Reaktion auf Sandberg-Buch Karrierefrauen im Mütterkrieg

Führen Amerikas weibliche Führungskräfte einen Zweifrontenkrieg gegen die Familie? Facebook-Managerin Sandberg erklärt karrierescheue Mütter zu schlechten Frauen, Yahoo-Chefin Mayer beordert Eltern zurück ins Büro. Beide Vorschläge sind schlecht - sie verursachen stechende Schuldgefühle.

Facebook-Managerin Sandberg: Sie lädt viel Schuld auf Frauen ab
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Facebook-Managerin Sandberg: Sie lädt viel Schuld auf Frauen ab

Ein Gastbeitrag von Joanne Bamberger


Sheryl Sandberg, Facebooks operative Chefin, betont seit Jahren, dass amerikanische Frauen nicht länger vor Führungsaufgaben zurückschrecken sollten. Dass sie auf Geschlechtergleichheit beharren sollten, auch nachdem sie Mütter geworden sind. Dass sie aufhören sollten, ihre Karrieren zu vernachlässigen.

In ihrem neuen Buch befasst sich Sandberg nun auch mit Frauen in Europa und überall sonst auf der Welt. Sie will eine globale Bewegung anstoßen, die Frauen beim Verfolgen ihrer persönlichen Ziele unterstützt.

Gleichzeitig provoziert ein Edikt von Yahoo-Chefin Marissa Mayer, laut dem Mitarbeiter nicht mehr von zu Hause arbeiten dürfen, einen Sturm der Entrüstung unter arbeitenden Müttern in Amerika.

Manche werten die Vorstöße der beiden Managerinnen als Zweifrontenkrieg gegen arbeitende Mütter.

Schuldgefühle als Motivation

Nun ist nichts falsch daran, Frauen zu ermutigen, ihre beruflichen Potentiale auszuschöpfen. Oder generell zu sagen, dass Angestellte - Männer wie Frauen - von Zeit zu Zeit Eindruck im Büro schinden sollten. Doch die aktuellen Vorschläge sind nicht gut. Sie verursachen stechende Schuldgefühle, die sich nur schwer überwinden lassen.

Sandberg behauptet, dass es politische Hindernisse gegen die berufliche Entwicklung von Frauen gibt. Doch in ihrem Buch macht sie auch Frauen für ihre beruflichen Verfehlungen verantwortlich, indem sie sie drängt, weniger Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Ihre Gatten sollen mehr familiäre Lasten schultern. Frauen sollen anerkennen, dass sie selbst ihre größten Feinde am Arbeitsplatz sind. Sandberg lädt viel Schuld auf Frauen ab, die versuchen, ihr Arbeits- und Familienleben in der Balance zu halten.

Mayers Arbeitsplatz-Edikt indes, auch wenn es nur für ein paar Hundert Yahoo-Mitarbeiter gilt, bereitet anderen Firmen die Bühne, ihre Flexi-Zeit-Optionen für geplagte Arbeiterfamilien zurückzufahren. Sie selbst hat eine maßgeschneiderte Kinderkrippe neben dem Büro. Ich vermute, dass das eine Vergünstigung ist, die auch die meisten anderen arbeitenden Frauen mit neugeborenen Kindern aufregend fänden.

Sandberg und Mayer - die sagen, ein Baby haben und weiterarbeiten sei "viel einfacher als alle sagen" - tun so, als ob sie die Arbeits- und Lebensprobleme der durchschnittlichen Mutter verstehen. Doch es ist schwer zu ignorieren, dass sie in einem Penthouse über dem San Francisco Four Seasons (Mayer) und auf einem 2,7 Quadratkilometer großen Anwesen (Sandberg) wohnen und im Job Machtpositionen einnehmen, die es ihnen erlauben, um 17.30 Uhr nach Hause zu gehen.

Sandberg ist nicht Simone de Beauvoir

Junge Amerikanerinnen ohne Kinder mögen die zwei Managerinnen vielleicht als moderne Anführerinnen einer feministischen Bewegung sehen, die sich kopfüber in eine neue Welle der professionellen Ermächtigung stürzen. Ich bezweifle aber, dass die meisten Frauen in anderen Ländern die Facebook- und Yahoo-Managerinnen als Simone de Beauvoir des 21. Jahrhunderts begreifen.

Sandbergs Buch und Mayers Edikt dürften zum Beispiel von niederländischen Frauen negativ aufgenommen werden, die glauben, dass das persönliche Lebensglück von mehr abhängt als von einer 60-Stunden-Plus-Woche. Oder von französischen Müttern, über deren Arbeitsattitüde die Autorin Judith Warner einmal schrieb: "In Frankreich wird von Müttern erwartet, dass sie sich Zeit für sich nehmen. Ihr Leben wird erleichtert von hochwertiger Infrastruktur für Kinder und großzügigen Regelungen der Elternzeit. Von Schuldgefühlen keine Spur."

