Studie Klimapaket trifft vor allem ärmere Haushalte

Klimaschutz gibt es nicht umsonst. Aber wen belastet das Klimapaket am stärksten? Eine Studie zeigt: vor allem ärmere Haushalte.

Treffen die Maßnahmen zum Klimaschutz Haushalte mit niedrigen Einkommen heftiger?
Rainer Weisflog / imago images

Treffen die Maßnahmen zum Klimaschutz Haushalte mit niedrigen Einkommen heftiger?


Um das Klima zu retten, muss jeder etwas tun. Aber wer spürt den Klimaschutz am stärksten im Geldbeutel? Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt: Das Klimapaket der Bundesregierung belastet vor allem private Haushalte mit niedrigen Einkommen. Der geplante Preis auf den Ausstoß von CO2 im Verkehrs- und Gebäudebereich treffe die Ärmeren stärker als die Reichen.

Die Wissenschaftler berechneten, dass auf Haushalte mit niedrigerem Einkommen zum Teil eine Belastung in Höhe von mehr als einem Prozent ihres Nettoeinkommens zukomme. Das oberste Zehntel der Haushalte habe hingegen nur eine Mehrbelastung von durchschnittlich 0,4 Prozent des Nettoeinkommens zu erwarten.

Die Studie kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass der im Klimapaket geplante CO2-Preis nicht ausreiche, um die Klimaziele 2030 in den Sektoren Verkehr und Gebäude zu erfüllen.

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Die Bundesregierung will ab 2021 im Verkehr und bei Gebäuden einen Preis für den Ausstoß von CO2 einführen. Das verteuert klimaschädliche Brennstoffe aus Öl und Erdgas und soll einen Anreiz für Entwicklung und Kauf klimafreundlicher Autos und Heizungen setzen. Der CO2-Preis soll zunächst bei 10 Euro pro Tonne liegen und schrittweise steigen.

Der Staat erzielt dadurch Milliarden und will dafür die Bürger entlasten. So soll die Pendlerpauschale steigen und die EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms sinken. Hier profitierten laut der DIW-Studie eher die Geringverdiener von den niedrigeren Strompreisen. Die Pendlerpauschale helfe hingegen den Gutverdienern.

rwi/AFP/dpa



insgesamt 24 Beiträge
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Freidenker10 17.10.2019
1.
Die Strompreise sollen doch trotz einer möglichen Absenkung der EEG Umlage weitersteigen da trifft es natürlich die ärmeren Menschen da kein Ausgleich kommt. Die Pendlerpauschale nützt weder den Rentnern noch denen die in einer Stadt nahe am Arbeitsplatz leben.
t_mcmillan 17.10.2019
2. War klar
Also, das wundert jetzt niemanden, oder? ALLES, was in diesem Land gemacht wird, belastet die am meisten, die nichts haben. Oder nur knapp was haben. Und so läuft auch die Politik in D. seit 30 Jahren. Die "soziale Marktwirtschaft" ist schon lange Vergangenheit. Es weiß heute keiner mehr, was damit wirklich gemeint ist. Uns hat man vor langer Zeit in der Schule mal beigebracht, dass das Wohlergehen der Habenichtse wichtig sei für den sozialen Frieden. Irgendwie weiß das außer mir offenbar keiner mehr.
mwroer 17.10.2019
3.
Und wo ist der Nachrichtenwert? Das war klar - schon lange vorher. Dafür hättet Ihr nicht auf eine Studie warten müssen dass haben Euch zig Foristen vorgerechnet. Es ist nun mal eine Tatsache dass man flexibel sein muss um nach Alternativen zu suchen - wer weniger Geld hat, ist weniger flexibel. Anders gesagt: Wer weniger verdient kriegt schlechtere Wohnungen mit höheren Umweltkosten und hat keine Wahl als diese zu nehmen. Nebenbei bemerkt: Auch Umzüge kosten ein paar tausend Euro, auch das muss man sich erst mal leisten können. Wer weniger verdient muss schlechtere Autos fahren - also den gebrauchten Polo statt des gebrauchten Nissan Leaf - und auch da zahlt man dann mehr. Und so geht es weiter ... ehrlich, dazu habt Ihr eine Studie gebraucht? Liest keiner in der Redaktion die Foren? Ich erinnere mich an mindestens 5 wirklich detaillierte Beispielrechnungen von Foristen die bei / in den Artikeln über CO2 Steuer etc. vorgerechnet haben warum es für wen teurer wird. Habe mir die leider nicht aufgehoben weil ich sowieso nicht in Deutschland lebe oder Deutscher bin - von daher: Euer Problem bis jetzt.
vothka 17.10.2019
4.
War doch Sinn und Zweck der Sache?! Was bringts wenn nur die oberen 10% weniger CO2 produzieren? Und der einzige Weg zu weniger CO2 ist nunmal dass ALLE weniger haben - sowas trifft Arme immer mehr
fottesfott 17.10.2019
5. Das mit der Pendlerpauschale
ist nur schwer zu begreifen (gibt es da in Berlin nicht auch so einen bekannten Pendlerblock ?...). Klar es gibt die Pendlerpauschale auch für Fußgänger, Radfahrer, Ruderer, Segelflieger..., aber die Vergünstigung gilt ja erst ab 20 km. Und da hat man prototypisch doch eher den Arbeitnehmer vor Augen, der sich irgendwo im Speckgürtel der Metropolen München, Frankfurt, Hamburg, Köln, Stuttgart, Berlin, Leipzig... sein Häuschen gekauft hat, und nun täglich irgendwo zwischen 40 und 60 km pro Fahrtweg mit dem SUV oder Van oder Kombi ins Büro pendeln müssen. Man kann - durchaus mit Recht - argumentieren, dass diese Zeitgenossen nicht die Mieten in den Metropolen weiter hochtreiben. Aber im engeren Sinne "umweltschonend" und CO²-effektiv ist das Ganze sicher nicht. Die wählen halt typischerweise nicht AfD, das muss als Grund fürs Pampern reichen.
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