Bundesnetzagentur Hälfte der deutschen Kohlemeiler könnte bis 2030 vom Netz

Eine Kommission soll klären, wie Deutschland künftig ohne Kohle auskommt. Für die Bundesnetzagentur ist klar: Bis 2030 kann das Land auf die Hälfte der Kohlemeiler verzichten - wenn der Netzausbau vorankommt.
Braunkohlekraftwerk Neurath

Braunkohlekraftwerk Neurath

Foto: Federico Gambarini/ dpa

Kohle kann bei der Energieversorgung in Deutschland nach Ansicht der Bundesetzagentur langfristig eine deutlich geringere Rolle spielen. "Bis 2030 kann die Hälfte der Kohlekraftwerkskapazitäten wegfallen, ohne dass die Versorgungssicherheit in Gefahr gerät", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Dies hätten Berechnungen der Behörde und der Übertragungsnetzbetreiber  ergeben.

Voraussetzung sei allerdings, dass der Netzausbau bis dahin abgeschlossen sei und die geplanten Ersatz-Gaskraftwerke realisiert seien. "Darüber wird in der Kohlekommission auch zu reden sein", sagte Homann. In dieser Kommission soll bis zum kommenden Jahr eine Strategie zum Kohleausstieg entworfen werden. Neben dem damit einhergehenden Strukturwandel in bestimmten Regionen dürfte auch der Klimaschutz eine Rolle spielen.

Im Video: Protest gegen Braunkohle

SPIEGEL TV

Die Kalkulationen der Bundesnetzagentur bauen auf dem aktuellen Netzentwicklungsplan auf. Sie dürften eine wichtige Rolle für die Regierungskommission spielen. Die Bundesnetzagentur ist als Marktaufsicht für den Wettbewerb auf den Netzmärkten Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnverkehr verantwortlich.

Die Berechnungen der Behörde stellen die Versorgungssicherheit und die Stabilität der Netze  in den Mittelpunkt. Sie sind damit nur eine Sicht von mehreren. So legen die betroffenen Bundesländer ihr Augenmerk vor allem darauf, dass beim Kohleausstieg möglichst wenig Jobs wegfallen. Umweltschützer dagegen wollen erreichen, dass möglichst wenig CO2 in die Atmosphäre gelangt. Die Kohlekommission wird diese Zielkonflikte ausbalancieren müssen.

Behörde dringt auf schnelleren Netzausbau

Experten des Wirtschaftsministeriums hatten bereits geschrieben, es sei unproblematisch, Kohlekraftwerke sofort abzuschalten. "Der deutsche Kraftwerkspark ist auch nach Stilllegung von sieben Gigawatt Kohlekraftwerken wettbewerbsfähig", hieß es in einem Dokument, das dem SPIEGEL bereits im vergangenen Jahr vorlag. Das würde grob überschlagen 12 bis 15 mittelgroßen Anlagen entsprechen.

Behördenchef Homann mahnte in der "FAZ" angesichts der Ökostrompläne der Bundesregierung aber auch einen umfangreicheren Netzausbau an. "Wer schneller mehr Ökostrom will, muss auch mehr Netzausbau akzeptieren. Das gehört zur Wahrheit der Energiewende", sagte er. Fehlende Leitungen trieben die Kosten für die Sicherung der Systemstabilität immer weiter in die Höhe. Endgültige Zahlen gebe es noch nicht. "Aber 2017 dürften die Kosten einen neuen Rekordwert von weit mehr als einer Milliarde Euro erreicht haben", sagte Homann.

mmq
Mehr lesen über Verwandte Artikel