Klammer Autokrat Lukaschenko will Milliarden für Düngemittelfirma

Die Finanznot seines Landes zwingt Weißrusslands Präsidenten Alexander Lukaschenko zu drastischen Schritten: Für 30 Milliarden Dollar ist der Düngemittelhersteller Belaruskali zu kaufen - Barzahler bevorzugt.

Staatschef Lukaschenko: "Legen Sie mir das Geld auf den Tisch"
DPA

Staatschef Lukaschenko: "Legen Sie mir das Geld auf den Tisch"


Minsk - Alexander Lukaschenko braucht dringend Geld. Um den finanziellen Kollaps seines Landes zu verhindern, ist der weißrussische Präsident nun offenbar bereit, den Düngemittelhersteller Belaruskali für 30 Milliarden US-Dollar (etwa 21 Milliarden Euro) komplett zu verkaufen. "Legen Sie mir das Geld auf den Tisch, dann sind Sie morgen Chef des Unternehmens", sagte Lukaschenko am Freitag in Minsk. Bisher hieß es, die autoritäre Führung wolle höchstens die Hälfte des Unternehmens veräußern.

"Mit 30 Milliarden Dollar können wir drei andere Unternehmen wie Belaruskali mit neuer Technologie aufbauen und haben noch Geld übrig für das Volk", sagte Lukaschenko. Es gebe Interessenten, er habe allerdings noch mit niemandem verhandelt.

Der russische Kaliproduzent Uralkali erwägt nach eigenem Bekunden eine "Transaktion" mit Belaruskali. Dafür könne man dem bisherigen Handelspartner eine Milliarde Dollar leihen, teilte Uralkali mit. Es gebe allerdings keine verbindliche Vereinbarung. Einzelheiten wurden nicht genannt. Uralkali und Belaruskali kontrollieren 40 Prozent des weltweiten Kalihandels. Der Stoff ist ein wichtiger Bestandteil von Dünger, der angesichts knapper werdender Nahrungsmittel gefragt ist.

Weißrussland ist in seiner schwersten Finanzkrise seit 20 Jahren massiv auf Auslandshilfe angewiesen. Vor wenigen Tagen bat die weißrussische Regierung den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Kredite, um den Staatsbankrott abzuwenden. 3,5 bis 8 Milliarden Dollar seien dafür notwendig. Der IWF hatte dem Land bereits 2009 einen Kredit über 3,46 Milliarden Dollar gewährt. Russland und der IWF fordern von Weißrussland, im Kampf gegen den Staatsbankrott verstärkt Staatsvermögen zu verkaufen. Am Donnerstag hatte das Nachbarland Russland wegen unbezahlter Rechnungen von etwa 37 Millionen Euro Stromlieferungen an Weißrussland reduziert.

ulz/dpa-AFX/Reuters



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