Konflikt mit Madrid Krise treibt Arbeitslosigkeit in Katalonien hoch

Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft, das bekommt nun auch Katalonien zu spüren: Viele Firmen ziehen weg. Die Arbeitslosigkeit steigt in der Region viel schneller als im Rest des Landes.

Unabhängigkeits-Verfechter in Katalonien
AP

Unabhängigkeits-Verfechter in Katalonien


Katalonien gilt als Wirtschaftsmotor Spaniens, der ökonomische Erfolg ist auch eine der Triebfedern für die Unabhängigkeitsbewegung der Region. Das politische Gezerre um eine mögliche Loslösung von Spanien bekommt der Wirtschaft vor Ort allerdings gar nicht.

Das zeigen die neuen Zahlen vom Arbeitsmarkt: Die Erwerbslosigkeit ist im Oktober in Katalonien deutlich stärker angestiegen als im Rest Spaniens. Die Zahl der Arbeitslosen legte um rund 3,7 Prozent zu, teilte das Arbeitsministerium in Madrid mit. Landesweit fiel der Anstieg mit rund 1,7 Prozent dagegen weniger als halb so stark aus. Wegen der politischen Krise haben fast 2000 Unternehmen ihren Firmensitz aus Katalonien verlegt.

Allerdings ist der genaue Effekt der Krise auf die Arbeitslosigkeit schwer zu erfassen. Auch in vergangenen Jahren war die Arbeitslosigkeit saisonal bedingt im Oktober in Katalonien stärker gestiegen als im Rest des Landes. 2016 etwa stieg die Zahl der Arbeitslosen in der Region um 1,6 Prozent, landesweit waren es damals etwas mehr als 1 Prozent.

Spaniens Wirtschaft robust

Insgesamt hatten im vergangenen Monat der Statistik zufolge 3,47 Millionen Frauen und Männer in Spanien keinen Job, das sind fast 57.000 mehr als im Vormonat. Nach dem Ende des Sommers ist ein Anstieg üblich, da viele Saisonkräfte in der Tourismusbranche ihren Job verlieren.

Werden solche jahreszeitlichen Schwankungen herausgerechnet, dann sank die Arbeitslosigkeit dagegen um fast 24.000. Spanien zählt zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Europas und hat die Katalonien-Krise bislang gut weggesteckt. Im dritten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt um 0,8 Prozent zu, das der Euro-Zone nur um 0,6 Prozent. In der Industrie liefen die Geschäfte im Oktober so gut wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex kletterte um 1,5 auf 55,8 Punkte, wie das Institut IHS Markit ermittelte.

Nach Verkündung der Unabhängigkeit Kataloniens durch das Regionalparlament hatte die Zentralregierung in Madrid umgehend die dortige Regierung abgesetzt und für den 21. Dezember Neuwahlen festgelegt. Am Montag erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die Mitglieder der entmachteten katalanischen Regionalregierung.

