettler in Köln

Bettler in Köln

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

In Deutschland droht immer mehr Menschen die Armut, selbst wenn sie einen Arbeitsplatz haben: Fast jeder zehnte Beschäftigte sei im Jahr 2015 von Armut bedroht gewesen, berichtete die "Passauer Neue Presse" unter Verweis auf Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat. Zwischen 2005 und 2015 sei diese Quote von 5,5 Prozent auf 9,7 Prozent gestiegen.

Für Vollzeitbeschäftigte stieg das Armutsrisiko gegenüber 2006 von vier auf 7,1 Prozent, wie dem Bericht zufolge aus den Eurostat-Zahlen hervorgeht. Die Linksfraktion im Bundestag wertete die Zahlen aus. Am höchsten sei das Risiko für befristet Beschäftigte: Fast ein Fünftel der Menschen mit befristeten Verträgen sei von Armut bedroht.

"Nach wie vor sind viel zu viele Menschen in Deutschland arm trotz Arbeit", sagte Linken-Fraktionsvize Sabine Zimmermann. "Die Bundesregierung versagt hier auf ganzer Linie." Die Linken-Politikerin forderte die Erhöhung des Mindestlohns von derzeit 8,50 auf 12 Euro pro Stunde. Zudem müsse die Niedriglohnbeschäftigung in Form der Leiharbeit abgeschafft werden.

Als armutsgefährdet gilt, wer über weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verfügt. In Deutschland lag die Schwelle 2015 bei einem Jahresnettoeinkommen von 12.401 Euro für eine Einzelperson.

hej/AFP