Hunderte Unterzeichner Finanzkonzerne fordern schärferen Klimaschutz

Ist die Wirtschaft weiter als die Politik? Vor dem Klima-Sondergipfel fordern 515 Finanzkonzerne eine schnelle CO2-Bepreisung und das Aus für alle Kohlekraftwerke. Selbstlos ist ihr Appell allerdings nicht.

Kohlekraftwerk Laziska bei Kattowitz (Polen)
Monika Skolimowska/ DPA

Kohlekraftwerk Laziska bei Kattowitz (Polen)

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Der Klimaschutz kommt auch der Finanzbranche nicht schnell genug voran: Mehrere Hundert der größten Finanzverwalter der Welt haben sich deshalb mit einem gemeinsamen Appell zu Wort gemeldet.

Die Umsetzung des Pariser Weltklimavertrags von 2015 reiche nicht aus, um "den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur deutlich unter 2 Grad gegenüber den vorindustriellem Niveau zu halten", heißt es in dem Schreiben von 515 Großinvestoren vor Beginn des Uno-Klimagipfels in New York in der kommenden Woche. Selbst wenn alle Staaten ihre in Paris gemachten Zusagen einhielten, würde dies "zu einem inakzeptabel hohen Temperaturanstieg führen, der substanzielle negative wirtschaftliche Folgen hätte."

Diese und andere Passagen des Statements legen durchaus nahe, dass die Verfasser nicht ganz uneigennützig handeln: Offenbar befürchten sie, dass die Klimakrise ihr eigenes Geschäft schädigt. Unter anderem haben der Allianz-Konzern, die Vermögensverwaltungshäuser der Deutschen Bank, der deutschen Volksbanken, von internationalen Großbanken wie BNP Paribas und UBS sowie einige der weltgrößten Pensionsfonds den Aufruf unterzeichnet. Zusammen verwalten diese Unternehmen rund 35 Billionen US-Dollar. Das entspricht fast der zehnfachen Wirtschaftsleistung Deutschlands.

Mit dem Aufruf wolle man "ernst zu nehmende Signale an die Politik geben, die Pariser Klimaziele zügig umzusetzen", sagte Allianz-Vorstand Günther Thallinger dem SPIEGEL. "Jetzt geht es darum, gemeinsam aktiv zu werden. Das erklärte Ziel der Allianz ist, Klimaneutralität in unserer Anlage der Versichertengelder bis 2050 zu erreichen."

Die Finanzkonzerne fordern die Regierungen nicht nur auf, ihre Pariser Verpflichtungen endlich konsequent in die Tat umzusetzen - sondern auch, darüber hinauszugehen. Unter anderem wollen sie, dass die Staaten

  • den Ausstoß von CO2 mit einem "bedeutenden" Preis belegen,
  • alle Subventionen für fossile Brennstoffe einstellen, laut Internationalem Währungsfonds (IWF) wären das mehr als fünf Billionen Dollar pro Jahr,
  • Kohlekraftwerke nach festgelegten Fristen abschalten,
  • private Investitionen für CO2-arme Energieerzeugung fördern.

Das Statement zeigt, dass zumindest Teile der Wirtschaft beim Klimaschutz heute weiter sind als manche Politiker. Schon bei vorherigen Gipfeln hatten sich milliardenschwere Investoren für eine entschlossenere Klimapolitik starkgemacht. Der Aufruf der 515 Konzerne wird von der Initiative "The Investor Agenda" koordiniert. Hinter ihr stehen sieben wirtschaftsnahe Klimaschutz-Organisationen.

Es geht um das ganz große Geld

Für die Finanzhäuser geht es um das große Geld. Einerseits befürchten sie die Destabilisierung der Weltwirtschaft und ihrer eigenen Geschäfte durch den Klimawandel. Andererseits erhoffen sie sich Profite durch die Finanzierung einer globalen Energiewende. Schon vergangenes Jahr wurden laut "The Investor Agenda" weltweit mehr als 330 Milliarden Dollar in grüne Energien investiert.

"Staaten und Unternehmen, die (...) eine starke Klima- und Energiepolitik mit geringem CO2-Ausstoß beschließen, werden bedeutende wirtschaftliche Vorteile haben und Investitionen anziehen, die Arbeitsplätze in den Industrien der Zukunft schaffen werden", prognostizieren die 515 Investoren in ihrem Aufruf.

Die Großkapitalgeber verlangen viel von anderen. Zum Teil ändern sie aber auch sich selbst. Laut "The Investor Agenda" haben sich mehr als 250 Investoren zu klimafreundlichen Investitionen verpflichtet oder sich ein Klimaziel gesetzt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes wurden die Vertreter der deutschen Sparkassen zu den Unterzeichnern des Aufrufs gezählt. Tatsächlich handelt es sich um die deutschen Volksbanken. Außerdem war der Vorname von Allianz-Vorstand Günther Thallinger falsch geschrieben. Wir haben die Angaben korrigiert.



insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
Andraax 19.09.2019
1. Gut so
Man merkt es bewegt sich langsam etwas. Ich bin Optimist und glaube, dass wir die Kurve noch kriegen können.
schröderschröder 19.09.2019
2. Nur so...
... wird es gehen. An den Maßnahmen gegen den Klimawandel Geld verdienen. Dann sind sie dabei. Da sehe ich eine Chance. Wenn so die Erde gerettet werden kann, warum denn nicht.
dirkcoe 19.09.2019
3. Aber darum geht es doch
Klimaschutz muss von Jedem aus reinem Egoismus betrieben werden - weil wir wollen, das unsere Enkel und Urenkel auch noch ein Klima vorfinden in dem es sich angenehm leben lässt. Wir machen das nicht, weil die Grünen das so wollen. Leider ist eben diese Argumentation bisher aus Angst vor dem Bürger zu kurz gekommen.
marthaimschnee 19.09.2019
4. es bleibt bei der einzig relevanten Frage
Wie kann man den Planeten umweltverträglich ausplündern? .... Gar nicht! Die buttern Milliarden und bald Billionen in "grüne Investitionen", aber da auch diese immer nur ein Ziel kennen, nämlich damit Kapitalrendite zu generieren, ist dafür immer ein Wachstum nötig, das immer mit steigendem Ressourcenverbrauch einher geht und damit immer genau das Gegenteil von dem ist, was nötig wäre. Weniger wäre das Motto der Stunde, deutlich weniger und zwar von allem! Damit funktioniert das gesamte Wirtschafts- und Gesellschaftssystem aber nicht. Ende!
so-long 19.09.2019
5. Pr?
Eine Maßnahme, um das ramponierte Image aufzupolieren? Oder eine künftige Einnahmequelle durch CO2-Zertifikatehandel?
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