Maria Marquart

Kita-Kosten Mein Kind, das Schnitzel

An die Kita-Betreuung haben Eltern ähnliche Ansprüche wie an ein Schnitzel: Bitte Top-Qualität, aber dennoch preiswert. Doch wer gut bezahlte Erzieher will, muss auch selbst investieren.
Protestplakat von Erziehern: Wer zahlt für was?

Protestplakat von Erziehern: Wer zahlt für was?

Foto: Martin Schutt/ dpa

Ab heute wird in deutschen Kitas unbefristet gestreikt. Und fast alle Eltern sind sich einig: Der Streik nervt zwar, aber recht haben die Erzieher ja. Diese Leute müssen mehr verdienen, außerdem sollen auch gleich mehr Erzieher eingestellt werden. Woher das Geld dafür kommen soll? Nicht von uns, sagen viele Eltern. Wir zahlen ja schon Steuern. Und richtig gut verdiene ich auch nicht. Der Staat soll sich kümmern.

Biohühner und Kita-Kinder haben etwas gemeinsam: Sie sollen bitteschön gut umsorgt werden und Auslauf haben - das soll aber wenig kosten. Denn dafür muss ja auch jemand bezahlen. Das bekommen die Erzieher zu spüren: Die Gehaltsabrechnung fällt mau aus.

Nicht nur die Arbeitgeber, auch Eltern sollten darüber nachdenken, was Kinderbetreuung wert ist. Denn viele können es sich sehr wohl leisten, mehr zu zahlen.

In Hamburg zum Beispiel. In dieser reichen Stadt mit vielen wohlhabenden Einwohnern hat die SPD-Regierung im vergangenen Jahr pauschal allen Eltern fünf kostenlose Stunden in der Kita geschenkt. Das Versprechen gab Bürgermeister Olaf Scholz 2010 im Wahlkampf - er bekam damals die absolute Mehrheit.

Freudig rechneten sich auch gutverdienende Eltern gegenseitig vor, wie viel sie sparen. Fast 200 Euro weniger im Monat sind es für eine dreiköpfige Familie mit einem zweijährigen Krippenkind. Seit August 2014 zahlt sie für acht Stunden Betreuung in der Krippe einen Eigenanteil von 191 Euro im Monat. Im Höchstsatz wohlgemerkt.

Ein Tag Krippe ist günstiger als ein Parkplatz

Das macht bei einem Krippenbesuch von Montag bis Freitag 9,55 Euro am Tag. Zu diesem Preis kann man nicht mal sein Auto in einem Parkhaus in der Innenstadt für einen Tag parken. Etwas mehr als tausend Euro pro Monat bekommt die Kita für dieses Kind, nicht mal ein Viertel davon zahlen die Eltern.

Trotzdem lamentieren selbst Gutverdiener über zu hohe Kita-Gebühren. Ähnlich ist es bei Lebensmitteln: Alle finden Massentierhaltung schrecklich und pochen auf Qualität - doch beim Einkauf bei Netto landet dann doch das "Gut Ponholz"-Discounter-Schnitzel im Wagen.

Eltern schimpfen auch gern über den schlechten Betreuungsschlüssel. Hamburg hat laut einer Studie den miesesten in ganz Westdeutschland. Trotzdem senkt die Stadt unter Applaus der Eltern nach dem Gießkannenprinzip Gebühren, anstatt dieses Geld in Qualität für Kinderbetreuung zu stecken. Das klamme Berlin leistet sich sogar drei beitragsfreie Kita-Jahre vor Schulbeginn.

Geringverdiener und kinderreiche Familien sollen entlastet werden. Aber klar ist auch: Es kann keinen besseren Betreuungsschlüssel, mehr Geld für Erzieher und gleichzeitig Minibeiträge für alle Eltern geben.

Geld drückt auch Wertschätzung aus. Alle wollen bessere Schulen und Kitas. Zahlen soll der Staat. Bildung wird gerade von vielen besser verdienenden Eltern als hohes Gut angesehen. Dann müssen sie auch bereit sein, etwas dafür zu geben.

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