Teilhabepaket Zu wenige arme Kinder können Zuschüsse nutzen

15 Euro monatlich - diese Summe steht Kindern in Hartz IV zu, damit sie einen Sportverein besuchen oder Musikunterricht nehmen können. Neue Zahlen bestätigen: Von dem Geld kommt fast nichts an.

Kinderturnen
Petra Steuer/ JOKER/ imago images

Kinderturnen


Acht Jahre nach der Einführung des sogenannten Bildungs- und Teilhabepakets kommt das Geld nur wenigen Kindern in Hartz IV zugute.

"Noch immer profitieren mindestens 85 Prozent der grundsätzlich Leistungsberechtigten nicht von dieser Leistung", heißt es in einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Es geht dabei um staatliche Zuschüsse für Sportvereine, Musikschulen, Mittagessen, Schulmaterial oder Klassenfahrten und Ausflüge.

"Das Bildungs- und Teilhabepaket ist und bleibt Murks und geht komplett an der Lebensrealität Heranwachsender und den Strukturen vor Ort vorbei", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Ulrich Schneider, laut einer Mitteilung. Die bisherigen Teilhabeleistungen seien davon abhängig, dass es vor Ort überhaupt passende Angebote gebe.

Die Zahlen hätten sich im Jahresvergleich nicht verändert und seien vernichtend. Nur jeder siebte 6- bis unter 15-Jährige profitiere von den Leistungen. Für die Untersuchung wurden nach Angaben des Verbandes Daten der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet.

Zu sehen sind demnach große regionale Unterschiede: In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ist die sogenannte Teilhabequote am höchsten, in Rheinland-Pfalz und im Saarland am niedrigsten.

Verbessert eine Gesetzesnovelle die Situation?

Es gebe auf kommunaler Ebene sehr unterschiedliche Verwaltungsverfahren zur Umsetzung der Teilhabeleistungen, heißt es in der Studie. In einem Großteil der Kommunen gelinge es nicht, sie an das Kind oder den Jugendlichen zu bringen. Die Probleme sind seit Langem bekannt. Bemängelt wurden in der Vergangenheit immer wieder komplizierte Antragsverfahren.

Im August dieses Jahres sind zwar per Gesetz Vereinfachungen und Erhöhungen der Zuschüsse in Kraft getreten. Wie diese sich auswirken, werde aber erst bei der nächsten Datenauswertung im kommenden Jahr sichtbar, hieß es.

Der Verband fordert eine Abschaffung des Bildungs- und Teilhabepakets und ein Ende von Teilhabegutscheinen. Stattdessen solle es eine pauschale Auszahlung von 15 Euro pro Monat geben. Außerdem solle die Förderung von Teilhabe für Kinder und Jugendliche künftig nicht mehr durch die Jobcenter, sondern durch die örtlichen Jugendämter organisiert werden. Langfristig spricht sich der Paritätische sowie andere Verbände, SPD, Grüne und Linke für eine Kindergrundsicherung aus, in der staatliche Leistungen für Kinder und Jugendliche zusammengeführt werden.

kko/dpa

insgesamt 89 Beiträge
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Seite 1
koelnrio 08.10.2019
1. Typisch Verwaltung
Allerdings fände ich es gut, wenn das Geld auch wirklich für die Kinder da ist und die Mutter sich nicht dafür Kippen holt oder Make-up o. Ä.
fin2010 08.10.2019
2. zu wenige? können? - oder wollen viele Eltern nicht?
- zu wengie? Wer bestimmt, was zu wenig ist. Dazu müsste man erst mal wissen, wieviele bezugsberechtig sind, weil sie die Anforderungen erfüllen, den Antrag aber nicht stellen. Als nächstes müsste man eine Zielquote definieren. Danach könnte man evt. von "zu wenigen" sprechen. - können? nicht profitieren. Was meint das? Zu kompliziertes Antragsverfahren? Zu bequem für 15.- die Zeit zu investieren? Als Alternative wird im Artikel vorgeschlagen, 15 EUR ohne weiteres zu verteilen, also eine Erhöhung des H4-Satzes. Warum nicht gleich 50.- oder 100.- oder ..., Zweckgebundene Zuschüsse sind für einen bestimmten Zweck, lieber Autor, nur zur Erinnerung.
post_fuer_tutu 08.10.2019
3. 2 Punkte
Erstens: "Stattdessen solle es eine pauschale Auszahlung von 15 Euro pro Monat geben." Pauschale an die Eltern und deshalb kommt das Geld dann bei den Kindern Zielgerichtet an? weiter oben im Artikel steht "Die bisherigen Teilhabeleistungen seien davon abhängig, dass es vor Ort überhaupt passende Angebote gebe." was würde eine Pauschale an den örtlichen Gegebenheiten ändern? Zweitens: "Außerdem solle die Förderung von Teilhabe für Kinder und Jugendliche künftig nicht mehr durch die Jobcenter, sondern durch die örtlichen Jugendämter organisiert werden." Das vereinfacht das Verfahren, statt mit einer Behörde dann mit zwei Behörden zu tun haben, Anträge einreichen, Nachweise der Jobcenter fürs Jugendamt und umgekehrt. Bin auch für eine Grundsicherung, aber bedarfsunabhängig und keine Einkommensanrechnung. Sonst bleibt ja alles beim alten, nur unter anderem Namen. Grundsicherung, womit alles, aber auch wirklich alles abgegolten ist. So lohnt sich dann auch Arbeit wieder, weil nicht gleich fast alles "angerechnet" wird.
exxilist 08.10.2019
4. 15 € für Musikunterricht? Muahahahahahaha
Im Monat? Wo? Mal wieder total am Leben vorbei. In einer Musikschule zahlt man in der Regel 60-80€/Monat. Und das 12 x p.a. obwohl in den Schulferien dann kein Unterricht stattfindet. (Diese Praxis wurmt mich auch total). Wenn mann's dann mal ausrechnet sind das über 30 € Stundenlohn. Und selbst die Mitgliedschaft im Sportverein ist damit nicht zu wuppen. Soviel Geld wird rausgeballert, sinnlos subventioniert. Man sollte doch eigentlich nur dafür sorgen das die von der Leyens und die Scheuers (zusammen kosteten sie den Steuerzahler über 1 Milliarde € ohne das die Bundesrepubloik davon nennenswert profitierte) es nicht mehr in Positionen schaffen wo sie öffentliche Gelder in Vetternwirtschaft o.ä. veruntreuen können. Das "eingesparte" Geld dann bitte in Kinder investieren. Egal ob Hartz 4 oder nicht. Es sind Kinder. Sie sind die Zukunft. Das hat man in der Union aber noch nie kapiert.
Haarfoen 08.10.2019
5. EUR 15,00 für Musikunterricht
Dieser Betrag verdeutlicht in anschaulicher Weise, welchen Stellenwert kulturelle Bildung in unserer Gesellschaft hat und wie unsere Beamten und Politiker den Erwerb musikalischer Fähigkeiten bewerten. Insbesondere auch, wie sie die Bedürfnisse des Lehrpersonals einschätzen und dieses zu entlohnen gedenken. Ekelhaft und entwürdigend.
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