Kampf gegen die Krise Japan senkt Leitzins auf Null

Die japanischen Notenbanker setzen in der Krise auf billiges Geld. Um das schwache Wachstum anzukurbeln, senken die Währungshüter den Leitzins auf Null. Die Banken haben damit leichteren Zugang zu frischem Geld.

BOJ-Chef Masaaki Shirakawa: Überraschend aggressiver Schritt
AFP

BOJ-Chef Masaaki Shirakawa: Überraschend aggressiver Schritt


Tokio - Die japanische Notenbank schöpft ihre Möglichkeiten voll aus und senkt den Leitzins auf 0,0 bis 0,1 Prozent. Das teilte die Bank of Japan nach einer Sitzung am Dienstag mit. Der Schritt kam überraschend - der Yen rutschte zeitweise ab, die japanischen Börsen drehten ins Plus. Auch in den USA wird damit gerechnet, dass die Notenbank Fed die schwächelnde Konjunktur mit weiteren Milliarden stützt.

Die Entscheidung der Japaner spiegelt die anhaltende Sorge über die japanische Wirtschaft wider. Japans exportorientierte Unternehmen leiden unter der Stärke des Yen. Dadurch steigen im Ausland die Preise zum Beispiel von japanischen Autos oder Elektronik und zugleich sinken die Profite von Firmen wie Toyota und Sony.

Im September hatte Japan bereits mit einem anderen geldpolitischen Schritt für Aufsehen gesorgt. Zum ersten Mal seit sechs Jahren hatte das Land in den Devisenmarkt eingegriffen, nachdem der Yen-Kurs gegenüber dem Dollar auf den höchsten Stand seit 15 Jahren geklettert war.

"Zinssenkung aggressiver als erwartet"

Nach dieser Maßnahme hatte die Regierung den Druck auf die Notenbank erhöht, die Geldschleusen zu öffnen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das Ausmaß der Aktion war dennoch ungewöhnlich. "Diese Schritte sind aggressiver als die Märkte erwartet hatten", sagte Analyst Naomi Hasegawa von UFJ Morgan Stanley Securities. Sie kämen überraschend und würden den Devisenmarkt beeinflussen. Die Null-Zinspolitik wird laut der Notenbank solange beibehalten wie die Preisstabilität gewährt ist.

Aus Sicht der Commerzbank ist die Leitzinssenkung aber ein eher symbolischer Schritt. Er sei jedoch mit dem Versprechen verbunden, das Zinsniveau so lange auf diesem Stand zu belassen, bis zumindest ein stabiles Preisniveau hergestellt ist, heißt es in einer Studie. Die japanische Notenbank habe klar gemacht, dass die Erholung der Wirtschaft und die Stabilisierung des Preisniveaus auch mit den nun eingeleiteten Maßnahmen noch eine ganze Weile auf sich warten lasse.

Die Notenbank kündigt zudem an, vorübergehend einen 60 Milliarden Dollar (5 Billionen Yen) schweren Fonds aufzusetzen, um den Kauf von Vermögenswerten von Unternehmens- bis hin zu Staatsanleihen zu finanzieren.

cte/Reuters/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.