Klingt so, als würden Sandberg und Mayer in diesen Ländern auf die Nase fallen. Britische Medien sind gegenüber Sandbergs Ansatz ebenfalls skeptisch. Und ob deutsche Frauen sich für die Vorschläge zweier US-Mütter mit Millionen Dollar schweren Aktienoptionen erwärmen?

Werden sich europäische Frauen darauf einlassen? Auf flexible Arbeitsplatzarrangements, die Mayer genießt, aber ihren Mitarbeitern nicht ermöglicht? Wie bei amerikanischen Frauen gilt auch im Rest der Welt die Devise: Jeder muss selbst entscheiden, was das beste für sein Leben und seine Familie ist. Darum geht es. Nicht darum, zwei Managerinnen zum Opfer zu fallen, die denken, sie wüssten, was das beste für jeden auf diesem Planeten ist.

insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
h.hass 10.03.2013
1.
Steinreiche Karrieretussis, die sich 10 Nanniess und 20 Putzfrauen leisten können, erklärem den Frauen also, wie leicht Beruf und Kinderkriegen zu vereinen seien. Hört sich an wie ein schlechter Witz, vor allem, wenn man weiß, wie zum Beispiel hierzulande das Kita-System ausgebaut ist.
Jonny_C 10.03.2013
2. Warum....
Zitat von sysopAPFühren Amerikas weibliche Führungskräfte einen Zweifrontenkrieg gegen die Familie? Facebook-Managerin Sandberg erklärt karrierescheue Mütter zu schlechten Frauen, Yahoo-Chefin Mayer beordert Eltern zurück ins Büro. Beide Vorschläge sind schlecht - sie verursachen stechende Schuldgefühle. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/joanne-bamberger-ueber-sheryl-sandberg-karrierefrauen-im-muetterkrieg-a-887317.html
....wird die eigene Meinung, denn mehr ist es nicht, wie eine Monstranz vor sich hergetragen ? Ein paar Egoistinnen machen etwas und die Welt soll folgen ? Wayne ? Oder - was für ein Schwachsinn !
Spiegelleserin57 10.03.2013
3. Zustimmung!
Zitat: Sandberg behauptet, dass es politische Hindernisse gegen die berufliche Entwicklung von Frauen gibt. Doch in ihrem Buch macht sie auch Frauen für ihre beruflichen Verfehlungen verantwortlich, indem sie sie drängt, weniger Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Ihre Gatten sollen mehr familiäre Lasten schultern. Frauen sollen anerkennen, dass sie selbst ihre größten Feinde am Arbeitsplatz sind. Diese Argumenten kann ich leider nur beipflichten. Man stelle sich nur mal vor alle Frauen würden auf den Arbeitsmarkt drängen, das wäre für die arbeitslosenzahlen ein Drama, sie würden expoldieren. Daher ist Frau Sandbergs Argument durchaus nachvollziehbar. Die Politik hätte ein sehr großes Problem. Dass es viele Frauen gibt die arbeitsscheu sind, das kenne ich wenn ich mich mal in meiner Umgebung umschaue. Viele geben das auch durchaus zu. Auch der " Zickenkrieg" am Arbeitsplatz macht vielen Frauen eine Karriere fast unmöglich. Ich selbst habe diese Erfahrungen aus 39 Jahren Berufstätigkeit gesammelt. Daher kann ich Frau Snadberg nur zu stimmen. Für viele ist es eben einfacher Haushalt zu machen und Windeln zu waschen als den Stress im Arbeitsleben zu ertragen . Dass Arbeit ABER durchaus auch sehr poditive Seiten hat vergessen diese Frauen.
Biegel 10.03.2013
4. Kein Beitrag zur Emanzipation
Sandberg hat sicher nicht unrecht, wenn sie behauptet, Frauen wollten keine Karriere machen. Ich kann daran aber nichts Schlimmes finden. Das ist auch nicht der Grund dafür, warum Frauen für gleiche Arbeit immer noch weniger Geld bekommen und es grundsätzlich für sie schwer ist aufzusteigen, wenn sie denn wollen. In den Fällen will wer anders nicht.
sitcom 10.03.2013
5. Tja...
Leider ist es derzeit so das Frauen die Karriere machen solche einen Spießrute-Lauf hinter sich bringen müssen das sie danach eine Schaden haben... Wie man sieht... Das muss man ändern !!!
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