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20. Mai 2015, 19:51 Uhr

Ärger über Kita-Streik

Wütende Eltern stürmen Mainzer Rathaus

Der Tarifstreit der Erzieher in Kindertagesstätten bringt Eltern auf die Barrikaden: Rund 200 von ihnen stürmten mit ihren Kindern das Mainzer Rathaus und forderten eine Erstattung ihrer Betreuungskosten. Ein Ende des Streiks ist indes nicht in Sicht.

Seit dem 8. Mai streiken die Erzieherinnen und Erzieher öffentlicher Kindertagesstätten - nun ist einigen Eltern der Geduldsfaden gerissen: In Mainz stürmten rund 200 Eltern und Kinder die Sitzung des Stadtrats. Die Initiatoren der Aktion, zu der Elternausschüsse mehrerer Kitas aufgerufen hatten, verlangten von der Stadt die Erstattung von Kosten der alternativen Kinderbetreuung.

Laut SWR machten die Protestierenden so großen Lärm, dass sie vom Sicherheitsdienst nach draußen gebracht werden mussten. Auch in Lübeck versammelten sich 75 Eltern und Kinder auf dem Markt, um dort vor das Rathaus zu ziehen. Seit fast zwei Wochen schon müssen Eltern sich um alternative Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder kümmern.

Und ein Ende der Arbeitsniederlegung ist noch nicht in Sicht: Der unbefristete Streik soll mindestens über Pfingsten hinaus fortgesetzt werden. Das beschlossen rund 330 Delegierte aus bestreikten Kitas, teilte die Gewerkschaft Ver.di mit.

Ver.di-Chef Frank Bsirske warf der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) vor, "den Streik auf dem Rücken von Eltern und Kindern auszusitzen". Die VKA habe keine Anstalten unternommen, ihre für den 28. Mai geplante Mitgliederkonferenz vorzuziehen, um über eine Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe zu beraten und damit den Weg für eine Lösung im Tarifkonflikt zu bereiten.

Ver.di fordert für die bundesweit rund 240.000 Erzieher und Sozialarbeiter eine höhere Gehaltsstufengruppe, sodass sich die Einkommen nach Darstellung der Gewerkschaft im Durchschnitt um zehn Prozent erhöhen würden.

Die Arbeitgeber dagegen rechnen vor, dass die Forderungen teilweise auf Einkommenssteigerungen von bis zu 21 Prozent hinausliefen. "Die Gewerkschaften sollten die Dauerbelastung für Kinder und Eltern schnellstmöglich einstellen und endlich Tarifverhandlungen führen", forderte VKA-Hauptgeschäftsführer Manfred Hoffmann.

kpa/Reuters/dpa

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