EU-Kampf gegen Arbeitslosigkeit Jugendgarantie bleibt leeres Versprechen

Vor vier Jahren versprach die EU allen jungen Menschen einen Job, eine Ausbildung oder ein Praktikum. Tatsächlich wird die Garantie bis heute nicht eingehalten, wie ein neuer Bericht des Europäischen Rechnungshofes zeigt.

Demonstration gegen Jugendarbeitslosigkeit in Europa (2013 in Berlin)
picture alliance / dpa

Demonstration gegen Jugendarbeitslosigkeit in Europa (2013 in Berlin)


Trotz Milliardeninvestitionen ist die sogenannte Jugendgarantie der EU bis heute nicht umgesetzt worden. Zu diesem Urteil kommt der Europäische Rechnungshof in einem Sonderbericht. Zwar seien Fortschritte im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit erzielt worden. Keiner der besonders betroffenen Staaten habe aber die ursprünglichen Erwartungen erfüllen können.

Die Jugendgarantie war 2013 von den Arbeitsministern der EU abgegeben worden. Sie soll sicherstellen, dass junge Menschen unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten, nachdem sie die Schule verlassen haben oder arbeitslos wurden, ein Angebot für eine Weiterbildung, ein Praktikum oder eine Ausbildungsstelle erhalten. Für entsprechende Programme stehen bis 2020 insgesamt 6,4 Milliarden Euro bereit.

Dem Bericht zufolge hatten jedoch nur 62 Prozent der unter dem Programm registrierten jungen Menschen Ende 2015 eine Weiterbildung, ein Praktikum oder einen Ausbildungsplatz gefunden. "Mitte 2016 waren in der gesamten EU immer noch über vier Millionen junger Menschen unter 25 Jahren arbeitslos", kritisierte die für den Bericht zuständige Rechnungsprüferin Iliana Ivanova. "Die politischen Entscheidungsträger sollten dafür sorgen, dass mit den Programmen zur Unterstützung junger Menschen keine Erwartungen geweckt werden, die nicht erfüllt werden können."

Als Ursache für die Schwierigkeiten der Jugendgarantie nennen die Prüfer unter anderem fehlende "Strategien mit klaren Etappenzielen und Zielsetzungen". Zudem habe das Risiko bestanden, dass die EU-Mittel einfach an die Stelle nationaler Fördermittel traten, ohne einen Mehrwert zu erbringen, heißt es nach Besuchen der Experten in Ländern wie Spanien, Frankreich, Kroatien, Italien, Portugal und der Slowakei.

Deutschland schneidet am besten ab

Dort werden noch immer sehr hohe Jugendarbeitslosenquoten registriert. Nach jüngsten Zahlen der Statistikbehörde Eurostat lag die Quote beispielsweise in Spanien zuletzt bei 41,5 Prozent, in Italien bei 35,2 Prozent und in Frankreich bei 23,6 Prozent. Deutschland schneidet laut Eurostat-Daten in der EU mit 6,6 Prozent am besten ab.

Den Mitgliedstaaten empfehlen die Prüfer, die Öffentlichkeitsarbeit für betroffene Jugendliche zu verstärken, diese besser zu erfassen und einen Kostenplan für die Umsetzung entsprechender Förderung aufzustellen, um die Finanzierung sicherzustellen. Von der EU-Kommission verlangen sie die Schaffung von Kriterien zur Qualitätssicherung sowie eine entsprechende Überprüfung der Programme in den Mitgliedstaaten.

Die Wirtschaftskrise ab 2008 hatte EU-weit die Zahl der Arbeitslosen nach oben getrieben. Im Februar waren laut der EU-Statistikbehörde Eurostat noch 3,9 Millionen Menschen unter 25 Jahren ohne Job. Die Arbeitslosenquote bei dieser Gruppe lag im Februar EU-weit bei 17,3 Prozent im Vergleich zu acht Prozent bei der gesamten Erwerbsbevölkerung.

dab/dpa/AFP



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dr.eldontyrell 04.04.2017
1. Immer weniger Arbeit
für immer mehr Menschen. Das ist das Problem, und wird es bleiben. Was ist aus der Idee geworden, Technologie würde uns die Arbeit abnehmen, sodass wir uns um das Fortkommen der Menschheit kümmern können? Sie wurde von den Turbokapitalisten pervertiert nach dem Motto: Wenn Fortschritt (mir) keinen Profit macht muss er aufgehalten werden. #akzelerationismus
archi47 04.04.2017
2. es ist auch so,
dass ein gnadenloser Wettbewerb nur über den Preis, der weder die soziale Ausrichtung des Unternehmens, noch die Weiterbildungs-, Ausbildungskapazitäten, oder auch die regionale Präsenz bewerten darf, das Restliche tut. Gerade die EU-Vergaberrichtlinien verbieten es regionale, soziale, also "weiche" Kriterien zu werten. Auch wenn als Folge eines solchen ausschließlichen Preiswettbewerbes am Ende der Steuerzahler aus den strukturpolitischen, sozialen und regionalen Kosten sitzen bleibt. Es im Grunde also teuerer kommt und der soziale Kitt schwindet.
FocusTurnier 04.04.2017
3. War wirklich jemand so blöd....
....und hat der EU dieses Versprechen abgenommen und an eine Lösung geglaubt? Echt?
schwaebischehausfrau 04.04.2017
4. @FocusTurnier: Anscheinend ja....
Zitat von FocusTurnier....und hat der EU dieses Versprechen abgenommen und an eine Lösung geglaubt? Echt?
Man glaubt halt, was man glauben will.. Wenn man schon von Maßnahmen liest wie "Weiterbildungen" und "Praktika", dann schwant man schon, dass da 6,4 Milliarden verballert wurden für ähnlich sinnlose "Qualifizierungsmassnahmen", wie man sie in Deutschland seit Jahrzehnten kennt. Dass der Staat Jugendliche dauerhaft in Jobs bringen kann (es sei denn er macht's wie die Griechen und stellt einfach die ganze Bevölkerung als Staatsbedienstete ein), daran glauben höchstens EU-Bürokraten in Brüssel. Wenn überhaupt. Diese 6,4 Mrd. war am Ende nichts anderes als eine Marketing-Massnahme zur Erhöhung der Popularitätswerte der EU . Und ein Konjunkturprogramm für die Arbeitslosen-Verwaltungs-Industrie mit ihren Trägern im gewerkschaftsnahen Umfeld. Wer wirklich Arbeitsplätze für seine Jugend schaffen will, der müsste einfach die Wettbewerbsfähigkeit seiner Wirtschaft erhöhen durch Strukturreformen, Abbau von Bürokratie und Korruption. Aber genau das verweigern die betroffenen Staaten seit Jahrzehnten und werden das weiterhin tun
großwolke 04.04.2017
5. Wir werden eben doch nicht als Europäer geboren,
genausowenig wachsen wir als Europäer auf. Wäre das der Fall, die jungen Menschen in Südeuropa würden sich einfach in Scharen zu uns oder noch weiter nach Norden aufmachen, um den Start ins Berufsleben da zu suchen, wo es mehr Arbeit gibt. Aber dort sprechen die Leute ihre eigenen Sprachen, haben ihre eigene Lebensart, anderes Wetter und noch allerlei praktische und emotionale Hürden, die das Konzept der EU leider ein bisschen sabotieren. Grundsätzlich klang es ja toll: Arbeitnehmerfreizügigkeit um lokale Mängel bzw. Überangebote an Arbeitskräften zu nivellieren. Leider ist die Mehrzahl der Menschen da wohl nicht ganz so fortschrittskompatibel wie die Politik sich das wünscht.
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