Nach Johnson-&-Johnson-Lieferstopp Lauterbach fordert deutsche Notfallzulassung für Curevac-Impfstoff

Angesichts der Verzögerungen bei Johnson & Johnson könnte der Impfstoff von Curevac extrem wichtig werden. SPD-Politiker Karl Lauterbach warnt, Deutschland dürfe nicht auf die langwierige EU-Zulassung warten.
SPD-Experte Lauterbach: »Der Curevac-Impfstoff wäre eine massive Entlastung«

SPD-Experte Lauterbach: »Der Curevac-Impfstoff wäre eine massive Entlastung«

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Michael Kappeler / dpa

Nach dem Lieferstopp für den Coronaimpfstoff von Johnson & Johnson fordert der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, dass Deutschland eine nationale Notfallzulassung für die Vakzine des Tübinger Herstellers Curevac vorbereitet.

»Wenn Curevac ähnlich gut wirkt wie Biontech oder Moderna, was zu erwarten ist, sollte der Impfstoff schnellstmöglich zugelassen und verimpft werden«, sagte Lauterbach dem SPIEGEL. Auf das Plazet der EU-Arzneimittelbehörde (EMA) solle Deutschland dann nicht warten: »Bei der EMA dauert es oft zu lange, das haben wir schon bei Biontech gesehen.«

Ebenso wie die Vakzinen von Biontech und Moderna ist auch die von Curevac ein mRNA-Impfstoff. In den kommenden Wochen sollen die Ergebnisse der Phase-3-Studie veröffentlicht werden. Bis zu einer offiziellen Zulassung durch die EMA könnten dann jedoch nochmals mehrere Wochen vergehen. Die EU-Behörde hatte sich auch bei Moderna, AstraZeneca und Johnson & Johnson länger Zeit gelassen als etwa Regulierer in Großbritannien oder den USA.

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Für Deutschland könnte das Paul-Ehrlich-Institut schon vorher eine Notfallzulassung beschließen. »Dies wäre richtig, sofern die Wirksamkeit des Curevac-Impfstoffs hoch ist. Wir sind in einer Notlage, und der Curevac-Impfstoff wäre eine massive Entlastung«, sagte Lauterbach. »Und wenn die EU-Zulassung dann später kommt, kann sie die deutsche Notfallzulassung ersetzen.«

Lauterbach zufolge hat das Tübinger Unternehmen bereits mehrere Millionen Dosen vorproduziert. Zumindest ein Teil davon könnte dann umgehend den Menschen in Deutschland verabreicht werden.

»Wenn Johnson & Johnson nur an über 60-Jährige verimpft wird, haben wir bei den unter 60-Jährigen ein Mengenproblem.«

Karl Lauterbach

Lauterbach geht davon aus, dass die EU auch den Johnson-&-Johnson-Impfstoff einsetzen wird – trotz der Berichte über Sinusvenenthrombosen bei bislang sechs geimpften US-Bürgerinnen. Es könne allerdings sein, dass dieses Mittel ähnlich wie AstraZeneca hauptsächlich älteren Menschen verabreicht werde.

Auch darauf müssten sich die Verantwortlichen in Deutschland jetzt vorbereiten, fordert der SPD-Experte. »Klar ist: Wenn Johnson & Johnson nur an über 60-Jährige verimpft wird, haben wir bei den unter 60-Jährigen ein Mengenproblem. Das wird unsere Impfkampagne deutlich verzögern.«

Selbst wenn Biontech und Moderna alle bestellten Mengen pünktlich und im vollen Umfang liefern, werden bis Anfang Juli von diesen beiden RNA-Impfstoffen insgesamt nur gut 70 Millionen Dosen in Deutschland angekommen sein. Das reicht nur für rund 35 Millionen Bundesbürger. Umso wichtiger wäre dann das Curevac-Serum.

Weniger Hoffnungen setzt Lauterbach in den russischen Sputnik-V-Impfstoff, den unter anderem die Landesregierungen von Bayern und Mecklenburg-Vorpommern beschaffen wollen. »Sputnik könnte ähnliche Nebenwirkungen zeigen wie AstraZeneca und Johnson & Johnson«, sagte der Politiker und Arzt, der sich selbst unlängst mit AstraZeneca impfen ließ. Alle drei seien Vektorimpfstoffe. Und: »Die Wahrscheinlichkeit, dass es ein Vektorproblem ist, die ist relativ groß.«

Angesichts der neuerlichen Verzögerung der Impfkampagne erneuerte Lauterbach seine Forderung, den Zeitraum zwischen der ersten und zweiten Impfdosis auf zwölf Wochen zu strecken – um so möglichst viele Menschen schon einmal durch die erste Spritze einen gewissen Schutz zu geben.

»Daten aus Großbritannien zeigen eindeutig, dass schon nach der ersten Dosis die Neuinfektionen und die Anzahl der schweren Erkrankungen drastisch fällt«, sagte der 58-jährige. »Wir brauchen jetzt pragmatische Lösungen, die so viele Menschenleben wie möglich retten.«

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