KfW-Studie Fachkräftemangel bremst die Bauwirtschaft

653.000 Wohnungsneubauten sind in Deutschland genehmigt. Die Projekte können aber nicht umgesetzt werden, weil qualifiziertes Personal fehlt. Vor allem betroffen ist das Klempner-, Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk.
Arbeiter auf einer Baustelle in Berlin

Arbeiter auf einer Baustelle in Berlin

Foto: DPA

Günstige Wohnungen sind in den deutschen Ballungszentren Mangelware. Nach Einschätzung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bremsen fehlende Fachkräfte den Bau neuer Wohnungen.

Die wichtigste Ursache für Engpässe auf dem Wohnungsmarkt seien demnach nicht zu langsame Genehmigungen der Kommunen oder zu wenige Bauwillige. Eine zentrale Rolle spielten vielmehr Kapazitätsengpässe in der Bauwirtschaft - zunehmend ausgelöst durch Fachkräftemangel, heißt es in einer Studie der staatlichen Förderbank.

"In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Schere zwischen Baugenehmigungen und Baufertigstellungen im Wohnungssektor immer weiter geöffnet. Aktuell warten in Deutschland 653.000 genehmigte Wohnungsneubauten auf Umsetzung", erläuterte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.

Auch Bauland ist knapp

Die Auftragsbücher der Bauunternehmen sind prall gefüllt, doch weil Fachkräfte fehlen, können sie nicht schnell genug abgearbeitet werden. Während das Bauhauptgewerbe, etwa Hochbauunternehmen, den Angaben zufolge die Lücke bislang mit Mitarbeitern aus dem Ausland füllt, fehlen im Bauhandwerk zunehmend qualifizierte Kräfte.

Laut der Studie mangelt es an Fachkräften im Klempner-, Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk. Das zeige die hohe Zahl und die lange Dauer gemeldeter offener Stellen bei der Bundesarbeitsagentur, sagte Zeuner. "Der Fachkräftemangel wird allmählich zum größten Risiko für eine Ausweitung der Bautätigkeit in Deutschland", warnte Zeuner.

Zudem bremse knappes Bauland in Ballungszentren den Wohnungsbau. In dicht bevölkerten Metropolen wie München oder Frankfurt stoße mittlerweile auch die Nachverdichtung, also das Bauen in Lücken oder das Aufstocken von Wohnungen, an Grenzen. Hinzu komme, dass manche Bauherren den Beginn der Arbeiten nach der Genehmigung verzögerten, weil sie auf steigende Mieten oder sinkende Baupreise hofften.

Mangel bremst die Wirtschaft insgesamt

Doch nicht nur der Bauindustrie fehlt qualifiziertes Personal: Die deutsche Wirtschaft könnte stärker wachsen, wenn dieser Mangel sie nicht bremsen würde. Die Wirtschaftsleistung in Deutschland könnte um bis zu 30 Milliarden Euro höher ausfallen, heißt es in einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) - aber es fehlten 440.000 Fachkräfte. Die schwierige und oft erfolglose Suche nach Fachkräften sei ein wichtiger Grund für niedrige Unternehmensinvestitionen und überlastete Kapazitäten.

Auf der Liste der Sorgen steht der Fachkräftemangel bei vielen Unternehmen inzwischen tatsächlich auf einem der Spitzenplätze. Kürzlich ergab eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter 24.000 Unternehmen, dass 60 Prozent aller Betriebe den Fachkräftemangel als größtes Geschäftsrisiko bewerten. Vor acht Jahren waren es noch lediglich 16 Prozent gewesen.

Diese Entwicklung könnte sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Einer Berechnung des Basler Forschungsinstituts Prognos zufolge könnten im Jahr 2030 bis zu drei Millionen Facharbeitskräfte fehlen - selbst wenn jedes Jahr 200.000 qualifizierte Menschen zuwandern würden. Hauptgrund für die Verschärfung ist die Demografie: Ab der zweiten Hälfte der Zwanzigerjahre werden die Babyboomer in Rente gehen und können bei weitem nicht durch Jüngere ersetzt werden, die in den Arbeitsmarkt nachrücken werden.

dop/dpa
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