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23. November 2018, 08:32 Uhr

Hilfen für Entwicklungsländer

Milliardenlücke beim Kampf gegen den Klimawandel

Die reichen Industrienationen haben versprochen, den Klimaschutz in ärmeren Ländern ab 2020 mit jährlich 100 Milliarden Dollar zu unterstützen. Laut "Financial Times" stockt die Finanzierung.

Geld gilt als zentraler Faktor für die Rettung des Planeten. Viele Experten glauben: Wenn in den ärmeren Nationen der Erde möglichst schnell möglichst viel in den Klimaschutz investiert wird, dann lässt sich die größte ökologische Katastrophe vielleicht noch abwenden.

Doch die globale Gemeinschaft ist von diesem Ziel offenbar noch weit entfernt. Laut einer Auswertung der Uno, über die die "Financial Times" ("FT") am Freitag berichtet, klafft bei der geplanten Finanzierung des Klimaschutzes in Entwicklungsländern derzeit eine gewaltige Lücke.

Die reichen Industrieländer hatten sich eigentlich das Ziel gesetzt, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar aus öffentlichen und privaten Quellen für Klimaschutz in Entwicklungsländern zu mobilisieren. Dieses Versprechen war eines der wichtigsten Argumente, um ärmere Nationen im Jahr 2015 zur Unterzeichnung des Klimaabkommens zu bewegen. Die Industrieländer hatten versprochen, einen konkreten Fahrplan zu erarbeiten, wie sich das 100-Milliarden-Dollar-Ziel erreichen lässt.

Laut "Financial Times" haben die Industrienationen im Jahr 2016 jedoch nur rund 55 Milliarden Dollar an Klimaschutzhilfen geleistet. Rechnet man private Investitionen hinzu, komme man auf etwas mehr als 70 Milliarden Dollar. Der Zeitung zufolge ist nicht ersichtlich, wie man die Finanzierung bis 2020 auf die vereinbarten Summe steigern kann. Prognosen für die kommenden Jahre fehlen demnach in dem Bericht.

Immerhin seien die Investitionen für Klimaschutz in den Entwicklungsländern im Vergleich zum Jahr 2015 um 20 Prozent gestiegen, schreibt die "FT" weiter. Christiana Figueres, die ehemalige Generalsekretärin des Sekretariats der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen, sagte der Zeitung, sie sei zuversichtlich, dass man das 100-Milliarden-Dollar-Ziel erreichen werde. "Wir sind auf Kurs", teilte sie mit.

Das 100-Milliarden-Dollar-Ziel dürfte ein großes Thema bei der Klimakonferenz sein, die am 3. Dezember in der polnischen Stadt Katowice beginnt. "Es gibt eine sehr große Debatte über die Mobilisierung von Finanzierung", sagte Polens Energieminister Michal Kurtyka der "FT".

ssu

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