Konferenz in Leipzig Deutsche Luftfahrt will führend beim Klimaschutz werden

Auf der nationalen Luftfahrtkonferenz haben sich die Beteiligten für einen besseren Klimaschutz ausgesprochen. Kanzlerin Merkel formulierte ehrgeizige Ziele, lehnt "erzwungene Einschränkungen" aber ab.

Deutschlands Luftfahrtbranche soll sauberer werden
DPA/ NASA

Deutschlands Luftfahrtbranche soll sauberer werden


Bei der ersten nationalen Luftfahrtkonferenz haben sich die Beteiligten auf eine Reihe von Zielen geeinigt. So soll die deutsche Luftfahrt künftig umweltschonender und nachhaltiger werden, zugleich aber international wettbewerbsfähig bleiben und sichere Arbeitsplätze bieten.

Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften unterzeichneten bei der ersten nationalen Luftfahrtkonferenz das sogenannte Leipziger Statement. Es soll auch Grundlage für eine Überarbeitung der Luftfahrtstrategie der Bundesregierung sein.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte die Bedeutung der Branche für die deutsche Wirtschaft und den Klimaschutz. Deutschland solle ein führender Standort für klimaverträglichere Flugzeugtechnologien werden, sagte sie.

Nationale Wasserstoffstrategie

Die Branche habe sich mit Selbstverpflichtungen, CO2-Emissionen zu senken, wichtige Ziele gesetzt und sei ein "Innovationsmotor". Merkel verwies auf die Entwicklung neuer, umweltverträglicherer Kraftstoffe.

"Wir wollen technologieoffen an die Dinge herangehen", sagte Merkel bei der Veranstaltung am Flughafen von Leipzig und verwies darauf, dass die "Potenziale von Wasserstoff auch für die Luftfahrt längst nicht erschlossen" seien. Bis Jahresende kündigte sie eine nationale Wasserstoffstrategie an.

Mit der Konferenz zeige die Bundesregierung auch, dass sie sich Themen wie Innovation, Standort- und Arbeitsbedingungen verpflichtet fühle - "da wir wissen, dass der Rest der Welt nicht schläft". Grundsätzlich lege die Bundesregierung bei der Luftfahrt der Zukunft einen Schwerpunkt auf Effizienz und Nachhaltigkeit.

Die Kanzlerin sagte zudem: "Wir wollen keine erzwungenen Einschränkungen unserer Mobilität." Umweltverbände kritisieren, der Flugverkehr sei die umweltschädlichste Art zu reisen, und fordern, die Zahl der Flüge deutlich zu reduzieren und deren Auswirkungen auf Klima und Luftqualität so gering wie möglich zu halten.

CO2-neutrales Fliegen als Ziel

In dem Leipziger Statement erklären die Unterzeichner ihren Willen, umwelt- und klimaschonende Technologien, Digitalisierung und neue Mobilität voranzutreiben. Ziel sei ein CO2-neutrales Fliegen. Gleichzeitig sollen der Luftfahrtstandort Deutschland und die Arbeitsplätze in der Branche gesichert werden.

Zu den Unterzeichnern gehörten die Minister für Wirtschaft und Verkehr, Peter Altmaier (CDU) und Andreas Scheuer (CSU), Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der Präsident des Bundesverbandes Deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie, Klaus Richter, IG-Metall-Chef Jörg Hofmann und Ver.di-Vorstand Christine Behle.

Altmaier würdigte den Schulterschluss zwischen Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften. Er hob die Bedeutung "ökoeffizienter Technologien" sowohl für mehr Umwelt- und Klimaschutz als auch für Wachstum, Beschäftigung und internationalen Markterfolg hervor: "Elektrisches und hybrid-elektrisches Fliegen" nannte Altmaier "zentrale Elemente strategischer Industriepolitik".

Verkehrsminister Scheuer sagte, sein Ministerium wolle "fördern statt verbieten" sowie saubere und synthetische Kraftstoffe billiger machen. Er setzte sich dafür ein, dass die Einnahmen der Luftverkehrssteuer für Forschung, Innovation und Klimaziele genutzt werden. "Ich will nicht, dass das Billig-Fliegen siegt."

Lufthansa-Chef zweifelt an positiver Wirkung einer höheren Kerosinsteuer

Derweil forderte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), der die Leipziger Erklärung ebenfalls unterzeichnet hat, von der Bundesregierung einen Zeitplan für die Produktion von regenerativem Kraftstoff. "Als Ziel sollten wir uns nehmen, bis 2030 zu ersten Fortschritten gekommen zu sein", sagte BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow dem Radiosender SWR.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr zog eine positive Wirkung einer möglichen Kerosinsteuer auf das Klima indes in Zweifel. Der Konzernchef warnte in der "Süddeutschen Zeitung", der Luftverkehr würde dann nur in andere Länder verlagert.

