Nahost Was die Katar-Krise für die Öl- und Gasmärkte bedeutet

In Katar liegt das größte Gasfeld der Erde. Händler reagieren deshalb nervös auf das Zerwürfnis des Emirats mit Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten. Welche Folgen hat das für die Öl- und Gaspreise?

Das North Field ist das größte Erdgasfeld der Welt. Es liegt im Persischen Golf, vor der Küste Katars, und erstreckt sich fast über die komplette Breite der Meerenge bis hinüber zur iranischen Küste. Mit seinen geschätzt 25,5 Billionen Kubikmeter Erdgas ist das North Field eine der Hauptquellen für Katars gigantischen Reichtum.

Momentan ist das Erdgas aus dem winzigen Emirat zudem das größte Sorgenkind der internationalen Rohstoffhändler. Denn im Nahen Osten braut sich eine neue Krise zusammen.

Am Montag haben Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten, Bahrain, Jemen und die international nicht anerkannte Regierung in Libyens Osten ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Das Emirat ist ihnen offenbar zu mächtig geworden und zu nah an Iran herangerückt. Nun fürchten Händler, der Kalte Krieg am Golf könnte schlimmstenfalls die globalen Gasmärkte durcheinanderbringen.

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Rohstoffgiganten wie ExxonMobil  , Total   oder Shell   beuten gemeinsam mit Katar das North Field aus und exportieren das Gas als sogenanntes liquefied natural gas, kurz LNG, in alle Welt. Der kostbare Rohstoff wird auf minus 164 Grad Celsius abgekühlt, dadurch verflüssigt und auf ein Sechshundertstel seines Volumens komprimiert. Dann wird er in großen Mengen auf große Schiffe gepumpt und um den Globus geschickt - nach Japan, Indien und China, in den Nahen Osten und teils sogar nach Großbritannien.

77,2 Millionen Tonnen schockgefrostetes Gas hat Katar im vergangenen Jahr exportiert, heißt es in einem Bericht der International Gas Union, eines der wichtigsten internationalen Verbände der Branche. Das entspricht etwa einem Drittel der weltweiten LNG-Produktion.

LNG-Tanker in Doha

LNG-Tanker in Doha

Foto: Maneesh Bakshi/ ASSOCIATED PRESS

Die Krise in Nahost könnte für die Gaslieferungen des Emirats nun zwei Folgen haben:

  • Laut einem Bericht der Zeitung "The National" droht katarischen Schiffen eine Seeblockade. Die Saudis und ihre Verbündeten könnten dem Emirat verbieten, durch ihre Hoheitsgewässer zu kreuzen. Katars Monstertanker wären dann komplett von Iran und Oman abhängig, um den Persischen Golf überhaupt noch zu verlassen.
  • Die Gaspreise sind in vielen langfristigen Lieferverträgen an den Ölpreis gekoppelt. Sollten die Ölpreise infolge der neuen Nahost-Krise steigen, würden mit einiger zeitlicher Verzögerung auch die LNG-Preise anziehen.

Die größten Exporteure von verflüssigtem Erdgas (LNG) 2015

Exporteur Mio. Tonnen Weltmarktanteil in %
1 Katar 77,8 31,8%
2 Australien 29,4 12,0%
3 Malaysia 25,0 10,2%
4 Nigeria 20,4 8,3%
5 Indonesien 16,1 6,6%
6 Trinidad 12,5 5,1%
7 Algerien 12,1 5,0%
8 Russland 10,9 4,5%
9 Oman 7,8 3,2%
10 Papua Neuguinea 7,0 2,9%
REST 25,7 10,5%
GESAMT 244,8 100%
Quelle: International Gas Union

Kein Wunder also, dass Händler ob der Ereignisse in Nahost nervös sind. Auch wenn Analysten die Risiken für den Weltmarkt momentan für überschaubar halten. Denn noch gibt es ja keine Seeblockade. Der japanische Konzern Jera, der weltweit größte LNG-Einkäufer, teilte am Montag mit, Katar habe versprochen, seine zugesagten Lieferungen einzuhalten. Der Inselstaat Japan ist auf die Versorgung durch LNG besonders angewiesen.

Auch die Ölmärkte reagierten auf den Überraschungsschlag der Saudis bislang nicht besonders hysterisch. An den internationalen Rohölbörsen legten die Kurse am Montag zwar zunächst zu, gaben dann aber rasch wieder nach. Die gelassene Reaktion hat zwei Gründe: Im Ölmarkt ist Katar, erstens, ein eher kleiner Player, das Emirat steuert einen Anteil von unter zwei Prozent zur weltweiten Ölförderung bei. Zweitens könnten die diplomatischen Verwerfungen kurzfristig sogar eher dazu führen, dass die Ölpreise sinken.

Bislang ist Katar einer der 24 Staaten, die ihre Ölförderung freiwillig begrenzen, um einem Preisverfall am Weltmarkt entgegenzuwirken. Jetzt hat das Emirat kaum noch einen Ansporn, sich weiter an entsprechende Absprachen zu halten. Denn die Förderbremse wurde vor allem von Saudi-Arabien initiiert.

Es sind also vor allem die langfristigen Folgen, die Händler fürchten. Die Unübersichtlichkeit und Unsicherheit, die entstehen würden, wenn die diplomatische Krise am Golf nicht rasch gelöst wird.

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Foto: Friso Gentsch/ dpa
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