Klaus Kleinfeld Der Berater des Blutprinzen

Seit einem Jahr ist Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld ein enger Berater des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Die Tötung des Journalisten Khashoggi scheint daran nichts zu ändern.
Kleinfeld, bin Salman

Kleinfeld, bin Salman

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Der Job, den Klaus Kleinfeld vom saudischen Kronprinzen angeboten bekam, war an Gigantomanie kaum zu übertreffen. Gleich eine ganze Stadt sollte der Ex-Siemens-Chef in der Wüste erschaffen: 500 Milliarden Dollar Budget, 26.500 Quadratkilometer, eine Baufläche so groß wie Hessen, komplett gespeist aus erneuerbaren Energien, mit einem Industriepark, in dem fast nur noch Roboter arbeiten.

"Neom" heißt das Phantasia von Ölprinz Mohammed bin Salman, zu deutsch: neue Zukunft. Das Jobangebot war verlockend für Kleinfeld, den einstigen Kosmopoliten und Dealmaker, der weder in der Korruptionsaffäre bei Siemens, noch in einer Schlammschlacht bei seinem späteren Arbeitgeber Alcoa eine gute Figur gemacht hatte. Im Oktober 2017 ging Kleinfeld in die Wüste, als Berater.

Nun, fast genau ein Jahr später, ist die Aufregung um Kleinfeld groß. Am 2. Oktober ist in der saudischen Botschaft in Istanbul der bekannte Journalist und Regimekritiker Jamal Khashoggi getötet worden. Seine Leiche wurde vermutlich mit einer Knochensäge zerstückelt und weggeschafft.

Bin Salmans Regierung leugnete die Tötung lange. Inzwischen behauptet sie, Khashoggi sei bei einer Schlägerei in der Botschaft versehentlich ums Leben gekommen. Der Prinz selbst beteuert weiterhin, er habe von nichts gewusst. Dennoch hat es unter seiner Herrschaft ein grauenerregendes Verbrechen gegeben.

Der Ölprinz ist plötzlich zum Blutprinzen geworden. Und viele Kritiker fragen sich, wie ein deutscher Manager, noch dazu einer wie Kleinfeld, der als Student einmal Sozialarbeiter war, für einen solch finsteren Autokraten arbeiten kann.

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Milliarden-Projekt "Neom": Hightech statt Öl

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Schon als Kleinfeld den Job vor einem Jahr angenommen hatte, waren empörte Stimmen zu hören. Mohammed bin Salman, kurz: MbS, galt damals bereits als Mastermind hinter dem blutigen Jemenkrieg; der Bundesnachrichtendienst warnte vor ihm.

Kleinfeld schien das nicht zu stören. "Neom ist eine einzigartige Gelegenheit, höchsten Lebensstandard mit exzellenten wirtschaftlichen Aussichten zu verbinden", ließ er sich damals zitieren. "Ich bin geehrt und begeistert, diese Führungsrolle zu übernehmen."

Inzwischen ist Kleinfeld in der Hierarchie der Saudis sogar noch aufgestiegen. Er fungiert jetzt als bin Salmans persönlicher Berater, als eine Art Wirtschaftsweiser, der den Umbau Saudi-Arabiens vom Ölexporteur zur Technologiehochburg überwacht.

Ob die Tötung Khashoggis für Kleinfeld etwas verändert hat, ist nicht bekannt. Weder er selbst noch sein Sprecher haben auf entsprechende Anfragen des SPIEGEL reagiert. Die "Bild"-Zeitung indes will aus Kleinfelds Umfeld erfahren haben, dass der Manager in den vergangenen Tagen viel nachgedacht habe.

"Herr Kleinfeld hat eine gefestigte Meinung zum Fall Khashoggi, die er als Persönlichkeit, die vor Ort respektiert wird, auch artikuliert hat", teilte sein Sprecher der Boulevardzeitung zudem mit. "Es wird mehr erreicht, indem man vor Ort die Dinge ansprechen kann, als durch lediglich symbolische Abwesenheit, die ohnehin nicht lange hält."

An seiner Kooperation mit MbS will Kleinfeld also offenbar festhalten. Die Tötung des Journalisten könnte ihm allerdings seine Arbeit erschweren. Denn MbS hat Kleinfeld vor allem wegen seiner exzellenten Kontakte zu sich geholt. Der Manager soll mit seinem Netzwerk dafür sorgen, dass das Projekt "Neom" genügend Investoren findet.

Kleinfelds Draht zu ausländischen Investoren ist mittlerweile sogar noch wichtiger geworden. Denn der Börsengang des staatlichen Ölkonzerns Aramco, durch den ein Teil des Megaprojekts finanziert werden soll, erweist sich als schwieriger als gedacht. Der Börsengang wurde nicht nur mehrfach verschoben, zuletzt auf 2021; er könnte auch weniger einbringen als erwartet.

Die Finanzierung von bin Salamans Phantasialand dürfte nun noch einmal schwieriger geworden sein. Zumindest manche Geldgeber dürften nach der Bluttat von Istanbul keine Geschäfte mehr mit dem Prinzen und seinem deutschen Berater machen wollen.