Katar-Reise Weil sammelt Komplimente für deutsche Industrie

Niedersachsens Regierungschef Weil nutzt seinen Besuch in Katar auch, um für die deutsche Industrie zu werben. Überraschende Auskünfte bekommt er zu VW und Lufthansa.

Stephan Weil, katarische VW-Aufsichtsratskollegin Hessa al-Dschabir: Freundlicher Empfang
Jan Petermann/DPA

Stephan Weil, katarische VW-Aufsichtsratskollegin Hessa al-Dschabir: Freundlicher Empfang


Die Deutsche Industrie genießt großes Ansehen in Katar. Entsprechend freundlich war der Empfang, den Vertreter der heimischen Wirtschaft Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil während seiner Reise durch das Emirat am Persischen Golf bereitete. Zu den erfreulichen Terminen zählte zum Beispiel das Zusammentreffen mit Hessa al-Dschabir, die seit 2016 als Vertreterin des katarischen Staatsfonds QIA im Aufsichtsrat von Volkswagen sitzt.

QIA hält 17 Prozent der Stimmrechte an dem Unternehmen und ist damit nach den Familien Porsche/Piëch und dem Land Niedersachsen drittgrößter Anteilseigner. Er ist auch an weiteren deutschen Unternehmen wie der Deutschen Bank, Siemens oder Hapag-Lloyd beteiligt.

Al-Dschabir, sieht den Konzern durch die schwere Krise des Abgasskandals langfristig gestärkt. Die Manipulationen am Schadstoffausstoß von Dieselantrieben, die im September 2015 aufgeflogen waren, seien für die Wolfsburger schmerzlich gewesen. Aber inzwischen sehe man: "VW ist heute stärker als vor drei Jahren. Die Krise hat geholfen bei der Neuausrichtung des Unternehmens."

Qatar-Airways an Lufthansa-Beteiligung interessiert

Generell schätze sie die deutsche Industrie, sagte al-Dschabir. Auch im weltweiten Wettbewerb um Marktanteile merke man, dass die Unternehmen in der Bundesrepublik von ihrer hohen Qualität profitieren könnten. Sie habe großen Respekt vor deutscher Ingenieurskunst: "Katar hat Rohstoffe, Deutschland gute Köpfe."

Beim Treffen mit dem Chef der staatlichen katarischen Fluggesellschaft Qatar Airways, Akbar Al Baker, gab es auch noch Lob für die Lufthansa. "Wenn es eine Möglichkeit gibt, in Lufthansa zu investieren, dann würden wir das gern machen", sagte der Manager am Sonntag nach dem Gespräch mit Weil. In einem ersten Schritt könne er sich zumindest eine "Partnerschaft" vorstellen.

"Deutschland ist für uns sowohl bei Luftverkehrsdienstleistungen als auch bei der Entwicklung des Tourismus ein sehr wichtiges Land", erklärte Al Baker. Qatar Airways hält bereits Anteile an verschiedenen anderen Gesellschaften.

Noch seien aber die Beschränkungen der Verkehrsrechte in der EU ein Problem. Katar wolle als erstes Land der Golf-Region ein umfassendes Luftverkehrsabkommen mit Brüssel schließen, um seine Rechte schrittweise ausbauen zu können. Aktuell verhindere allerdings der Brexit-Prozess eine Ratifizierung. "Ich bin sehr optimistisch, dass die EU zur Ratifizierung bereit sein wird, sobald die Brexit-Frage gelöst ist", sagte Al Baker.

Weil ist noch bis Dienstag mit einer großen Wirtschaftsdelegation in Katar. Weil und die Firmenvertreter wollen die Beziehungen mit Doha in Wirtschaft und Wissenschaft ausbauen. Dabei soll es auch um mögliche neue Projekte gehen.

mik/dpa-AFX



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