Mehr Rechte für Geschiedene Katholische Kirche plant moderneres Arbeitsrecht

Geschieden, neu verheiratet - und prompt gefeuert: So erging es Angestellten von katholischen Arbeitgebern bisher. Doch offenbar zeichnet sich in der Kirche jetzt ein Umdenken ab.
Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode: Neuer Kurs gegenüber Geschiedenen

Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode: Neuer Kurs gegenüber Geschiedenen

Foto: Friso Gentsch/ picture alliance / dpa

Hamburg - Die katholische Kirche will laut einem Pressebericht auf wiederverheiratete Geschiedene zugehen und ihr Arbeitsrecht in einem wichtigen Punkt ändern. Eine automatische Kündigung von Geschiedenen, die eine neue Ehe eingehen, solle künftig nicht mehr vorgesehen sein, berichtet die "Rheinische Post". Das gehe aus dem Änderungsvorschlag für die "Grundordnung des kirchlichen Dienstes" in den deutschen Bistümern hervor. Der Vorschlag ist demnach Ergebnis von Beratungen einer Arbeitsgruppe unter Leitung des ehemaligen Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch und des Verbands der Diözesen Deutschlands. Er solle für alle katholischen Arbeitgeber gelten, also auch für Krankenhäuser und die Caritas.

Ehescheidungen erkennt die katholische Kirche nicht an und betrachtet standesamtliche Wiederverheiratungen deshalb als widerrechtlich. Dem Bericht zufolge soll ein solcher "kirchenrechtlich unzulässiger Abschluss einer Zivilehe" aber künftig nur noch als Kündigungsgrund gelten, "wenn dieser nach den konkreten Umständen objektiv geeignet ist, ein erhebliches Ärgernis in der Dienstgemeinschaft oder im beruflichen Wirkungskreis zu erregen und dadurch die Glaubwürdigkeit des kirchlichen Dienstes zu beeinträchtigen".

Das wäre eine deutliche Lockerung gegenüber der derzeitigen Regelung, bei der Geschiedene im Regelfall gekündigt werden, wenn sie eine neue Ehe eingehen. Laut der derzeitigen Grundordnung kann von einer Kündigung nur "ausnahmsweise" abgesehen werden, "wenn schwerwiegende Gründe des Einzelfalles diese als unangemessen erscheinen lassen".

Bis zum 24. November soll laut "Rheinischer Post" ein finaler Entwurf vorliegen. Dann muss die Bischofskonferenz die Änderung noch beschließen. Aus dem Papier gehe hervor, dass die meisten Stellungnahmen der Diözesen zu dem Entwurf positiv seien, nur ein Bistum lehne ihn weitgehend ab.

Osnabrücker Bischof für liberaleren Kurs

Nicht nur im Arbeitsrecht, auch im Kirchenalltag könnte sich ein liberalerer Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen abzeichnen. Unmittelbar vor Beginn der Familiensynode im Vatikan hat sich der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode für einen neuen Umgang mit Gläubigen ausgesprochen, die nach einer Scheidung wieder geheiratet haben. "Ich persönlich bin der Meinung, dass man Betroffenen nach einer Zeit der persönlichen Auseinandersetzung und der Buße auch wieder die Nähe Christi in Gestalt der Sakramente schenken sollte", sagte der Bischof der "Welt". Er sei überzeugt: "Dieser Gott ist zugleich den Menschen so sehr zugewandt, dass er auch in noch größerer Barmherzigkeit mit den Brüchen, mit dem Scheitern, mit dem Nichtgelingen umgeht."

Mit Blick auf die Synode erwartet Bode, "dass wir hinterher nicht einfach genau dasselbe sagen wie vorher". In seinem eigenen Bistum legt der Bischof Priestern keine Steine in den Weg, wenn sie wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zulassen. "Es gibt da keine einheitliche Dienstanweisung. Ich gehe davon aus, dass die Priester die Situation vor Ort am besten kennen", betonte Bode, der die Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz leitet.

Wie die katholische Kirche mit Menschen umgeht, die nach einer Scheidung wieder geheiratet haben, ist eines der Themen der Bischofssynode, die an diesem Sonntag von Papst Franziskus im Vatikan eröffnet wird. Zwei Wochen lang diskutieren 191 Kirchenobere über die katholische Lehre zu Familie und Sexualmoral. Sie werden auch von Laien beraten. Aus Deutschland nehmen der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx und die Berliner Familienberaterin Ute Eberl teil.

ric/dpa
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