Kinderbetreuung Jeder fünfte Vater bezieht Elterngeld

Wickeltisch statt Werkbank: Ausgerechnet im vermeintlich konservativen Bayern bleibt jeder vierte junge Vater zu Hause bei seinem Baby - weit mehr als im Bundesdurchschnitt. Auch bei Sachsen und Berlinern ist das Elterngeld äußerst beliebt - anders als im Westen der Republik.

Vater und Kind: Das Elterngeld wird bei Männern immer beliebter
Corbis

Vater und Kind: Das Elterngeld wird bei Männern immer beliebter


Wiesbaden - Jeder fünfte Vater in Deutschland nimmt sich für sein Neugeborenes eine Auszeit vom Beruf und nimmt Elterngeld in Anspruch. Mit 21 Prozent der Väter stößt diese staatliche Leistung auf weit mehr Zuspruch als das bis 2006 gezahlte Bundeserziehungsgeld, das im Schnitt 3,5 Prozent der Väter in Anspruch nahmen. Das berichtete am Dienstag das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Die Zahlen gelten für im Jahr 2008 geborene Kinder.

Dabei gibt es große regionale Unterschiede: Die höchsten Väterbeteiligungen hatten danach mit jeweils rund 27 Prozent Bayern, Berlin und Sachsen, die niedrigste das Saarland mit etwa zwölf Prozent. Allerdings nehmen junge Väter in Sachsen und Bayern mit gemittelten 3,1 Monaten auch die kürzesten beruflichen Auszeiten, in Berlin hingegen mit 4,1 Monaten die zweitlängsten. Im gesamten Bundesgebiet beziehen Väter im Schnitt 3,5 Monate, Mütter 11,6 Monate Elterngeld.

Die Kreise mit der höchsten Väterbeteiligung waren Jena (43 Prozent) und Potsdam (39 Prozent). Am geringsten wurde das Elterngeld von Vätern in Gelsenkirchen und dem Landkreis Olpe in Nordrhein-Westfalen mit jeweils neun Prozent sowie der niedersächsische Landkreis Nienburg/Weser mit acht Prozent in Anspruch genommen.

Väter erhalten ein Drittel mehr Elterngeld als Mütter

In 75 der 96 bayerischen Kreise lag der Anteil der Väter, die Elterngeld bezogen, laut Statistik bei mindestens 25 Prozent. Deutschlandweit erreichten 112 der insgesamt 412 Kreise einen solch hohen Wert.

Die Höhe des Elterngeldes hängt vom bisherigen Verdienst der Mütter beziehungsweise Väter ab. Es beträgt grundsätzlich 67 Prozent des durchschnittlichen Nettogehaltes der letzten zwölf Monate vor der Geburt des Kindes, jedoch mindestens 300 Euro und höchstens 1800 Euro.

Im Schnitt bekamen die Väter im ersten Bezugsmonat mit 1131 Euro rund ein Drittel mehr als Mütter (844 Euro). Dabei zeigten die Statistiker in beiden Fällen ein deutliches Ost-West-Gefälle auf: In drei von vier westdeutschen Kreisen lag der Elterngeldanspruch der Väter bei mindestens 1100 Euro.

In Ostdeutschland gab es hingegen keinen Kreis, in dem dieser Wert erreicht wurde. Dort bezogen die Mütter in mehr als jedem zweiten Kreis weniger als 750 Euro - deutlich häufiger als in Westdeutschland, wo dies nur in jedem siebten Kreis der Fall war.

Familienministerin freut sich - und kürzt

Der Anteil der vor der Geburt erwerbstätigen Väter war in Ost- und Westdeutschland mit 82 beziehungsweise 83 Prozent fast gleich. Bei Müttern lag der Anteil der zuvor Erwerbstätigen in Ostdeutschland mit 60 Prozent etwas über dem in Westdeutschland mit 55 Prozent.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) sah die Zahlen als Beleg für ein Umdenken in der Gesellschaft. "Jeder fünfte Vater nimmt inzwischen Partnermonate - und gilt damit als gutes Vorbild und nicht mehr als Exot", erklärte sie in Berlin. "Bundesweit erfreuen sich Mütter und Väter an dem Schonraum, den das Elterngeld ihnen und ihren Kindern bietet."

Nichtsdestotrotz kündigte die Bundesregierung im Juni an, das Elterngeld zu kürzen. Ab einem Einkommen von 1240 Euro sollen nur noch 65 Prozent gezahlt werden. Für Hartz-IV-Empfänger soll die Leistung ganz wegfallen.

fdi/dpa/ddp

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Baracke Osama, 03.08.2010
1. --
Zitat von sysopWickeltisch statt Werkbank: Ausgerechnet im vermeintlich konservativen Bayern bleibt jeder vierte junge Vater zu Hause bei seinem Baby - weit mehr als im Bundesdurchschnitt. Auch bei Sachsen und Berlinern ist das Elterngeld äußerst beliebt - anders als im Westen der Republik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,709909,00.html
"Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) sah die Zahlen als Beleg für ein Umdenken in der Gesellschaft. "Jeder fünfte Vater nimmt inzwischen Partnermonate - und gilt damit als gutes Vorbild und nicht mehr als Exot", erklärte sie in Berlin. "Bundesweit erfreuen sich Mütter und Väter an dem Schonraum, den das Elterngeld ihnen und ihren Kindern bietet." Nichtsdestotrotz kündigte die Bundesregierung im Juni an, das Elterngeld zu kürzen. Ab einem Einkommen von 1240 Euro sollen nur noch 65 Prozent gezahlt werden. Für Hartz-IV-Empfänger soll die Leistung ganz wegfallen." Das sagt doch schon Vieles über diese (Anti-)Familienministerin.
JMX 03.08.2010
2. Die Realität sieht anders aus...
In der Firma, in der meine Freundin arbeitet, wurde der erste, der das machen wollte, "gegangen" - und es wurde ihm ganz offen gesagt, daß an ihm ein Exempel statuiert würde. Das ist die Realität in vielen Firmen, würde ich denken.
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