Kita-Tarifstreit Schlichter stellen Einigung in Aussicht

Im Tarifstreit zwischen Erziehern und Arbeitgebern wächst die Hoffnung auf eine baldige Lösung. Noch im Juni soll es einen Vorschlag geben, kündigen die Schlichter an - auch wenn dies nicht einfach werde.

Georg Milbradt (links) und Herbert Schmalstieg: "Wir wollen alles tun, um zu einer Einigung zu kommen"
DPA

Georg Milbradt (links) und Herbert Schmalstieg: "Wir wollen alles tun, um zu einer Einigung zu kommen"


Im festgefahrenen Kita-Tarifstreit wollen die Schlichter bis zum 22. Juni einen Vorschlag auf den Tisch legen. "Wir wollen alles tun, um zu einer Einigung zu kommen", sagte der Schlichter der Arbeitgeberseite, Sachsens früherer Ministerpräsident Georg Milbradt. "Ich bin hoffnungsfroh, obwohl es nicht einfach wird."

Der CDU-Politiker traf sich in Dresden zu einem ersten Gespräch mit Hannovers Ex-Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg von der SPD, der für die Gewerkschaft Ver.di schlichten soll.

Die Arbeitsatmosphäre bei dem Treffen sei entspannt gewesen, hieß es. Zunächst ging es um einen Zeitplan der Schlichtung. Bis zum 22. Juni steht demnach noch ein weiteres Treffen an - "das aber habe es in sich", sagte Milbradt. Wann und wo die Vertreter von Gewerkschaften und kommunalen Arbeitgebern das nächste Mal zusammenkommen, um vor allem über Inhalte zu diskutieren, blieb geheim.

Die Gewerkschaften fordern eine höhere Eingruppierung der rund 240.000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst - und damit im Schnitt zehn Prozent mehr Lohn. Die Arbeitgeber lehnten pauschale Erhöhungen bis zuletzt ab.

Beide Schlichter betonten die große Verantwortung der Verhandlungspartner. Es handele sich nicht um eine "übliche Tarifverhandlung", bei der es um ein paar Prozente gehe. "Es geht um mehr. Es geht um die Kinder, die Eltern, um die Finanzen der Städte und Gemeinden und vor allem darum, die berufliche Tätigkeit im Erziehungs- und Sozialdienst aufzuwerten", erklärte Schmalstieg. Milbradt gab zu bedenken, dass man nicht in ein Tarifsystem eingreifen könne, ohne auch die Folgen für andere, vergleichbare Berufe zu berücksichtigen.

DGB und Ver.di rufen zu Demonstrationen auf

Beide Schlichter gingen davon aus, dass es trotz der verhärteten Fronten in der Woche nach dem 22. Juni eine Lösung im Tarifstreit gibt. Bereits 2010 schlichteten Milbradt und Schmalstieg erfolgreich bei Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst.

Wegen der Friedenspflicht während der Schlichtung ist der Kita-Streik inzwischen ausgesetzt. Seit Anfang der Woche gehen die Erzieherinnen in den kommunalen Kitas wieder ihrer Arbeit nach. Am 21. April 2015 waren die Tarifverhandlungen abgebrochen worden, vom 8. Mai bis zum 5. Juni wurde gestreikt.

Um auch während der Schlichtung Druck zu machen, haben DGB und Ver.di für diesen Samstag zu Demonstrationen und Kundgebungen in Dresden, Hannover, Köln und Nürnberg aufgerufen. Unter dem Motto "Aufwerten jetzt!" sollen damit die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst unterstützt werden.

brk/dpa



insgesamt 5 Beiträge
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alexanderschleissinger 10.06.2015
1. Kein Kita Streik
Hoffentlich ist den Schlichtern bewusst, dass es um alle Berufe im SuE Tarif geht. Ohne eine Aufwertung aller, also auch der Beschäftigten im Sozialdienst oder der Behindertenhilfe werden auch wieder die KiTas solidarisch streiken. Und das ist gut so...
Spiegelleserin57 10.06.2015
2. und wann dürfen die Pflegekräfte ..
Zitat von alexanderschleissingerHoffentlich ist den Schlichtern bewusst, dass es um alle Berufe im SuE Tarif geht. Ohne eine Aufwertung aller, also auch der Beschäftigten im Sozialdienst oder der Behindertenhilfe werden auch wieder die KiTas solidarisch streiken. Und das ist gut so...
und anderen gleich mies bezahlten Arbeitskräfte im öffentlichen Dienst streiken...gleiches Recht für alle! Kita-angestellte verdienen genauso schlecht wie Pflegekräfte der Arbeit auch nicht ausreichend gewürdigt wird und auch sie können sich in Großstädten allemal nur noch WGs oder Zimmer leisten. Dort arbeiten zwar mehr Vollzeitkräfte aber mit 50 Jahren dürfte kaum jemand mehr Vollzeitpflege arbeiten können!
fulerumer 10.06.2015
3. Richtig, die Sozialarbeiter...
... wollen das gleiche verdienen wie andere Fachhochschulabsolventen die bei der Stadt anfangen auch! FH-Ingenieure steigen meist 1-2 Gehaltsgruppen höher ein und das ist ungerecht. Dafür streiken die Sozialarbeiter und Sozialpädgogen u.a.
fulerumer 10.06.2015
4. Richtig, die Sozialarbeiter...
... wollen das gleiche verdienen wie andere Fachhochschulabsolventen die bei der Stadt anfangen auch! FH-Ingenieure steigen meist 1-2 Gehaltsgruppen höher ein und das ist ungerecht. Dafür streiken die Sozialarbeiter und Sozialpädgogen u.a.
alexanderschleissinger 10.06.2015
5. @Spiegelleserin57
Sie haben vollkommen Recht. Und hoffentlich organisieren sich diese anderen Berufsgruppen rechtzeitig... (also jetzt) Denn 2016 verhandelt ver.di über die Eingruppierungsregeln all der anderen Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Welches Ergebnis da raus kommt, das liegt an der Verhandlungsmasse. Und ja: Auch Pflegekräfte dürfen streiken... Unter Berücksichtigung von Notdiensten.
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