Zuwanderungsstrom Südeuropas Job-Sucher drängen nach Deutschland

Fluchtpunkt Deutschland: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der Erwerbstätigen aus Griechenland, Spanien, Italien und Portugal in der Bundesrepublik sprunghaft gestiegen. Die Experten werten das als Zeichen, dass sich der Strom der Zuwanderer aus Südeuropa verstärkt.
Bank in Athen: Jobsucher verlassen Südeuropa

Bank in Athen: Jobsucher verlassen Südeuropa

Foto: LOUISA GOULIAMAKI/ AFP

Nürnberg - Deutschland wird zu einem immer attraktiveren Zuwanderungsland für Jobsucher aus Südeuropa. Vor allem arbeitslose Griechen und Spanier haben in den vergangenen Monaten verstärkt nach Arbeitsmöglichkeiten in Deutschland gesucht. das geht aus einem Hintergrundpapier der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor (siehe PDF).

Ende Mai gab es in der Bundesrepublik demnach deutlich mehr Beschäftigte mit einem griechischen, spanischen, portugiesischen oder italienischen Pass als im Vorjahr. Insgesamt stieg die Zahl auf 452.000 Personen. Das entspricht einer Steigerung von gut 6,5 Prozent - und liegt deutlich über dem Durchschnitt. Die Gesamtzahl der Erwerbstätigen ist im selben Zeitraum nur um 1,6 Prozent gewachsen.

Die Daten stammen aus der Beschäftigten- und Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur, die sich unter anderem nach Nationalitäten aufschlüsseln lässt. Die Bundesagentur schließt nicht aus, dass einige der erfassten Portugiesen, Spanier, Griechen und Italiener bereits in Deutschland gelebt haben, aber erst jetzt einen Job fanden. Die meisten seien aber wahrscheinlich zugewandert.

Beschäftigte im SGB II nach ausgewählten Staatsangehörigkeiten

Staatsangehörigkeit Anzahl der Beschäftigten absolut Anteil in % Veränderung gegenüber Vorjahr absolut Veränderng in %
Insgesamt 34.088.437 100 524.642 1,6
Italien 232.772 0,7 9.343 4,2
Portugal 55.560 0,2 3.076 5,9
Spanien 46.026 0,1 4.753 11,5
Griechenland 117.744 0,3 10.499 9,8
Summe der vier Staaten 452.102 1,3 27.671 6,5
Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit

Arbeitsuchende im SGB II nach ausgewählten Staatsangehörigkeiten

Staatsangehörigkeit Anzahl der Arbeitsuchenden absolut Anteil in % Veränderung gegenüber Vorjahr absolut Veränderng in %
Insgesamt 4.936.637 100 -238.674 -4,6
Italien 49.551 1,0 -3.365 -6,4
Portugal 8.501 0,2 21 0,2
Spanien 7.970 0,2 755 10,5
Griechenland 26.803 0,5 1.064 4,1
Summe der vier Staaten 92.825 1,9 -1.525 -1,6
Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit

Insgesamt hatten Ende Mai 117.700 Griechen, 46.000 Spanier, 55.600 Portugiesen und 232.800 Italiener in Deutschland einen Job.

Das Risiko arbeitslos zu werden, ist nach den Bundesagentur-Zahlen für die aus Südeuropa stammenden Arbeitskräfte sehr unterschiedlich. Während die Zahl der arbeitssuchenden Italiener im Juni verglichen zum Vorjahr mit 6,4 Prozent überdurchschnittlich stark sank, ist die Zahl der arbeitssuchenden Spanier seit Juni 2011 um 10,5 Prozent auf knapp 8000 gestiegen. Die Zahl der als arbeitsuchend registrierten Griechen stieg binnen Jahresfrist um 4,1 Prozent auf 26.800. Unter den in Deutschland leben Portugiesen gab es im Juni mit 8500 Arbeitssuchenden fast so viele wie vor einem Jahr.

Arbeitslosigkeit in Griechenland steigt

Die Arbeitslosigkeit in Griechenland steigt indes weiter. Im Mai erreichte die Arbeitslosenquote mit 23,1 Prozent einen Rekordwert. Ein Jahr zuvor hatte der Wert noch bei 16,8 Prozent gelegen. Das teilte die griechische Statistikbehörde am Donnerstag in Athen mit. Insgesamt sind mehr als 1,15 Millionen Menschen arbeitslos. Dramatisch ist die Lage vor allem bei den jungen Menschen bis zum Alter von 24 Jahren, die Arbeitslosenquote betrug hier 54,9 Prozent.

Arbeitslose erhalten in Griechenland nur ein Jahr lang Arbeitslosengeld. Danach ist keine Unterstützung mehr vorgesehen. Die zwei größten griechischen Gewerkschaftsverbände des privaten und des staatlichen Bereichs (GSEE und ADEDY) warnten am Donnerstag abermals vor einer "sozialen Explosion".

Immerhin gibt es einen Hoffnungsschimmer für die griechische Wirtschaft. Die Produktion lag im Juni nach über drei Jahren stetigen Schrumpfens erstmals wieder über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die Unternehmen stellten 0,3 Prozent mehr her als im Vorjahresmonat.

Der leichte Produktionszuwachs ist vor allem dem Bergbau zu verdanken, der seinen Ausstoß um 18,9 Prozent im Vergleich zum Juni 2011 steigerte. Die Energieversorger fuhren ihre Erzeugung um 10,9 Prozent nach oben. Die klassische Industrie - zu der die Hersteller von Konsum-, Investitions- und Vorleistungsgütern gehören - drosselte ihre Produktion dagegen um 4,3 Prozent. Die Industrie steuert etwa 15 Prozent zur Wirtschaftsleistung Griechenlands bei.

ssu/dpa/Reuters
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