Umfrage Deutsche würden für Kampf gegen Kinderarmut mehr Steuern zahlen

Weit mehr als zwei Millionen Kinder in Deutschland sind von Armut bedroht. Zu viele, meint eine Mehrheit der Bürger laut einer Umfrage und fordert mehr kostenlose Angebote für die Betroffenen. Dafür würden zwei Drittel sogar höhere Steuern in Kauf nehmen.

Klassenzimmer einer Grundschule: 97 Prozent fordern eine Lehrmittelfreiheit
DPA

Klassenzimmer einer Grundschule: 97 Prozent fordern eine Lehrmittelfreiheit


Hamburg - Kostenfreies Essen in Schulen und Kitas, kostenlose Ganztagsbetreuung und Lehrmittelfreiheit - solche Angebote wünscht sich eine Mehrheit der Deutschen im Kampf gegen Kinderarmut. Dafür wären 66 Prozent der Bundesbürger laut einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Kinderhilfswerks auch bereit, eine höhere Steuerbelastung mitzutragen.

Nach Angaben des Kinderhilfswerks wachsen rund 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre in einkommensschwachen Familien auf und haben dadurch schlechtere Startchancen im Leben. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung beziffert die Zahl der armutsgefährdeten Kinder mit 2,4 Millionen.

In jedem Fall empfindet die Mehrheit der Deutschen die Zahl als zu hoch - und fordert daher eine umfassende Veränderung politischer Rahmenbedingungen. In der von Infratest Dimap durchgeführten Umfrage sprachen sich die rund tausend Befragten für folgende Hilfen für einkommensschwache Familien und deren Kinder aus:

  • Lehrmittelfreiheit (97 Prozent),
  • kostenfreies Essen in Schulen und Kitas (86 Prozent),
  • kostenfreie Beteiligung an Bildung, Kultur und Sport (81 Prozent),
  • kostenlose Ganztagsbetreuung in Schulen und Kitas (84 Prozent),
  • mehr Fachkräfte und Sozialarbeiter in Schulen (94 Prozent),
  • eine Anhebung der Hartz-IV-Regelsätze für Kinder (70 Prozent) und
  • Erhöhungen des staatlichen Kindergeldes (62 Prozent).

"Diese Zahlen lassen in ihrer Deutlichkeit keinen Spielraum für Interpretationen, die Menschen in Deutschland sehen Staat und Gesellschaft ganz klar in der Pflicht, entschiedener als bisher die Kinderarmut in Deutschland zu bekämpfen", sagte Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes. Kinderarmut könne nur effizient und nachhaltig bekämpft werden, wenn alle Schritte zu diesem Zweck in einem Gesamtkonzept verknüpft und mit ausreichenden finanziellen Mitteln ausgestattet würden.

Der Erwerbsstatus von Eltern sowie die politischen Rahmenbedingungen werden der Umfrage zufolge als wesentliche Einflussfaktoren für das Wohl von Kindern eingeschätzt. Die Befragten nannten niedrige Einkommen durch schlechte Arbeitsverhältnisse (85 Prozent) sowie die besondere Situation von Alleinerziehenden (75 Prozent) als Hauptgründe für fehlendes Geld in Familien und damit auch als die wichtigsten Auslöser für Kinderarmut in Deutschland.

Das WSI hatte vergangene Woche erstmals differenzierte Daten zur Kinderarmut in den 39 deutschen Regierungsbezirken veröffentlicht. Klicken Sie auf die Karte, um zu erfahren, in welchen Regierungsbezirken die meisten Kinder armutsgefährdet sind.

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insgesamt 94 Beiträge
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Seite 1
friedberta 14.01.2014
1. ach was ?
Wer sind eigentlich "diese Deutschen", die immer befragt werden ? Ich wurde noch nie gefragt und bin auch sehr oft anderer Meinung. Menschen, die Kinder auf die Welt bringen und nicht wissen, wovon sie diese unterhalten sollen, dürfen nicht auch noch Geld bekommen, das sie womöglich gar nicht für ihre Kinder ausgeben. Stattdessen müssen die Kinder in staatlichen Einrichtungen versorgt werden (Frühstück in der Schule, mehr Kindergärten, Ganztagesschulen mit Mittagessen, mehr Sport- und Kultur-Unterricht usw.). Diese Dinge werden von vielen Eltern offensichtlich nicht mehr wahrgenommen. Teilweise liegt das an schwierigen Arbeitsbedingungen, aber auch daran, dass sie zuviel am PC sitzen oder vorm TV.
marthaimschnee 14.01.2014
2.
und warum wählen sie dann Parteien, die diesen Zustand zu verantworten haben?
pefete 14.01.2014
3. wenn...
ja wenn es dort ankommen würde, wo es gebraucht wird JA! da es aber niemand, schon garnicht politiker, das garantieren können, wird sich nichts änder - leider!
pace335 14.01.2014
4. Umfrage des Kinderhilfswerks
Aha, bereit höhere Steuern zu zahlen. Bis es dann soweit ist. Es waren doch auch alle bereit höhere Stromkosten zu zahlen für den Ausstieg aus der Atomkraft und jetzt wird gemosert.
feuerwehrmann720 14.01.2014
5. Einverstanden mit mehr Steuermitteln
aber keine weiteren höheren Steuern. Der Staat kassiert schon zu viel und verschwendet das Geld !
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