Entzauberter Hedgefonds-Star Paulson bittet Kunden um Geduld

Er galt als Koryphäe der Hedgefonds, doch nun laufen John Paulson die Kunden weg. Laut einem Agenturbericht versucht der Manager zu retten, was zu retten ist: In einer Telefonkonferenz habe er Fehler bei seiner Anlagestrategie eingeräumt - und seine Kunden um Geduld gebeten.
Hedgefonds-Manager John Paulson: Weniger als 20 Milliarden Dollar

Hedgefonds-Manager John Paulson: Weniger als 20 Milliarden Dollar

Foto: Matt Campbell/ picture alliance / dpa

Boston/Charlotte - Hedgefonds-Legende John Paulson ist zuletzt in Ungnade gefallen. Nun stemmt er sich gegen den Verlust weiterer mächtiger Großkunden. In einer Telefonkonferenz mit Beratern und vermögenden Privatanlegern der Bank of America habe Paulson eindringlich um Vertrauen geworben, berichtetet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mehrere Teilnehmer der Runde.

Er habe eingeräumt, dass die derzeitige Entwicklung seiner Fonds enttäuschend sei, sagten die Insider. Dennoch glaube er weiter, dass sich seine Investmentstrategie auszahlen werde. Paulson setzt auf Gold - den Rohstoff selbst und auf Unternehmen, die in diesem Sektor aktiv seien. So wolle er seine Fonds im Krisenumfeld unabhängiger von der Konjunktur machen.

Paulson war bekannt geworden, weil er als einer der ersten den Zusammenbruch des US-Häusermarktes 2007 vorhersah, der später das gesamte Finanzsystem ins Wanken brachte. Mit seinen Wetten gegen US-Ramschhypotheken - und auf den großen Crash - verdiente Paulson für seine Kunden und sich selbst Milliarden.

Danach verließ ihn allerdings das Glück: Er wettete zu früh auf eine Erholung der US-Wirtschaft. Und auch an der Euro-Schuldenkrise, wo er unter anderem auf eine schlechtere Bonität und höhere Zinskosten für Deutschland spekulierte, verdiente er bislang nicht so viel wie erhofft.

Immer mehr Anleger wenden sich deshalb von Paulson ab: Das verwaltete Vermögen liegt heute nur noch bei rund 20 Milliarden Dollar, im vergangenen Jahr war es fast doppelt so viel.

Nicht nur vermögende Privatleute zweifeln an Paulsons Spürnase, auch institutionelle Kunden. So zog im ersten Quartal die Pensionskasse des Bundesstaates New Mexico 40 Millionen Dollar ab, zuletzt folgte die Privatbankensparte der Citigroup sogar mit mehr als 400 Millionen Dollar. Weitere könnten folgen. Morgan Stanley etwa setzte Paulson auf die "Watch List" und rät Kunden davon ab, neue Gelder in seinen Fonds zu stecken.

ssu/Reuters
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