Fluggesellschaften würden im Ausland tanken, wo eine solche Steuer nicht erhoben werde. Spohr zufolge könnte der CO2-Ausstoß langfristig um zehn Prozent gesenkt werden, wenn synthetischer Treibstoff in großen Mengen hergestellt würde.

Der Sprecher für Luftverkehr der Linksfraktion, Jörg Cezanne, forderte eine Reduzierung des Luftverkehrs zum Schutz des Klimas. Das gehe am leichtesten durch Verlagerung der Kurz- und Mittelstrecken auf die Bahn.

brt/AFP/dpa-AFX

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birka12 21.08.2019
1. Ehrgeizige Ziele
Ehrgeizige Ziele haben Merkel & Co schon oft bekanntgemacht, gebracht haben sie meistens wenig bis nichts. Besonders gerne werden stramme Ziele weit in die Zukunft hinein angeschlagen. 2030, 2040 oder 2050 usw. Desto später desto grösser die Versprechen. Niemand kann der Spur dann noch folgen. Was aber passiert im Jahr 2020, 2012 konkret an Verbesserungen? Ach, da kommt noch nichts, dachte ich mir schon!
Bernd Hofstetter 21.08.2019
2. Bus und Bahn
Ich frage mich immer, wie man den Leuten den Umstieg auf Bus und Bahn schmackhaft machen will. Wenn man regelmäßig mit der Deutschen Bahn unterwegs ist, verliert man irgendwann den letzten Nerv. Ebenso ist es mit dem ÖPNV. Die Wahrheit ist doch, dass die öffentlichen Verkehrsmittel teils eine Zumutung sind und daher der Bürger kein Interesse am Umstieg hat. Würde man hier mal kräftig investieren und vernünftige Angebote schaffen, würde sicherlich mehr Menschen mit der Bahn reisen, wie es in anderen Ländern der Fall ist. Mit frommen Wünschen nach freiwilligem Verzicht wird man sicher nichts bewirken und höhere Steuern schrecken auch nur bedingt ab, wenn es keine sinnvollen Alternativen gibt.
aussieman 21.08.2019
3. Nicht mehr als heiße Luft
Solcherlei Aussagen und Absichtserklärungen sind doch mehr Industriepolitik als Klimapolitik. Der Luftfahrtindustrie, insbesondere den großen deutschen Firmen, kommt es doch nach wie vor auf Gewinnmaximierung an. Seit vielen Jahren schon gibt es Ideen und Vorschläge, wie man Emissionen auch beim Bidenbetrieb der Flugzeuge reduzieren kann, aber die werden meist nicht konsequent umgesetzt, weil es - letztlich - zu teuer ist. Dass Flugzeuge während der Abfertigung eine Hilfsturbine permanent laufen haben, oder den Weg com Gate zur Startbahn und zurück aus eigener Kraft zurücklegen mit den Triebwerken, die am Boden viel zu viel Treibstoff verbrauchen, muss nicht sein. Aber die Abfertigungsprozesse und -Möglichkeiten sind genau darauf ausgelegt. während die notwendige Stromversorgung am Gate inzwischen schon mehr über einen Bodenstromanschluss geschieht (teils aber auch nur Dieselgeneratoren...) wird die benötigte Druckluft (z.B. für Klimaanlage und zum Starten der Motoren) fast ausschließlich durch die Hilfsturbinen bereitgestellt, die viel Kerosin verbrauchen. Für das Rollen am Boden gab es mal die Idee mit einer Art E-Scooter für Flugzeuge, wurde alles aus Kosten- und Praktikabilitätsgründen eingestampft. Dabei verbrauchen Flugzeuge fürs Rollen und die Abfertigung zwischen ca. 500 - 2000 kg Kerosin am Boden, pro Flug wohlgemerkt. Die Luftfahrtindustrie würde von sich aus dies nicht ändern, weil es billiger ist das Kerosin zu verbrennen als die Infrastruktur an Flughäfen anzupassen, letztlich auch weil wir Passagiere für 10€ am Wochenende nach Malle fliegen wollen.... Andererseits hat Herr Spohr auch nicht unrecht, wenn nur Deuschland das Kerosin steuerlich belastet, wird im Ausland der Sprit nicht nur für den Flug zurück nach Deutschland getankt, sondern auch der Sprit für den darauffolgenden Flug aus Deutschland wieder ins Ausland. Das wäre auch fürs Klima fatal, denn der Transport des höheren Gewichts des Kerosins, der zusätzlich im Ausland getankt wird, benötigt wiederum noch mehr Kerosin, um den nach Deutschland mit dem Flugzeug mitzunehmen. Tankering nennt man das, das auch schon jetzt teils gemacht wird, falls irgendwo der Sprit so viel billiger zu haben ist, dass sich der Mehrverbrauch für den Transport dennoch rechnet. Fürs Klima ist das ein Irrsinn. Gebauso wie teils die neuen Flugzeugmodelle wie B787 oder A350. Ja, sie sind leichter und verbrauchen