beb/Reuters

insgesamt 40 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wannbrach 03.11.2017
1.
Wenn sich sogar der König selber in die Sache Katalonien einmischt und Firmen bedrängt in andere Teile Spaniens umzuziehen ist es auch kein Wunder wenn dies geschieht. Hier wird die Demokratie mit Füssen getreten, sind doch die Worte eine freie Meinungsäußerung nur noch hohle Versprechen wenn die Regierungsangehörigen Kataloniens jetzt in Gefängnisse landen.
kayakclc 03.11.2017
2. Erst nachdenken dann handeln
Leider verstehen Nationalisten nicht, dass sie mit einer Abschottungspolitik ein Land in einer global vernetzen Wirtschaft in eine wirtschaftlichen Abwärtsspirale versetzten. Noch schlimmer sind diese größenwahnsinnigen selbsternannten Regionalfürsten, denen es alleine um ihre persönliche Macht und nicht um das Land gehen. Katalonien ist nur deshalb so erfolgreich, weil es Teil von Spanien und Teil der Eurozone in der EU ist.
maipiu 03.11.2017
3. Die Welt ist komplex...
und leider nicht so einfach, wie Populisten sie reden, damit sie ins Twitter-Format passt. Die Katalanen können sich bei Putsch-Dämon ebenso bedanken, wie die Briten bei Nigel Farage. Und mal schauen, welchen Populisten in Zukunft noch hinterher gerannt wird.
losmajos45 03.11.2017
4. Die Kirche im Dorf lassen !
Was sind das eigentlich für Leute, die da zur Rechenschaft gezogen werden? Es handelt sich doch um Personen die eindeutig gegen die bestehende spanische Verfassung verstossen haben. Warum? Die bisherige Regierung unter Sr. Puigdemont, hat öffentlichen Raum und Steuergelder (aller Spanier!) dazu missbraucht, ein illegales "Referendum" abzuhalten. Was gibt es denn da zu diskutieren? Veruntreuung ist doch in Deutschland auch eine Straftat. Oder? Auch hat die Ex-Regierung die Bevölkerung so polarisiert, dass durch viele Familien ein regelrechter Riss entstanden ist. Das kann doch nicht das Ziel einer Volksvertretung sein! Glaubt denn, ausser den Separatisten, ernsthaft jemand, dass Sr. Puigdemont nach Belgien "gereist" ist, um für die Unabhängigkeit Kataloniens zu kämpfen? Was bitte ist denn mit unserer Wahrnehmung passiert, wenn wir uns von solchen Dünnbrettbohreren einwickeln lassen? Diese Personen haben für sich und ihre Anhänger eine parallele Realität erfunden, und bewerben diese immer noch! (Angriff auf die Demokratie seitens der spanischen Regierung, Justiz etc. . . ) Das sind doch Leute, die vermutlich nur vorgeben, sich von der Realität verabschiedet zu haben, um ihre Anhänger weiter mobil zu halten. Das sieht doch ziemlich nach Nebelkerzen aus. Fragt sich, was genau da versteckt werden soll. Sr. Puigdemont dürfte nicht mal auf meine Katze aufpassen. So jemand kann man doch nicht ernsthaft vertrauen. Wenn ich dann auch noch in einem Ihrer Kommentare (23.10.2017, von Jakob Augstein) lese, dass die Separatisten "fröhlich" die Unabhängigkeit feiern, dann fliegt mir der Draht aus dem Hut. Fragen sSie doch mal die Leute von der Guardia Civil, die am 1. Oktober die Drecksarbeit für die Mossos erledigt haben, die kurz nach dem "Referendum" ihre Hotels verlassen mussten, weil ihnen gedroht wurde, die Hotels in Brand zu stecken. Siehe Berichterstattung des TV-Senders La Sexta. Finden Sie das fröhlich? Was glauben Sie wieviele Leute von Separatisten gemobbt werden? Bitte verharmlosen Sie die Situation nicht. Es kann immer noch Gewalt ausbrechen. Die Ex-Regierung von Katalonien hat Spanien ganz allgemein grossen Schaden zugefügt. Denken Sie mal an die ausbleibenden Touristen! An die Hotels denen die Buchungen wegbrechen. An die kleinen Leute. Es kostet uns hier einen Teil des BIP, der sich bisher noch nicht beziffern lässt. Zahlen hierzu sind womöglich nur Spekulationen. Wir müssen und an die Gesetze halte. Das ist, was uns unser Zusammenleben erst ermöglicht. Es ist keine Unterdrückung. Träume sind ja nicht verboten. Die Gedanken sind frei. Aber, freies Zitat vom Ex-Bundespräsidenten Richard von Weizäcker: "Die Freiheit des Einzelnen, ist auch immer die Freiheit der Anderen".
chalchiuhtlicue 03.11.2017
5. @wannbrach
Zitat von wannbrachWenn sich sogar der König selber in die Sache Katalonien einmischt und Firmen bedrängt in andere Teile Spaniens umzuziehen ist es auch kein Wunder wenn dies geschieht. Hier wird die Demokratie mit Füssen getreten, sind doch die Worte eine freie Meinungsäußerung nur noch hohle Versprechen wenn die Regierungsangehörigen Kataloniens jetzt in Gefängnisse landen.
Also wenn Separatisten mit illegalen Mitteln agieren, dann ist das oK, wenn deren Gegner mit legalen Mitteln agieren, dann ist das nicht oK? SIE verstehen scheinbar nicht, was Demokratie ist. Demokratie ist nicht "Alles was mir passt ist demokratisch, alles was mir nicht passt ist undemokratisch." ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.