Klimagipfel in New York Der einsame Blockierer

Der US-Präsident ist mit seiner Anti-Klimapolitik nicht nur international isoliert. Auch in den USA verliert Trump bei diesem Thema zunehmend die Gefolgschaft. Selbst viele Unternehmen hat er gegen sich aufgebracht.
Donald Trump beim Klimagipfel in New York

Donald Trump beim Klimagipfel in New York

Foto: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX

Donald Trump müsste nur zwei, drei Schritte machen, dann könnte er mit ihr sprechen. Als der US-Präsident am Montag mit seiner Entourage im Uno-Gebäude in New York eintrifft, wartet auch Greta Thunberg in der Lobby. Aber Trump ignoriert die junge Klimaaktivistin, wahrscheinlich nimmt er sie in diesem Moment nicht einmal wahr. Stattdessen schwärmt er vor den Kameras von der "fantastischen" US-Konjunktur und lamentiert über eine vermeintliche "Hexenjagd" wegen seines fragwürdigen Ukraine-Telefonats.

Thunberg und Trump trennen räumlich in diesem Moment nur ein paar Meter, inhaltlich sind es Welten. Dabei ist es nicht einmal so, dass den 45. US-Präsidenten Klimaschutz nicht interessiert. Im Gegenteil: Er räumt dem Thema Priorität ein - indem er möglichst viele Umweltgesetze seines Vorgängers zurückdreht und lästige Auflagen für die Unternehmen eliminiert.

85 Bestimmungen hat die Regierung nach Zählung der "New York Times" bereits gekippt oder ist dabei, das zu tun. Allein 24 Änderungen betreffen Emissionen und Luftverschmutzung, beispielsweise den Verzicht des Staats, das seit 2015 geltende Verbot klimaschädlicher FKW-Kältemittel in Kühlschränken und Klimaanlagen durchzusetzen.

Im Video: Als Greta Thunberg bei Klimagipfel auf Donald Trump traf

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Doch auch in Amerika formiert sich Widerstand gegen die Laissez-faire-Politik zulasten der Umwelt. Vor allem die von den Demokraten regierten Bundesstaaten koppeln sich ab. 25 Gouverneure - darunter drei Republikaner - haben sich zur "amerikanischen Klimaallianz" zusammengeschlossen, die sich ungeachtet des von Trump initiierten Austritts der USA aus dem Pariser Klimaabkommen zur Einhaltung der Zusagen bekennt. "Die Allianz-Staaten repräsentieren mehr als die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung, 40 Prozent der Emissionen und eine Wirtschaft von 11,7 Billionen Dollar", erklärten die Spitzenpolitiker kämpferisch.

Gefährlichster Gegenspieler Trumps ist Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom. Die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt sei der Beweis, dass man ehrgeizige Klimaziele "mit einem Rekordwachstum der Wirtschaft verbinden kann", brüstet sich der einstige Bürgermeister von San Francisco.

Im Zentrum der Auseinandersetzung stehen Kaliforniens strengere Abgaswerte für Autos. Trump hat dem liberalen Westküstenstaat, den er ohnehin im Visier hat, kurzerhand das Recht abgesprochen, eigene Grenzwerte festzusetzen. Kalifornien hat - mit Unterstützung von 22 weiteren Staaten - dagegen Klage eingelegt. "Die Autokonzerne wollen es nicht. Die Verbraucher wollen es nicht. Unsere Wirtschaft wird es nicht mögen. Unsere Luft wird darunter leiden. Hier geht es darum, 'Big Oil' zu geben, was es verlangt", warf Newsom auf Twitter dem US-Präsidenten vor.

Die Autobranche will Planungssicherheit

Tatsächlich hat die Autoindustrie signalisiert, dass sie die von Trump versprochene Lockerung der Standards gar nicht will. Die Branche bevorzugt Planungssicherheit, und sie fürchtet, dass Amerika zum chaotischen Flickenteppich der Abgasregulierung wird. Deswegen hatten sich Ford  , Honda  , Volkswagen   und BMW   mit Kalifornien auf strengere Werte geeinigt. Auch Daimler   wollte sich Medienberichten zufolge dem Abkommen anschließen, duckte sich dann aber doch lieber weg.

Anders als Trump haben viele US-Konzerne begriffen, dass sie sich nicht gegen den Zeitgeist stellen können. Mehr als 70 Unternehmen, darunter Microsoft  , Pepsi  , Johnson & Johnson  , Tesla   und General Mills haben einen Aufruf für die Einführung einer CO2-Steuer unterschrieben.

Vielen Amerikanern dämmert angesichts verheerender Orkane und Überflutungen, dass die Erderwärmung auch sie etwas angeht. In einer Umfrage des Forschungsinstituts Gallup erklärten jüngst nur noch 57 Prozent, dass ihnen die Energiekosten Sorge machten - das waren so wenige wie nie zuvor.

Zugleich äußerten sich fast drei Viertel der Befragten besorgt über den Zustand der Umwelt. Und in einer aktuellen Umfrage der "Washington Post" sagen rund 80 Prozent, dass der Klimawandel vom Menschen gemacht sei. Sie sind da offenbar weiter als ihr Präsident, der das Phänomen 2012 noch eine Erfindung der Chinesen genannt hatte.

Ein Volksaufstand ist das noch nicht

Auch in den USA sind es vor allem junge Leute, die Druck machen. Während Trump in New York über Religionsfreiheit sprach, blockierten aufgebrachte Klimaaktivsten in der Hauptstadt Washington Straßenkreuzungen. Ein Volksaufstand allerdings ist das noch nicht - und solange seine Basis hinter ihm steht, wird Trump seinen Kurs nicht ändern.

Anders als bei den Demokraten ist das Thema im Wahlkampf der Republikaner kaum präsent. Nur 23 Prozent der Parteianhänger stören sich an Trumps Klimapolitik - immerhin sind das weit mehr als die neun Prozent, die generell Kritik an seiner Amtsführung äußern.

Am Montag hatte Trump für den Klimagipfel nur einen Satz übrig: "Ich glaube fest an saubere Luft und sauberes Wasser."

Greta Thunberg stand da nicht mehr dabei. Sie hatte schon vor ihrer Reise in die Vereinigten Staaten angekündigt, sie wolle ihre Zeit nicht mit einem Treffen mit Trump verschwenden.

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