Studie zur Kinderarmut Wenn das Geld nicht mehr für den Zoobesuch reicht

Eis auf Ausflügen, Märchen im Theater oder Spielzeug: Kinder aus ärmeren Familien haben laut einer Studie immer weniger Geld für soziale Teilhabe zur Verfügung - mit gravierenden Folgen.
Die soziale Ungleichheit wirkt sich auf die soziale Teilhabe aus

Die soziale Ungleichheit wirkt sich auf die soziale Teilhabe aus

Foto: Christian Charisius/ DPA

In Deutschland vertieft sich die soziale Kluft zwischen armen und reichen Familien immer mehr. Darunter leiden vor allem die Kinder.

Das geht aus einer Studie der Forschungsstelle des Paritätischen Gesamtverbands hervor. Demnach ging die Schere zwischen den Haushaltseinkommen in den zehn Jahren zwischen 2003 und 2013 noch weiter auseinander.

Die Forscher schauten sich die Konsummöglichkeiten von Familien an. Sie wollten wissen, ob ausreichend Geld zur Verfügung steht und wie viel Geld Eltern durchschnittlich für ihre Kinder ausgeben. Dafür werteten sie Daten des Statistischen Bundesamts von 2003 bis 2013 aus rund 6,8 Millionen Haushalten aus, in denen etwa 13,8 Millionen Kinder leben. Neuere Daten sind noch nicht ausgewertet.

Während der Konsum in Deutschland im Durchschnitt moderat zugenommen hat und beim obersten Zehntel der Bevölkerung sogar spürbar gewachsen ist, hatten Kinder aus ärmeren Familien noch weniger Geld zur Verfügung. "Arme Kinder werden ärmer und immer weiter abgehängt", sagt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

Insgesamt 22,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren seien der Studie zufolge arm (mehr zur Definition von Armut erfahren Sie hier). Besonders betroffen seien Alleinerziehende oder Familien mit drei oder mehr Kindern.

Soziale Teilhabe gefährdet

So konnten die ärmsten zehn Prozent der Paarhaushalte im Jahr 2013 insgesamt lediglich 364 Euro im Monat für ein Kind ausgeben, heißt es in der Studie. Die reichsten zehn Prozent der Familien hätten dagegen im Schnitt 1200 Euro pro Monat pro Kind ausgegeben. Der durchschnittliche Betrag aller Familien lag bei 600 Euro.

Besonders stark treffe der Unterschied die Ausgaben für soziale Teilhabe. Dazu zählen beispielsweise Spielzeug, Zoobesuche, Theaterbesuche und ein Eis auf Ausflügen. Hierbei sei besonders stark gespart worden: Die ärmsten Paarhaushalte mit einem Kind hätten nur 44 Euro pro Monat ausgegeben. Rechnet man die Inflation, also den stetigen Preisanstieg, heraus, seien dies fast 30 Prozent weniger als vor zehn Jahren. Im Durchschnitt seien für ein Kind mit 123 Euro fast drei Mal so viel für soziale Teilhabe ausgegeben worden. Die reichsten zehn Prozent gaben sogar 257 Euro dafür aus.

Es herrschten "Mangel und Entbehrung"

Die Ausgaben für Kinder belasten arme Familien überdurchschnittlich stark. Ein Paar mit einem Kind gab der Studie zufolge durchschnittlich 21,5 Prozent aller Konsumausgaben für das Kind aus. Bei Paaren mit zwei Kindern liege der Anteil bei 32,7 Prozent, bei drei Kindern bei 41,8 Prozent. Bei Alleinerziehenden mit einem Kind galten 35,1 Prozent der Konsumausgaben dem Kind, bei Alleinerziehenden mit zwei Kindern waren es 45,3 Prozent.

Die soziale Ungleichheit drücke sich in erheblichen Defiziten aus, heißt es in der Studie weiter. Die Kinder aus den ärmsten Familien fielen immer weiter zurück: "Offenkundig herrschen in diesen Haushalten Mangel und Entbehrung."

Beeinträchtigung der Entwicklungsperspektiven

Ein gleichberechtigtes Aufwachsen sei für Kinder in den einkommensarmen Haushalten nicht möglich, Einschränkungen seien vorprogrammiert. "Damit sind auch deren Entwicklungsperspektiven beeinträchtigt."

Die Autoren fordern daher mehr Sozialleistungen für Kinder aus armen Familien. Die existenzsichernden Leistungen seien nicht bedarfsdeckend, um Armut und soziale Ausgrenzung zu vermeiden.

Der paritätische Wohlfahrtsverband möchte einen Rechtsanspruch auf Teilhabe im Kinder- und Jugendhilfegesetz festschreiben. Manche Leistungen wie der steuerliche Kinderfreibetrag würden die Spaltung noch vertiefen, weil sie Besser- und Spitzenverdiener stärker entlasteten als den Durchschnitt, heißt es in der Studie.

Daher müsse der Familienlastenausgleich "vom Kopf auf die Füße" gestellt werden, fordert der Verband. Er plädiert für eine einkommens- und bedarfsorientierte Kindergrundsicherung.

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