Oxfam-Studie zur Klima-Zerstörung »Eine kleine Elite gönnt sich einen Freifahrtschein«

Wer treibt den Klimawandel? Laut einer neuen Studie liegen die Pro-Kopf-Emissionen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung weiter unter der 1,5 Grad-Grenze. Urheber der größten Schäden sind die Reichen.
Jachten im Hafen von Monaco: Katastrophale Folgen für Millionen Menschen

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Foto: - / dpa

Der Lifestyle vieler Superreicher wird trotz Erderwärmung gefühlt immer klimaschädlicher. Gab sich früher so mancher noch mit einem größeren Auto oder der Runde auf dem Golfplatz zufrieden, zieht es Jeff Bezos und Co. inzwischen in den Weltraum.

Wie groß der exzessive CO2-Verbrauch der Superreichen ist, hat nun die Hilfsorganisation Oxfam ermittelt. Die Studie , die demnach auf Untersuchungen des Instituts für Europäische Umweltpolitik (IEEP) und des Stockholmer Umweltinstituts (SEI) beruht, wurde auf der Weltklimakonferenz in Glasgow vorgestellt.

Die Pro-Kopf-Emissionen der zum reichsten ein Prozent der Weltbevölkerung gehörenden Menschen würden laut der Studie 2030 um ein 30-Faches über dem Wert liegen, der mit dem 1,5-Grad-Ziel verträglich sei. Damit schädigten die Superreichen das Klima mehr als die ärmsten 50 Prozent der Weltbevölkerung zusammen.

Das reichste ein Prozent bald für 16 Prozent der Emissionen verantwortlich?

Dabei dürfte laut der Untersuchung mit dem Titel »CO2-Ungleichheit im Jahr 2030: Pro-Kopf-Emissionen und das 1,5-Grad-Ziel« der Pro-Kopf-Ausstoß von Treibhausgasen im Jahr 2030 weltweit im Schnitt maximal 2,3 Tonnen betragen, wenn das Ziel erreicht werden soll, die Erderwärmung in diesem Jahrhundert auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

»Mit einem einzigen Weltraumflug verursacht ein Milliardär mehr Emissionen, als jemand aus der ärmsten Milliarde Menschen in einem ganzen Leben zusammenbringt«

Während die Pro-Kopf-Emissionen der ärmeren Hälfte der Bevölkerung laut der Studie auch am Ende dieses Jahrzehnts noch weit unter diesem Wert bleiben werden, werden die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung ihn 2030 um das Neunfache überschreiten. Beim reichsten Prozent sagt die Studie sogar eine Überschreitung um das 30-Fache voraus. Insgesamt werde das reichste Prozent der Weltbevölkerung bis 2030 für 16 Prozent der globalen Gesamtemissionen verantwortlich sein, erklärte Oxfam.

Luxus sollte eingeschränkt werden

»Mit einem einzigen Weltraumflug verursacht ein Milliardär mehr Emissionen, als jemand aus der ärmsten Milliarde Menschen in einem ganzen Leben zusammenbringt«, kritisierte die Klimaexpertin der Organisation, Nafkote Dabi. »Eine kleine Elite gönnt sich einen Freifahrtschein für die Zerstörung unseres Klimas. Dies hat katastrophale Folgen für Millionen Menschen, die bereits jetzt mit tödlichen Stürmen, Hunger und Not konfrontiert sind.«

Der Studienautor Tim Gore vom IEEP forderte eine Ausrichtung der Maßnahmen zum Klimaschutz auf die »extrem Reichen«. »Die Klima- und die Ungleichheitskrise sollten gemeinsam angegangen werden. Dazu gehören sowohl Maßnahmen zur Einschränkung des CO2-Verbrauchs für Luxusgüter wie Megajachten, Privatjets und private Raumfahrt, als auch zur Begrenzung klimaintensiver Investitionen wie Aktienbesitz in der fossilen Brennstoffindustrie.«

China und Indien emittieren mehr

Erst am Donnerstag war EU-Kommissionspräsidentin Ursula wegen eines rund 20-minütigen Charterflugs aus Wien nach Bratislava in die Kritik geraten. Sowohl vom Europäischen Steuerzahlerbund als auch aus dem Bundestag kamen deutliche Worte. Der Flug sei eine »ökologische Sünde«, sagte der Generalsekretär des Steuerzahlerbunds, Michael Jäger, der »Bild«-Zeitung.

Oxfam forderte alle Länder dazu auf, ihre Klimaziele unter dem Pariser Klimaabkommen von 2015 zu überarbeiten. Bis 2030 müssten die Staaten stärkere Emissionssenkungen anstreben, die ihrem »fairen Anteil« entsprächen. Die Studie zeigt, dass sich die geografische Verteilung bei den Treibhausgasemissionen zunehmend nicht mehr hauptsächlich aus den traditionellen Industrieländern zusammensetzt. Fast ein Viertel (23 Prozent) des reichsten ein Prozent werden Chinesen sein und ein Zehntel (elf Prozent) Inder.

In Glasgow verhandeln die Delegationen von rund 200 Ländern derzeit über die weitere Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015. Darin hatte sich die internationale Gemeinschaft auf eine Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, idealerweise 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter, geeinigt.

Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, müssten die globalen Treibhausgas-Emissionen laut Experten bis 2030 um die Hälfte reduziert werden, bis 2050 müsste Klimaneutralität erreicht sein.

apr/AFP/dpa