Kampf gegen Schulden Portugal bietet Lufthansa Fluglinie an

Portugals muss sparen wo es kann - jetzt geht Regierungschef Pedro Passos Coelho in die Offensive: In einem "Handelsblatt"-Interview macht er der Lufthansa die staatliche Fluglinie TAP schmackhaft.

Ministerpräsident Passos Coelho: "Euro-Bonds keine Lösung"
REUTERS

Ministerpräsident Passos Coelho: "Euro-Bonds keine Lösung"


Hamburg - Es ist ein ziemlich direktes Angebot, das Portugals Regierungschef der Lufthansa Chart zeigen macht: Nach Ansicht von Pedro Passos Coelho sollte sich der deutsche Luftfahrtkonzern mal die portugiesische Staatsflugllinie TAP genauer ansehen. "Ich könnte mir vorstellen, dass Lufthansa aufmerksam unser Privatisierungsprogramm verfolgt, in dem auch TAP privatisiert wird", sagt Coelho in einem Interview mit dem "Handelsblatt". Seiner Ansicht nach könne Lufthansa mit TAP in die Märkte in Südamerika und Afrika vordringen.

Eine Sprecherin der deutschen Fluggesellschaft wollte dies nicht kommentieren. Anfang der Woche hatte Lufthansa-Chef Christoph Franz gesagt, dass sein Unternehmen derzeit aus eigener Kraft wachsen wolle. TAP ist für andere Airlines vor allem wegen ihrer zahlreichen Verbindungen nach Brasilien interessant, und die Nachfragen nach Flügen in das boomende Schwellenland ist groß.

Um die Schuldenkrise zu bewältigen, will Portugal sich von Anteilen an Staatsunternehmen trennen. Bis 2013 sollen so 5,5 Milliarden Euro zusammenkommen. Neben TAP erwägt Portugal zudem, den 20-prozentigen Staatsanteil an dem Energiekonzern EDP und die 51 Prozent an der Netzgesellschaft REN zu verkaufen.

Dafür gibt es offenbar schon einen Interessenten: Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters prüft der deutsche Energiekonzern E.on Chart zeigen derzeit einen Einstieg auf dem portugiesischen Markt. E.on lehnte eine Stellungnahme ab.

Den Vorschlag, dass Europa gemeinsame Staatsanleihen ausgibt, lehnt Passos Coelho dagegen ab: "Euro-Bonds können überhaupt keine Lösung für die Probleme sein, vor denen wir heute stehen", sagte er. Die Einführung von gemeinsamen Staatsanleihen der Euroländer bedürfe es einer tiefgreifenden Reform Europas bis hin zum Aufbau eines gemeinsamen EU-Finanzministeriums. Dies bezeichnete der Ministerpräsident als "politische Revolution".

kpa/Reuters/dapd



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.