Boykott-Reaktion Katar will offenbar Kühe einfliegen lassen

Saudi-Arabien und andere Nachbarstaaten isolieren Katar. Verbündete helfen mit einer Luftbrücke. Mangels Milchprodukten plant ein Unternehmer laut einem Bericht auch den Import Tausender Kühe - per Flugzeug.

Katars Hauptstadt Doha
REUTERS

Katars Hauptstadt Doha


Nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen durch Saudi-Arabien und andere Staaten der Region beginnt sich Katar mit der Isolation zu arrangieren. Das von Importen abhängige Land wird von Verbündeten wie Iran unter anderem per Schiff sowie per Luftbrücke mit Dingen des täglichen Bedarfs versorgt.

Um in dem Land nicht auf frische Milch verzichten zu müssen, soll der katarische Unternehmer Moutaz al-Khayyat deshalb nun auch 4000 Kühe gekauft haben, wie "Bloomberg"-News berichtet. Es brauche 60 Flüge, um die je knapp 600 Kilogramm schweren Tiere nach Katar zu bringen, hieß es. "Es ist an der Zeit, etwas für Katar zu tun", zitiert "Bloomberg" den Unternehmer. Eine Bestätigung für diesen Lufttransport steht aus.

Selbstbewusst hatte zuvor auch der katarische Finanzminister Ali Scherif al-Emadi in einem Interview auf die seit mehr als einer Woche bestehende Blockade reagiert. "Unsere Reserven und Investmentfonds entsprechen mehr als 250 Prozent des Bruttoinlandsproduktes", sagte Emadi in dem Gespräch mit dem US-Sender CNBC. "Ich denke deshalb, dass es keinen Grund dafür gibt, besorgt zu sein."

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten hatten vergangene Woche überraschend die Beziehungen zu der Regierung in Doha abgebrochen und eine umfassende Blockade Katars zu Land, Luft und See ausgerufen. Hamsterkäufe waren die Folge. Die Länder beschuldigen das Emirat Katar der Finanzierung von Terror, die Regierung in Doha weist die Vorwürfe zurück. Doch Katar, das auf einer kleinen Halbinsel an der Ostküste der arabischen Halbinsel liegt, ist in der Region seither isoliert.

Fotostrecke

18  Bilder
Katar: Zwergstaat, ganz groß

Experten zufolge kann Katar trotz der Blockade seine Wirtschaft in Gang halten, solange andere Golfstaaten nicht die Ausfuhr des wichtigen Exportguts Flüssiggas stören. "Es scheint so, dass Katar eine längere Phase von Sanktionen überstehen kann", sagte Analyst Jason Tuvey von Capital Economics. Die Regierung könne das Wachstum mit Staatsausgaben und Infrastrukturprojekten sichern. Höhere Kosten und Verzögerungen könnten die Konjunktur aber bremsen.

apr/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.