Brand in Bangladesch "Lippenbekenntnisse und Feigenblattprojekte"

Bei einem Brand in der Textilfabrik Tazreen in Bangladesch starben im November 2012 mehr als hundert Näherinnen. Nun ist die Beschwerde eines Grünen-Bundestagsabgeordneten gegen das Textilunternehmen Kik von der OECD abgewiesen worden. Der Politiker ist empört.
Die Textilfabrik Tazreen nach der Brandkatastrophe im November 2012

Die Textilfabrik Tazreen nach der Brandkatastrophe im November 2012

Foto: A.M. Ahad/ AP

Zwei Jahre ist es her, dass sich die Textilfabrik Tazreen in Bangladesch in einen Feuerkessel verwandelte. Bei dem Brand im November 2012 starben 112 Näherinnen, Hunderte wurden verletzt.

Jetzt ist der Grünen-Bundestagsabgeordneten Uwe Kekeritz mit einer OECD-Beschwerde gescheitert, mit der er vor allem das deutsche Textilunternehmen Kik für die eklatanten Sicherheitsmängel in der Fabrik zur Verantwortung ziehen wollte. In ihrer Abschlusserklärung bedauert die Vermittlungsstelle der OECD, dass zwischen Kekeritz und Kik keine gütliche Einigung erzielt werden konnte.

"Ich bin tief enttäuscht, dass das Vermittlungsverfahren keine Erfolge erzielen konnte", sagte Uwe Kekeritz gegenüber SPIEGEL ONLINE. Stattdessen verstecke sich das Unternehmen laut Kekeritz "hinter Lippenbekenntnissen und Feigenblattprojekten". Das westfälische Textilunternehmen Kik sieht sich durch den Abschluss des Verfahrens von einer Mitverantwortung für den Brand entlastet. In einer Stellungnahme heißt es: "KiK hat konstruktiv an der umfassenden Untersuchung und Aufklärung des Unfalls mitgewirkt und sieht sich in der Wahrnehmung seiner Sorgfaltspflicht und sozialen Verantwortung bestätigt".

In der ausführlichen Begründung der OECD-Vermittlungsstelle  wird hervorgehoben, dass Kik mittlerweile dem so genannten "Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh" beigetreten sei, einem Abkommen für Standards in den Bereichen Brandschutz und Gebäudesicherung. Die Unterzeichner unterstützen beispielsweise unabhängige Kontrollen in den Fabriken.

"Diesem Abkommen beizutreten ist aus meiner Sicht eine Selbstverständlichkeit", erklärt Uwe Kekeritz, "dafür verdient das Unternehmen keinen Orden". Unternehmen wie Kik müssten sich dem Abgeordneten zufolge aktiv für bessere Arbeitsbedingungen vor Ort stark machen: "Anstatt Verantwortung zu übernehmen, schiebt das Unternehmen die Schuld auf Andere. Von einem Unternehmen dieser Größe erwarte ich Aufarbeitung statt Schuldzuweisungen. Kik teilte am Freitag mit: "Unser Unternehmen steht zu seiner gesellschaftlichen Verpflichtung und der Einhaltung sowie kontinuierlichen Verbesserung sozialer, ökologischer und qualitativer Standards".

Zusammen mit Medico International und der Berliner Menschenrechtsorganisation ECCHR hatte Kekeritz im Mai 2013 Beschwerde gegen die Textilunternehmen C&A, Kik und Karl Rieker bei der nationalen Kontaktstelle der OECD in Berlin eingereicht.

Die Stelle wird tätig, wenn deutsche Firmen im Ausland gegen Menschenrechte gemäß den OECD-Leitsätzen verstoßen. Die Vorwürfe gegen C&A wurden weiterverwiesen, da in Tazreen eine wirtschaftlich selbstständige brasilianische Schwestergesellschaft von C&A produzieren ließ. Mit Karl Rieker hatte sich Kekeritz gütlich geeinigt. Das Unternehmen hatte ausreichend darlegt, es bereits Mitte 2012 umfassende und effektive Maßnahmen zur Verbesserung des Brandschutzes vorgenommen hat.