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11. Mai 2015, 14:37 Uhr

Grafik-Check

Verdienen Kita-Angestellte wirklich zu wenig?

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Der Kita-Streik hat eine Grundsatzdebatte darüber ausgelöst, ob Erzieherinnen unterbezahlt sind. Doch wie gut oder schlecht stehen sie wirklich da? Eine Übersicht in Grafiken.

Zum Wochenstart haben die Gewerkschaften ihren Streik an kommunalen Kindertagesstätten noch einmal ausgeweitet. Zehntausende Eltern in ganz Deutschland müssen eine alternative Betreuung für ihre Kinder organisieren.

Hinter dem Streik steht eine Grundsatzfrage: Wie viel ist uns die Erziehung unserer Kinder wert? Den Gewerkschaften geht es um die finanzielle und damit gesellschaftliche Aufwertung des Sozial- und Erziehungsdienstes.

Fragt sich: Sind Erzieherinnen in Deutschland wirklich so mies bezahlt? Wie groß ist ihre Belastung bei der Arbeit? Wie attraktiv oder unattraktiv ist es also, in diesem Land einen Beruf zu ergreifen, der die nächste Generation mitprägt - und damit letztlich die Zukunft unser Gesellschaft?

Wenn man die Durchschnittsgehälter verschiedener Branchen des öffentlichen Dienstes im fünften Berufsjahr vergleicht, dann stehen Erzieherinnen gar nicht so schlecht da. Sie verdienen zum Beispiel deutlich mehr als Feuerwehrleute oder Krankenhauspersonal und liegen etwa auf dem Niveau eines Technikers - eines Berufs, der sich vor allem in der Privatwirtschaft findet.

Zudem haben sich die Gehälter im Sozial- und Erziehungsdienst seit 2009 schon deutlich verbessert: In einigen Berufen stiegen sie um bis zu 33 Prozent - und damit um weit mehr als in anderen Branchen. In der Metallindustrie etwa sind die Einkommen zwischen 1990 und 2011 um 20 Prozent gestiegen. Seit 2007 bekommen Erzieherinnen zudem ein Weihnachtsgeld ausgezahlt.

Allerdings arbeiten gut 60 Prozent der Erzieherinnen - oft gegen ihren Willen - in Teilzeit. Das sind laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung doppelt so viele wie im Durchschnitt aller Branchen.

Laut Bertelsmann-Stiftung fehlen rein rechnerisch rund 120.000 zusätzliche in Vollzeit arbeitende Erzieher in Kindergärten, Kindertagesstätten und Horten. Dadurch betreut eine Erzieherin im Schnitt noch immer weit mehr Kinder als empfohlen. Empfohlen sind drei Kleinkinder pro Erzieherin. Der bundesdeutsche Durchschnitt liegt mit 4,4 Kleinkindern pro Erzieherin deutlich drüber. Entsprechend hoch ist die Arbeitsbelastung.

Insgesamt ist der Job Erzieher eine anspruchsvolle Tätigkeit mit hoher gesellschaftlicher Verantwortung. Die Ausbildung dauert bis zu fünf Jahre, und immerhin fünf Prozent der Erzieher haben ein Hochschulstudium absolviert.

Unter anderem mit dieser hohen Qualifikation begründen die Gewerkschaften ihre saftige Forderung: Um durchschnittlich zehn Prozent sollen die Löhne steigen.

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände hält das für nicht bezahlbar. Nach ihren Berechnungen beläuft sich die Summe der Forderungen auf insgesamt 1,2 Milliarden Euro.

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