Drittes Spitzentreffen Politik fordert Qualität - die Bahn Geld

Heute treffen die Vorstände der Deutschen Bahn erneut mit Verkehrsminister Andreas Scheuer zusammen. Diesmal geht es darum, was der Bund für das Unternehmen tun kann.

Ein ICE der Bahn
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Ein ICE der Bahn


Vor dem dritten Spitzentreffen zur Krise der Bahn seit Jahresbeginn haben Verkehrspolitiker der Koalition deutliche Verbesserungen bei dem Staatskonzern gefordert. SPD-Fraktionsvize Sören Bartol forderte grundlegende Änderungen der Strukturen: "Wir brauchen bei der Deutschen Bahn weniger Wasserkopf in den Zentralen und mehr Verantwortung bei den Beschäftigten vor Ort", sagte Bartol. Die Unions-Verkehrspolitikerin Daniela Ludwig verlangte mehr Pünktlichkeit und besseren Service.

Verkehrsminister Andreas Scheuer kommt am Mittwochnachmittag mit der Spitze des bundeseigenen Konzerns um Bahn-Chef Richard Lutz zusammen. An dem Treffen nehmen auch Koalitionspolitiker wie Ludwig und Bartol teil. Bei den Gesprächen soll es vor allem darum gehen, wie die Bahn effizienter werden kann. Daher sollen die komplexen Strukturen auf den Prüfstand. Vor allem aber geht es um die künftige Finanzierung.

Die Deutsche Bahn ist hochverschuldet und braucht zusätzliche Milliarden, etwa für die Modernisierung der Flotte und des Netzes. In Koalitionskreisen hieß es, es sei unklar, wie hoch der zusätzliche Finanzbedarf der Bahn sei. Dazu müsse die Konzernspitze am Mittwoch Auskunft geben.

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Der Bund könnte der Bahn über mehr Eigenkapital mittelfristig mehr Mittel zur Verfügung stellen. Daneben gibt es Überlegungen, die profitable Bahn-Auslandstochter DB Arriva zu verkaufen, um Geld für Züge und Gleisnetz zu bekommen. Dies ist aber in der schwarz-roten Koalition umstritten - ebenso wie die Möglichkeit, dass die Bahn sich noch höher verschuldet.

Drei bis vier Milliarden zusätzlich pro Jahr

Bartol zeigte sich offen für mehr Bundesmittel: "Die SPD ist bereit, zusätzliche Mittel aus dem Bundeshaushalt in den Erhalt, die Elektrifizierung und Digitalisierung der Schienenwege zu investieren", sagte er dem "Redaktionsnetzwerk" Deutschland.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatte den zusätzlichen Finanzbedarf durch den Bund auf zwei bis drei Milliarden Euro pro Jahr beziffert. Es gebe einen enormen Nachholbedarf bei der Infrastruktur. Der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner hatte den Bund an seine Verantwortung als Eigentümer der Bahn erinnert.

Grünenfraktionschef Anton Hofreiter plädiert dafür, Einnahmen aus den Straßengebühren zu nutzen. "Mit der Lkw-Maut und dem Abbau der Dieselsubventionen können Mittel direkt aus dem Verkehrssektor in die Bahn gelenkt werden", sagte er der "Saarbrücker Zeitung".

Die Bahn hatte nach einem Treffen mit Scheuer Mitte Januar ein Maßnahmenpaket angekündigt, um Schritt für Schritt aus der Krise zu kommen. "Die Erwartung an die Bahn ist daher ganz klar: Der Service und die Pünktlichkeit müssen besser werden", sagte die CSU-Verkehrspolitikerin Ludwig. "Aus meiner Sicht gibt es kein Erkenntnisproblem, sondern vielmehr ein Umsetzungsproblem." Abläufe müssten besser koordiniert und die Zuständigkeiten klarer gefasst werden.

