Programm gegen Wohnungsmangel Bauland ist da – nun fehlt noch der Wille

400.000 Wohnungen pro Jahr will die Regierung realisieren – das Bauland dafür ist laut Experten vorhanden. In besonders gefragten Städten sei jedoch etwas mehr Kreativität gefragt.
Wohnungsbau in Berlin-Spandau: »Land zum Bauen ist da«

Wohnungsbau in Berlin-Spandau: »Land zum Bauen ist da«

Foto: Jürgen Ritter / IMAGO

Die gute Nachricht verkündete die Bundesbauministerin gleich selbst: »Es gibt ausreichend Bauland in Deutschland«, sagte Klara Geywitz bei Vorstellung einer neuen Studie. Demnach ist kurzfristig nutzbares Bauland für rund zwei Millionen Wohnungen vorhanden.

Rund 53.000 Hektar Fläche sind ohne größeren Aufwand baureif, wie das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung und das Institut der deutschen Wirtschaft für das Bauministerium errechneten. Sie halte es für realistisch, auf der Fläche rund zwei Millionen Wohnungen zu bauen, sagte SPD-Politikerin Geywitz. Selbst bei konservativer Rechnung sei Platz für 900.000 Wohnungen.

Die Ampelregierung aus SPD, Grünen und FDP hat sich vorgenommen, jedes Jahr 400.000 neue Wohnungen zu bauen, davon 100.000 öffentlich geförderte Sozialwohnungen. »Das ist machbar, das ist sowohl machbar in den Metropolregionen als auch in den Mittelstädten, aber auch auf dem Land«, sagte Geywitz.

Dieses Ziel lasse sich erreichen, ohne dabei zu viel zusätzliche Fläche zu verbrauchen. »Wir können es uns ökonomisch und ökologisch nicht leisten, Flächen zu verschwenden«, betonte die Ministerin. Sie warb für eine kluge Nutzung von Brachflächen und Baulücken – und hat sich zuletzt auch für »serielles Bauen« ausgesprochen.

Laut Geywitz liegt das verfügbare Bauland sowohl in ländlichen Gegenden als auch in den Ballungsräumen. »Wir haben Potenzial, vom Norden bis in den Süden, vom Osten aber auch bis in den Westen«, sagte sie. Der Studie zufolge gibt es in Landkreisen mit höherem Bedarf tendenziell zwar weniger Städte und Gemeinden mit viel freien Flächen.

Generell lasse sich aber sagen: »Das vorhandene Potenzial ist auch da, wo es gebraucht wird«, betonte Markus Eltges, Leiter des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Allein in den kreisfreien Großstädten könnten abhängig von der Bebauungsdichte zwischen 370.000 und 740.000 Wohnungen entstehen.

Kein Bauen auf der grünen Wiese nötig

»Umfangreich neue Flächen zu beanspruchen, ist daher aus Sicht der Studie nicht notwendig«, sagte Eltges. Auch der Heidelberger Oberbürgermeister und Vizepräsident des Deutschen Städtetags, Eckart Würzner, sagte, Bauen auf der grünen Wiese außerhalb der Städte sei zunächst nicht nötig.

In Großstädten mit besonders viel Nachfrage müsse man aber auch auf bereits genutzten Flächen bauen, sagte Eltges. Das bedeute Gebäude aufstocken, Dachgeschosse und Keller ausbauen, Discounter über- und Innenhöfe bebauen. So ließen sich noch einmal mehrere Hunderttausend Wohnungen realisieren.

Geywitz wies darauf hin, dass durch die vermehrte Umstellung auf Homeoffice auch Büroflächen in Wohnraum umgewandelt werden könnten.

Baurecht »entrümpeln«

»Land zum Bauen ist da. Jetzt kommt es auf den gemeinsamen Willen an, so viel bezahlbares Wohnen wie möglich zügig auf den Wohnungsmarkt zu bringen«, betonte Geywitz. Würzner forderte eine konsequente dauerhafte Förderung durch Bund und Länder für den sozialen Wohnungsbau. Außerdem müsse das Baurecht »entrümpelt« werden. »Sofort nutzbare Bauflächen dürfen nicht aus Spekulationszwecken liegen gelassen werden«, betonte er.

Ende April will die Bauministerin den Startschuss für das von ihr angestrebte »Bündnis bezahlbarer Wohnraum« geben. Am 27. April soll das Gremium erstmals zusammenkommen. Das Bündnis soll 35 ständige Mitglieder aus den Ländern, den kommunalen Spitzenverbänden, den Branchenverbänden und der Zivilgesellschaft umfassen sowie zwölf beratende Mitglieder als Experten aus den Parlamenten und anderen Institutionen.

mmq/dpa/Reuters