weniger Sprit, auf dem Papier. Aber teils wird dieser Vorteil dazu genutzt, um längere Strecken Non-Stop fliegen zu können. Auch hier wirkt sich stark aus, dass der für den Treibstoff, der benötigt wird, um noch ein Stunde länger fliegen zu können, auf einem Langstreckenflug die ersten ca. 10 Stunden erst mal mitgenommen werden muss, wodurch für die ersten 10 Stunden ein höherer Treibstoffverbrauch entsteht. Unterm Strich sinkt der weltweite Kerosinverbrauch dadurch nicht, sondern steigt eher noch, weil immer mehr Strecken von immer mehr Menschen geflogen werden können. Der Markt gibt es her, das Klima spielt, wie fast immer, nur eine Nebenrolle.
hdh54 21.08.2019
4. Wenigstens ehrlich.
Zitat: "Altmaier würdigte den Schulterschluss zwischen Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften." Zitat Ende. Wenigstens ehrlich sind die Herren und sagen offen, dass sie das aus der Automobilindustrie bekannte Erfolgsmodell auch hier effizient praktizieren werden. Zitat: "Verkehrsminister Scheuer sagte, sein Ministerium wolle "fördern statt verbieten" " Zitat Ende. Auch das Verkehrsministerium hat schon mit dem KBA gute Erfahrung bei der Aufsicht gemacht. Zitat: "Lufthansa-Chef Carsten Spohr zog eine positive Wirkung einer möglichen Kerosinsteuer auf das Klima indes in Zweifel. " Zitat Ende. Was sonst. Die Wirkung wird mit der Höhe gekoppelt sein, und damit, wie die eingenommenen Gelder verwendete werden. Wenn man diese verwendet um Flughäfen weiter auszubauen und völlig überflüssige Regionalflughäfen ständig zu subventionieren, dann kann man von einer bescheidenen Wirkung ausgehen, auch wenn die Höhe durchaus angemessen wäre. Wenn aber die Subvention der Luftfahrt vollständig aufhört und der CO2 Ausstoß angemessen bepreist wird, und wenn das Geld weiter in umweltfreundlichen Verkehr mit der Bahn investiert wird, sodass dort Pünktlichkeit, Komfort und Schnelligkeit verbessert werden und der Preis deutlich reduziert werden, dann ist eine erhebliche Wirkung zu erwarten. Die Drohung mit dem Tanken im Ausland ist lächerlich, da auch das benachbarte Ausland ähnliche Maßnahmen plant oder nur wegen eben derselben Drohung noch nicht umgesetzt hat.
geraldwinkeler 21.08.2019
5. Links blinken, rechts fahren!
Die immer weiter fortdauernde Verlogenheit von Frau Merkel macht mich wütend. Ich weiß, man soll gegen unsere gewählten Volksvertreter nicht ohne Not zur verbalen Keule greifen, aber hier ist es angebracht. Die Kanzlerin redet von CO2 neutralen Flugzeugtreibstoffen, deren Erzeugung über Wind- oder Solarenergie einen gewaltigen Ausbau dieser Energien erforderlich machen würde. Gleichzeitig bremst ihre Regierung den Ausbau dieser Technologien über "Deckelungen" sowie Verfahrensvorschriften und die unionsregierten Länder über Abstandsvorschriften so massiv aus, dass schon die Umstellung der Stromerzeugung auf alternative Energien stockt. Wollte man nun auch noch Treibstoff im großen Stil für Autos und Flugzeuge gewinnen, müsste man das Ausbautempo vervielfachen. Angela Merkel macht weiter das, was sie in Sachen Umweltschutz immer gemacht hat: von tollen Zielen in weiter Ferne reden und im Hier und Heute das Gegenteil tun. So wird die Zeitspanne, während der wir allein in Deutschland für 80 Milliarden Euro pro Jahr fossile Brennstoffe verfeuern, immer weiter vergrößert. Die Menschenrechtsverächter in Russland und Saudi-Arabien freuen sich, während die Produzenten von Anlagen zur Erzeugung alternativer Energien darben. Deshalb nochmals mein ceterum censeo: Um auch nur die Chance zu haben, eine echte Energiewende ins Werk zu setzen, müssen wir die CDU-Kanzlerschaft beenden. Selbst wenn uns das gelingt, wird es wohl auf absehbare Zeit keine Technologie geben, die es der Mehrheit einer auf 10 Milliarden angewachsenen Menschheit ermöglicht, sorglos um den Globus zu jetten. Alles Andere ist ein frommer Selbstbetrug, dem mittlerweile wohl auch große Teile der Grünen unterliegen. Wenn wir uns diesen Lebensstil als Privileg der ersten Welt erhalten wollen, ist dies eine durch nichts zu rechtfertigende Diskriminierung des überwiegenden Teils der Menschheit.
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