Kollektivierung von Unternehmen 40 Prozent der SPD-Wähler finden  Kühnerts Vorschlag gut

Der Juso-Chef hat mit seinem Vorstoß zur Kollektivierung von Konzernen heftige Diskussionen ausgelöst. Laut einer SPIEGEL-ONLINE-Umfrage sehen 70 Prozent der Deutschen seinen Vorschlag negativ. Bei einigen Gruppen kommt er aber gut an.

BMW-Zentrale in München
Lino Mirgeler/DPA

BMW-Zentrale in München


In der Bevölkerung stößt Kevin Kühnerts Vorstoß zur Kollektivierung von Konzernen wie BMW auf breite Ablehnung. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE bewerten insgesamt knapp 70 Prozent Kühnerts Vorschlag "sehr negativ" oder "eher negativ". Nur 23 Prozent sehen die Forderung "sehr positiv" oder "eher positiv".

Damit ist klar, dass die Vorstellung des Juso-Chefs von mehr Sozialismus eine Minderheiten-Meinung in der Bundesrepublik ist.

Allerdings stößt Kühnert bei bestimmten Gruppen durchaus auf positive Resonanz. So finden 40,8 Prozent der SPD-Anhänger seinen Vorschlag insgesamt gut. Unter den Linken-Wählern befürworten sogar gut zwei Drittel eine Kollektivierung.

Kühnert hatte sich in einem Interview der "Zeit" für eine demokratische Kollektivierung von Großkonzernen wie BMW ausgesprochen. "Ohne Kollektivierung ist eine Überwindung des Kapitalismus nicht denkbar", hatte er gesagt. Der Begriff der Kollektivierung ist dabei zwar recht schwammig. Man versteht darunter aber gemeinhin eine Überführung von Privat- in Gemeinschaftseigentum.

Im SPIEGEL hat Kühnert inzwischen nachgelegt und seine Äußerungen verteidigt: "Ich habe das sehr ernst gemeint, was ich formuliert habe." Der Kapitalismus sei "in viel zu viele Lebensbereiche" vorgedrungen: "So können wir auf keinen Fall weitermachen."

Wie groß die ideologischen Gräben in dieser Frage sind, zeigt sich auch daran, dass laut Umfrage 96 Prozent der FDP- und 97 Prozent der CDU/CSU-Wähler Kühnerts Vorstoß ablehnen. Selten ist die Bevölkerung bei einer Frage so stark in zwei Lager geteilt - wobei das Lager der Gegner in diesem Fall deutlich größer ist als das der Befürworter.

Civey hat für die repräsentative Untersuchung mehr als 5000 Menschen befragt - und die Daten auch noch nach weiteren Merkmalen ausgewertet. Dabei wird deutlich, das Kühnert mit seinem Vorschlag in bestimmten Bevölkerungsgruppen durchaus Zustimmung findet. So gab in Ostdeutschland etwa jeder Dritte an, eine Kollektivierung positiv zu sehen. Ähnlich hoch ist die Zustimmung bei Menschen mit sehr niedriger Kaufkraft und unter den Teilnehmern, die in Gegenden mit einer sehr hohen Bevölkerungsdichte wohnen (also Großstädter).



Umfrage zu Kevin Kühnerts Vorschlag:


Wer steckt hinter Civey? An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

stk

insgesamt 121 Beiträge
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Seite 1
yvowald@freenet.de 03.05.2019
1. Über Sozialisierung nach Art. 15 GG nachdenken
BMW ist ein gutes Beispiel. Die Hälfte des Unternehmens (Aktienmehrheit) gehört dem Familien-Clan Quandt/Klatten. Aufgrund ihres Aktienvermögens erhielt die Familie für 2017 Dividenden in Höhe von rund 900.000.000 EURO, in Worten 900 Millionen Euro. Und dies als leistungsloses Einkommen. Ist das zu rechtfertigen? Wohl kaum. Da sollten wir also ruhig über die Vergesellschaftung (Sozialisierung gemäß Artikel 15 Grundgesetz) nachdenken und Denkverbote endlich auflösen.
hegoat 03.05.2019
2.
schon lustig, da haut der Kevin mal einfach was raus und die halbe BRD fängt an zu diskutieren, SPON startet sogar ne Umfrage. Bravo! Dabei sagt er eigentlich nur das, was tief im Parteiprogramm der SPD schlummert, aber seit der Ära Kohl vergessen war.
schlumz 03.05.2019
3. Ein reizvoller Gedanke
Ich glaube aber, dass Staat leider nur Behörde kann. Unternehmen kann Staat nicht.
tiger56 03.05.2019
4. Dieses Fazit hier als die
Bevölkerungsmehrheit zu interpretieren regt in mich auf. Repräsentativ? Spiegelleser?! Spiegelleser wissen mehr... meist verfügen die auch über ein höheres Einkommen;0)). Ein Schelm ist wer hier Böses denkt.. Um so eine Aussage zu treffen.. wäre wohl eine Volksbefragung der objektivere Weg. Gemäß dem Motto: traue keiner Statistik die Du nicht selbst gefälscht hast.. :0))
pundamaria 03.05.2019
5.
Damit hat sich für die Partei der Wahlkampf beendet und sie kann sich weiter voll auf ihre Selbstzerstörung konzentrieren.
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