Brüsseler Spitzenjob Merkel will Schäuble zum Euro-Gruppen-Chef befördern

Er würde Jean-Claude Junckers Erbe antreten: Finanzminister Wolfgang Schäuble soll nach dem Willen von Kanzlerin Angela Merkel zum Chef der Euro-Gruppe werden. Frankreich blockiert den Vorstoß noch - weil es sich vor einer zu starken Position Deutschlands fürchtet.
Vertraute Merkel, Schäuble: "Er hat im Moment die besten Karten"

Vertraute Merkel, Schäuble: "Er hat im Moment die besten Karten"

Foto: dapd

Berlin - Wer folgt Jean-Claude Juncker im Sommer als Chef der Euro-Gruppe? Gute Aussichten hat offenbar Wolfgang Schäuble, wie die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Informanten in Brüssel und mehreren EU-Hauptstädten schreibt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) soll bei den anderen Regierungschefs der Euro-Länder für den Finanzminister als Nachfolger von Luxemburgs Ministerpräsident geworben haben, schreibt die Zeitung. Die Bundesregierung wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

Schäuble sei erste Wahl, wenn die Euro-Gruppe nicht erneut von einem Regierungschef geleitet werde, schrieb die Zeitung und zitierte einen Insider mit den Worten: "Er hat im Moment die besten Karten." Der finnische Ministerpräsident Jyrki Katainen und dessen italienischer Kollege Mario Monti hätten bereits abgelehnt. Sollte Schäuble sich durchsetzen, könnte er sein bisheriges Amt weiter ausüben.

Der langjährige Chef der Euro-Gruppe, Juncker, hatte im März signalisiert, den Posten abgeben zu wollen. Seine Amtszeit endet im Juni. Es gilt aber auch nicht als ausgeschlossen, dass Juncker selbst weitermacht. Eigentlich will sich der 57-Jährige wegen Arbeitsüberlastung zurückziehen.

Die Entscheidung könnte sich nach Informationen der Zeitung bis nach den französischen Präsidentschaftswahlen im Mai verzögern. "Noch geht das Spiel nicht auf", sagte ein hochrangiger EU-Finanzpolitiker dem Blatt. Demnach gebe es noch Widerstände auf Seiten Frankreichs. "Sarkozy fürchtet, die deutsche Position könnte zu stark werden. Seit klar ist, dass Merkel für Schäuble sondiert, hat sich die Ablehnung Sarkozys gegen Juncker geändert", hieß es in Kreisen der Euro-Gruppe.

Große Personalrunde in der Euro-Zone

Derzeit sind mehrere europäische Spitzenposten unter den Euro-Staaten zu vergeben. Die anstehenden Personalien sind zwar offiziell nicht miteinander verknüpft, es gilt aber als ungeschriebenes Gesetz in der EU, die Ämter gleichmäßig auf die verschiedenen Staaten zu verteilen.

Schäuble selbst hatte sich zu Wochenbeginn dafür ausgesprochen, dass der Nachfolger aus einem Euro-Staat mit einer Einsernote bei den Rating-Agenturen kommen sollte. Das sind außer Deutschland noch Luxemburg, Finnland und die Niederlande. Die sogenannten AAA-Länder seien "am besten geeignet, einen Kandidaten zu präsentieren", sagte der CDU-Politiker einer niederländischen Zeitung.