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02. August 2016, 07:25 Uhr

Gefahr für den Handel

Regierung warnt vor wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels

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Die Regierung sieht durch die Zunahme von Überschwemmungen, Hitze und Krankheitserregern hierzulande erhebliche Risiken für die deutsche Wirtschaft. Aber auch aus anderen Weltregionen drohen Gefahren.

Die Bundesregierung sieht es als wahrscheinlich an, dass Deutschland in zunehmendem Maße verwundbar gegenüber den Folgen des Klimawandels sein wird. Das geht aus der Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Besonders betroffen wäre demnach der deutsche Handel. Sowohl die Importe von Rohstoffen, Nahrungsmitteln und Vorprodukten als auch die Exporte von Autos, Maschinen und chemischen Erzeugnissen könnten durch die Folgen des Klimawandels empfindlich gestört werden, heißt es in der Stellungnahme der Bundesregierung.

Die Auswirkungen auf andere Weltregionen können sich demnach "für Deutschland zu einem relevanten Risiko entwickeln". "So ist China als fünftgrößter Abnehmer deutscher Produkte relativ verwundbar gegenüber den zu erwartenden Klimaänderungen", schreibt die Bundesregierung. "Auf der Importseite können vor allem die Energieimporte aus Russland beeinträchtigt werden."

Auch die deutsche Infrastruktur sei gefährdet, schreibt die Regierung. In Zukunft drohten immer öfter Überschwemmungen und Unterspülungen von Straßen und Schieneninfrastrukturen durch Flusshochwasser sowie Sturm- und Sturzfluten.

In naher Zukunft könnte der Klimawandel "große Auswirkungen" auf den landgestützten Warenverkehr haben, schreibt die Regierung. In ferner Zukunft könnten die "durch Überschwemmungen und Überflutungen erzeugten Schadensgefahren noch ansteigen". Industrie und Gewerbe dürften sich an diese Gefährdungen jedoch anpassen.

Hinzu kommen mögliche Belastungen für die Gesundheit von Arbeitskräften. "Zukünftig sind bei vermehrter Hitze in Kombination mit starker Sonneneinstrahlung auf Grund photochemischer Prozesse höhere Ozonkonzentrationen zu erwarten", schreibt die Regierung. Zudem würden sich Überträger von Krankheitserregern durch die Erderwärmung immer weiter ausbreiten. Dadurch werde die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Infektionskrankheiten steigen.

Bärbel Höhn, die Vorsitzende des Umweltausschusses, forderte die Regierung zum Handeln auf. "Der drohende Klimawandel mit seinem Wetterchaos würde auch dem Exportgeschäft der deutschen Wirtschaft massiv schaden und zum Abbau von Arbeitsplätzen führen", sagt sie. "Deswegen ist es total unverständlich, warum sich Wirtschaftsminister Gabriel und Kanzlerin Merkel immer wieder als Bremser beim Klimaschutz betätigen und nichts gegen Spritschlucker und Braunkohlekraftwerke tun."

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