Inflation Koalition will kalte Progression noch vor der Wahl mildern

Mehrbelastung durch Lohnerhöhung - für Steuerzahler ist die kalte Progression seit Jahren ein Ärgernis. Jetzt will die Bundesregierung dieses Problem noch in dieser Legislaturperiode angehen - obwohl sie den Effekt nur gering einschätzt.

Finanzminister Schäuble: Steuerstufen-Grenzwerte seit Jahren nicht angepasst
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Finanzminister Schäuble: Steuerstufen-Grenzwerte seit Jahren nicht angepasst


Berlin - Seit Jahren wird über das Thema gestritten, jetzt könnte sich bald etwas ändern: Die Bundesregierung will noch vor der nächsten Bundestagswahl im Herbst 2017 mit dem Abbau der kalten Steuerprogression beginnen. Sie wolle "die finanziellen und politischen Voraussetzungen" schaffen, um dies noch in dieser Legislaturperiode einzuleiten, heißt es laut Nachrichtenagentur Reuters im Jahreswirtschaftsbericht der Regierung.

Mit kalter Progression wird der Effekt beschrieben, dass Arbeitnehmer mehr Steuern zahlen müssen, auch wenn ihre Bruttolöhne nicht stärker als die Inflation steigen. Grund hierfür ist, dass die Grenzwerte bei den Steuerstufen seit Jahren nicht nach oben angepasst wurden. Dem Fiskus fließen durch diesen Effekt allein aufgrund der Inflation zusätzliche Gelder zulasten der Steuerzahler zu.

Laut dem Steuerprogressionsbericht der Regierung, der am Mittwoch im Kabinett beraten werden soll, ist der Belastungseffekt der kalten Progression für die Steuerzahler wegen der niedrigen Inflation derzeit relativ gering. 2013 habe die Last durch diesen Effekt bei 600 Millionen Euro gelegen, im vergangenen Jahr sei überhaupt keine Belastung entstanden.

In dem Steuerprogressionsbericht untersucht die Regierung auch die Auswirkungen des Einkommensteuertarifverlaufs. Angesichts der unübersichtlichen gesamtwirtschaftlichen Lage sei nur schwer vorhersehbar, wie sich dieser für das laufende und das nächste Jahr auswirke, heißt es darin. Sollte die Inflation bei einem Prozent liegen, würde der Staat zusätzlich etwas weniger als eine Milliarde Euro im Jahr einnehmen.

Wäre die Preissteigerung mit 1,5 Prozent etwas höher, läge die Auswirkung bei knapp zwei Milliarden Euro. Und würde die Teuerung, wie von der Europäischen Zentralbank (EZB) angestrebt, rund zwei Prozent erreichen, läge die Progressionswirkung bei rund drei Milliarden Euro. Im Dezember vergangenen Jahres lag die deutsche Inflationsrate bei 0,2 Prozent.

bka/Reuters



insgesamt 22 Beiträge
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auf_dem_Holzweg? 27.01.2015
1. Stäuble sollte lieber seine Tage damit verbringen...
seine dämliche schwarze Null zu zählen. Damit ist er eh schon total überlastet! Der Mann sollte die Finger vom Geld lassen, es verbrennt nur bei Kontakt!
dachauerthomas 27.01.2015
2. Kalte Progression,
gibt es nur bei Inflation, Gegenmittel ist die inflationsgekoppelte Anpassung der Steuertabellen. Das Ganze also nur Theaterdonner um den Focus-gebildeten Kleinbürger zu umgarnen.
schnitteuk 27.01.2015
3.
Zitat von dachauerthomasgibt es nur bei Inflation, Gegenmittel ist die inflationsgekoppelte Anpassung der Steuertabellen. Das Ganze also nur Theaterdonner um den Focus-gebildeten Kleinbürger zu umgarnen.
Inflationskoppelung bei den Steuertarifen wäre in der Tat das geeignetste Gegenmittel, aber im gegenwärtigen Steuerrecht ist das noch nicht vorgesehen. Wenn nun eine Reform kommen soll, die genau das einführt, so ist das keineswegs "Theaterdonner", sondern die völlig berechtigte Forderung nach genau dem von Ihnen vorgeschlagenen Gegenmittel.
shardan 27.01.2015
4. Ach ja, der Herr Schräuble...
Das wird so nicht funktionieren, kalte Progression funktioniert nicht ohne Inflation. daneben wurde hier schon erwähnt, dass eine Koppelung der Steuertarife an die Inflation wohl ein geeigneteres Mittel wäre. Einerlei, der Theaterdonner soll wohl etwas anderes vertuschen. Es ist ein Wahlgeschenk vor der Wahl für Leute mit hohem Einkommen. Womit ziemlich fest steht, dass die Leute mit niedrigem Einkommen dieses Geschenk nach der Wahl werden finanzieren müssen. Mövenpickpolitik a la Schräuble-
schnitteuk 27.01.2015
5.
Zitat von shardanDas wird so nicht funktionieren, kalte Progression funktioniert nicht ohne Inflation. daneben wurde hier schon erwähnt, dass eine Koppelung der Steuertarife an die Inflation wohl ein geeigneteres Mittel wäre. Einerlei, der Theaterdonner soll wohl etwas anderes vertuschen. Es ist ein Wahlgeschenk vor der Wahl für Leute mit hohem Einkommen. Womit ziemlich fest steht, dass die Leute mit niedrigem Einkommen dieses Geschenk nach der Wahl werden finanzieren müssen. Mövenpickpolitik a la Schräuble-
Meine Güte. Nochmal: Eine Inflationsanpassung der Steuertarife *ist* ja gerade das vom Artikel angedachte Instrument zum Abbau der kalten Progression.
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