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Kampf gegen Überlastung des Planeten Club of Rome legt Leitfaden für Deutschlands Zukunft vor

Der Club of Rome ist seit Jahrzehnten für seine lauten Warnungen vor einem Kollaps der Welt bekannt. Nun macht der Thinktank konkrete Vorschläge für Deutschlands Kampf gegen die Klimakrise.
Abgestorbene Bäume im Harz: Auch hier schlägt der Klimawandel zu

Abgestorbene Bäume im Harz: Auch hier schlägt der Klimawandel zu

Foto: Jochen Eckel / IMAGO

Vor gut 50 Jahren rüttelte der »Club of Rome« mit seinem Bericht »Die Grenzen des Wachstums« zur drohenden Überlastung unseres Planeten die Welt auf. Auch heute lautet die zentrale These des Thinktanks: Klimawandel und Überlastung lassen sich nur durch tiefgreifende Veränderungen eindämmen – auch in sozialen Bereichen. Eine von der Organisation getragene Initiative, Earth4All, hat nun einen Bericht mit Vorschlägen vorgelegt, was Deutschland nach Ansicht der Organisation tun sollte.

Wirtschaftlicher Fortschritt müsse mit ökologischer Gesundheit und sozialer Gerechtigkeit in Einklang gebracht werden, heißt es im Vorwort zu »Earth for All Deutschland«.

Bereits 2022 hatte die Organisation in einem Bericht zentrale Maßnahmen für eine lebenswerte Zukunft der Menschheit genannt: Beendigung der Armut, Beseitigung der eklatanten Ungleichheit, Empowerment der Frauen, Aufbau eines für Menschen und Ökosysteme gesunden Nahrungsmittelsystems und Übergang zum Einsatz sauberer Energie.

»Radikale Veränderung« eingefordert

An diesen Kernthesen ziehen sich auch die aktuellen Vorschläge für Deutschland entlang, die nun als Buch erschienen sind . Zu den Hauptautoren gehören Manfred Fischedick, Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts, einer Denkfabrik für Nachhaltigkeitsforschung, weitere Experten der Forschungseinrichtung in Wuppertal und Till Kellerhoff, Programmdirektor des Club of Rome.

Das Buch handle »von radikaler Veränderung«, heißt es zu Beginn. Das sei keine unerreichbare Utopie, sondern eine Vision. Bei der Energiewende liege die eigentliche Herausforderung durch die Verkehrs- und Wärmewende allerdings bis zur Jahrhundertmitte noch vor uns. »Nicht zuletzt, weil beide Bereiche direkt in den Alltag der Menschen hineinreichen.« Veränderungen seien unmittelbar spürbar und weniger abstrakt als bei der Umstellung auf erneuerbare Energien.

Betont wird im Buch auch, dass es bereits positive Trends gibt: sinkende Kosten für erneuerbare Energien (Photovoltaik und Wind) und für Stromspeichertechnologien zum Beispiel, weltweit wachsende Greentech-Branchen, die Bemühungen um Kreislaufwirtschaft in der EU und die wachsende Bereitschaft, Subventionen für fossile Energien abzuschaffen.

Oft noch zu wenig beachtet werde die extreme Ungleichheit der Weltgesellschaft mit schroffen Gegensätzen zwischen Reich und Arm. Auch die deutsche Politik behandele diesen Aspekt viel zu kurzsichtig. Denn nicht nur global zwischen Ländern, auch innerhalb Deutschlands tue sich ein Graben auf zwischen denen, die viel zur Zerstörung unserer Lebensgrundlagen beitragen, und denen, die wenig beitragen, aber stark unter den Folgen leiden.

Co-Präsidentin des Club of Rome, Sandrine Dixson-Declève: Ungleichheit im Fokus

Co-Präsidentin des Club of Rome, Sandrine Dixson-Declève: Ungleichheit im Fokus

Foto: IPON / IMAGO

»Vereinfacht gesagt: Wer wenig verdient, hat kein Auto und macht keine Fernreisen, wohnt aber beengt dort, wo die Luft besonders schlecht und der Lärm besonders laut ist.« Zu befürchten sei zudem, dass sich die Belastungen für diese Haushalte im Zuge des fortschreitenden Klimawandels noch verschärfen, da gerade in diesen Gegenden Probleme mit Hitzeinseln und wenig Zugang zu Grünflächen bestehen. Um soziale Gerechtigkeit gehe es auch, wenn wie in Deutschland seit Jahren zu wenig in den Erhalt von Schwimmbädern, Schulen und anderer öffentlicher Infrastruktur investiert werde.

Negativbeispiele gebe es auch im Bereich staatlicher Förderprogramme – etwa dem für den Kauf und die Installation einer Ladestation für Elektroautos (Wallbox) in Kombination mit einer Photovoltaikanlage und einem Solarstromspeicher. »Davon profitierten nämlich vor allem Eigenheimbesitzende, die sich ein Elektroauto leisten können.« Eine ohnehin wirtschaftliche Investition sei für diese wohlhabende Klientel noch wirtschaftlicher gemacht worden.

Weitere Kapitel sind Themen wie Gleichberechtigung, Bildung und Ernährung gewidmet. Erklärt wird zudem, dass die Kostenwahrnehmung beim Klimaschutz derzeit vielfach viel zu kurzfristig sei. Bei der Behauptung, dass die Bekämpfung des Klimawandels zu viel kostet, werde ausgeblendet, dass Untätigkeit am Ende viel mehr kosten würde.

apr/dpa