Subventionen für Kirchentag Erst zahlen, dann beten

Seit jeher werden Kirchentage von Bund, Land und Kommune bezuschusst. Auch in Münster stößt das jetzt auf Widerstand, zum Ärger von Oberbürgermeister Markus Lewe. Doch er gilt als befangen - hat er doch zuvor im Bistum gearbeitet.
Dom und Lambertikirche in Münster: Für den Zusammenhalt der Gesellschaft

Dom und Lambertikirche in Münster: Für den Zusammenhalt der Gesellschaft

Foto: Friso Gentsch/ picture alliance / dpa

Berlin - Wenn Rainer Maria Woelki am 20. September sein Amt als Erzbischof von Köln antritt, dürfen sich die Kölner auf ein großes Fest freuen. Allein für Bier, Suppe und Würstchen auf dem Roncalli-Platz hat das Bistum 38.000 Euro eingeplant - hinzu kommen die Kosten für die Großbildleinwand, die vielen Plakate, für Ordner und für die anschließende Müllbeseitigung.

Bei anderen Großveranstaltungen sind die Glaubenshüter deutlich knausriger. Dazu gehören zum Beispiel die Kirchentage, zu denen das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) jährlich im Wechsel mit den Protestanten zusammenruft. Die Vereinigung versteht sich als Interessenvertretung der katholischen Laien, tritt also unabhängig von der Kirche auf. Entsprechend bezahlte die katholische Kirche lediglich rund die Hälfte der knapp zehn Millionen Euro, die die Katholikentage bislang kosteten. Rund ein Sechstel wird durch Eintrittsgelder und Spenden gedeckt. Den Rest müssen regelmäßig Bund, Länder und Kommunen zuschießen.

Insgesamt bezahlten die Steuerzahler zwischen 2001 und 2014 rund 25 Millionen Euro für Kirchentage - Gläubige wie Ungläubige, Kirchenmitglieder wie Konfessionslose. Zusätzlich zu den Kirchensteuern, die 2012 rund 5,2 Milliarden Euro für die Katholiken und 4,2 Milliarden Euro für die Protestanten ausmachten. "Der Katholikentag ist ein Angebot an alle Bürger, über Fragen der Gesellschaft zu sprechen. Das Thema Religion spielt jedenfalls nicht die Hauptrolle", begründet ZdK-Sprecher Theodor Bolzenius den Anspruch auf Subventionen. Das Treffen diene schließlich dem Zusammenhalt der Gesellschaft.

Aktuell ringen die Stadtväter in Münster darum, welchen Betrag sie dem ZdK für 2018 anbieten sollen. Der Verband entscheidet im November auf seiner Vollversammlung, wo der Kirchentag stattfinden soll, hat aber schon mal angefragt, ob gegebenenfalls 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden könnten.

Opposition begehrt auf

Doch die Subvention der "missionarischen Großereignisse" stößt zunehmend auf Widerstand. Der Leipziger Stadtrat entschied am Mittwochabend nach langem Streit, dass der Katholikentag 2016 mit einer Million Euro bezuschusst wird. In Münster ist es die FDP, die den Unmut offen formuliert. Noch schärfer argumentieren diejenigen, die mit Kirche wenig am Hut haben. "Ein Katholikentag als Dreh- und Angelpunkt des katholischen Vereinswesens soll von den Katholiken aus eigener Tasche finanziert werden", sagt Rainer Ponitka vom Bund der Konfessionslosen und Atheisten. Alles andere widerspreche dem Grundsatz der Trennung von Staat und Religion.

Auch in Münster ist die Mehrheit im Rat keineswegs sicher. SPD und Grüne fordern zunächst Auskunft darüber, wofür der städtische Zuschuss konkret eingesetzt werden soll und wie sich das Gesamt-Budget zusammensetzt. FDP, AfD und Linke sträuben sich gegen jede Subvention. Angesichts der finanziellen Engpässe im Etat und des hohen Schuldenstands gebe es keinen Spielraum für solche Ausgaben, heißt es im Kern übereinstimmend in allen drei Fraktionen.

Tatsächlich steht die westfälische Universitätsstadt mit mehr als 700 Millionen Euro in der Kreide. Münster hat schlicht kein Geld zu verschenken.

Dagegen hätte das Bistum Münster ohne weiteres die Finanzkraft, um die vom ZdK veranschlagten Kosten zu schultern. Offiziell beziffert die Diözese die Höhe ihres Geldvermögens mit rund 2,37 Millionen Euro (Stichtag: Oktober 2013). Darin nicht enthalten ist jedoch das Immobilienvermögen, ebenso wenig wie weitere Schattenhaushalte mit Erträgen aus Aktienbesitz, Stiftungen und Erbschaften. Ein zentraler Posten ist ein Anteil an der Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft (ASW), deren Immobilienbestand rund 350 Objekte vorwiegend in erstklassigen Einkaufslagen umfasst. Der Bischöfliche Stuhl zu Münster ist an der ASW mit gut zehn Prozent beteiligt. Der Wert der Anteile soll im hohen zweistelligen Millionenbereich liegen.

Es spricht also einiges dafür, dass die Kirche ihren Kirchentag selbst finanziert.

Bürgermeister als Kirchenmann

Oberbürgermeister Markus Lewe will solche Argumente jedoch nicht gelten lassen. "Das ZdK hat als eigenständige Institution gar keinen Zugriff auf das Vermögen der Kirche", erklärte er gegenüber SPIEGEL ONLINE. In einem Brief an die Ratsmitglieder machte der CDU-Politiker die Gegenrechnung auf und wies auf die Vorteile für die Stadt hin. Über Aufträge für örtliche Betriebe und die Ausgaben der Kirchtagsteilnehmer würden Millionen Euro nach Münster zurückfließen.

Doch Lewes Einsatz könnte der Sache der Kirche in der aktuellen Situation womöglich am Ende mehr schaden als nutzen. Der Oberbürgermeister gilt als befangen - er war Referatsleiter der Controlling-Abteilung im Bistum, bevor er in die Kommunalpolitik wechselte.

Als Sparkommissar hat sich Lewe während seines Kirchendienstes nicht hervorgetan. In seine Amtszeit fällt zum Beispiel die Renovierung des repräsentativen Bischofssitzes am Horsteberg - mit aufwendiger Einfassung eines roten Teppichläufers im Natursteinboden, einer Bibliothek im Keller und einer besonderen Badewanne. Die Sonderwünsche kamen vom damaligen Münsteraner Weihbischof, einem gewissen Franz-Peter Tebartz-von Elst.