Bartol sagte, eine moderne Bahn brauche eine moderne Organisation. "Das erfordert schlankere Strukturen, in denen zügig auf Veränderungen reagiert werden kann. Hierzu erwarte ich vom Bahnvorstand konkrete Vorschläge." Es müsse eine bessere Verzahnung zwischen dem Gesamtvorstand und den Vorständen der einzelnen Sparten geben: "Wer jedoch über eine Zerschlagung der Deutschen Bahn nachdenkt, wird auf den erbitterten Widerstand der SPD stoßen." Eine Herauslösung des Schienennetzes und eine Privatisierung der Verkehrsunternehmen werde es mit der SPD nicht geben.

mik/dpa-AFX

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Seite 1
Leser161 30.01.2019
1. Systemproblem
Ich verstehe nicht, warum es der Bahn so schlecht geht. Die Bahn verwendet effiziente Elektroantriebe um eine grosse Anzahl von Menschen in einem Fahrzeug zu transportieren. Akkukosten fallen nicht an. Das Verhältnis Fahrzeuggewicht zu Nutzlast (Passagiere) sollte weit besser sein als beim Auto. Dee Fahrzeuge werden sehr lange genutzt da Reparaturpersonal zur Verfügung steht, das prinzipiell alles tauschen kann. Natürlich muss die Bahn ihr Streckennetz unterhalten, aber auch der Autofahrer muss mit seinen Steuern das Strassennetz unterhalten. Kurz die Bahn hat eigentlich massive Effizienz- und Preisvorteile gegenüber dem Auto. Trotzdem kostet ein Monatsticket bei 50km/Arbeitstag ca. 10ct/km. Das kann man fast auch mit einem billigen Gebrauchtwagen erreichen (Mit massiven Vorteilen bei Bequemlichkeit und Flexibilität). Wo geht also das Geld hin? Hier existiert irgendwo ein systemisches Problem, entweder wird das Auto stark versteckt subventioniert, oder irgendwo in der Bahn versickert Geld. Solange die systemischen Probleme nicht gelöst werden macht es m.E. keinen Sinn unser Geld in das lecke Bahnsystem zu schütten.
Dieter Koll 30.01.2019
2. so sieht es aus...
zu viele Externe, die Probleme auch nicht lösen können/wollen zu viele Amigo-Connections zu viele gute Mitarbeiter sind frustiert und verlassen die Bahn und hinterlassen ein riesiges Wissens-Vakuum zu viele EDV-Programme für das gleiche Thema werden eingeführt schlechte Bezahlung bei zu hoher Belastung die Liste ließe sich beliebig weiterführen.
Dieter Koll 30.01.2019
3.
Zitat von Leser161Ich verstehe nicht, warum es der Bahn so schlecht geht. Die Bahn verwendet effiziente Elektroantriebe um eine grosse Anzahl von Menschen in einem Fahrzeug zu transportieren. Akkukosten fallen nicht an. Das Verhältnis Fahrzeuggewicht zu Nutzlast (Passagiere) sollte weit besser sein als beim Auto. Dee Fahrzeuge werden sehr lange genutzt da Reparaturpersonal zur Verfügung steht, das prinzipiell alles tauschen kann. Natürlich muss die Bahn ihr Streckennetz unterhalten, aber auch der Autofahrer muss mit seinen Steuern das Strassennetz unterhalten. Kurz die Bahn hat eigentlich massive Effizienz- und Preisvorteile gegenüber dem Auto. Trotzdem kostet ein Monatsticket bei 50km/Arbeitstag ca. 10ct/km. Das kann man fast auch mit einem billigen Gebrauchtwagen erreichen (Mit massiven Vorteilen bei Bequemlichkeit und Flexibilität). Wo geht also das Geld hin? Hier existiert irgendwo ein systemisches Problem, entweder wird das Auto stark versteckt subventioniert, oder irgendwo in der Bahn versickert Geld. Solange die systemischen Probleme nicht gelöst werden macht es m.E. keinen Sinn unser Geld in das lecke Bahnsystem zu schütten.
das Problem könnte sein, dass Sie nur den reinen Spritverbrauch einrechnen. Versicherung, Steuer und Inspektions-/Reparaturkosten lassen Sie geflissentlich außen vor. Rechnen Sie netterweise doch noch einmal alles durch und stellen dann den Vergleich noch einmal an. Danke
HARK 30.01.2019
4. Politische Altlasten
Solange die Politik die Bahn benutzt, um dort ihre Altlasten einzulagern, kann das nichts werden. Statt dessen sollte die Politik endlich den Mut zu einer echten Verkehrswende haben. Das geht aber nicht, wenn das Verkehrsministerium eine Lobby-Abteilung der Autoindustrie bleibt. Mit anderen Worten: Der Niedergang der Bahn ist derzeit nicht aufzuhalten.
wo_st 30.01.2019
5.
Kein Wort über die jährliche Entnahme der Dividende durch den Staat. Ohne diese müsste nicht so viel Geld in den Betrieb gesteckt werden.
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