Stefan Schultz

Laufzeitverlängerung für Stromfresser Der Nachtspeicher-Irrsinn

Nachtspeicherheizungen sollten abgeschafft werden. Nun dürfen sie unbegrenzt weiterbetrieben werden, und Schwarz-Gelb deklariert die Stromfresser auch noch zum Baustein der Energiewende. Tatsächlich ist die Entscheidung ein weiterer Sargnagel für die Klimapolitik.
AKW Grafenrheinfeld: Absurde Nachspeicher-Regelung

AKW Grafenrheinfeld: Absurde Nachspeicher-Regelung

Foto: Daniel Karmann/ dpa

Nachtspeicherheizungen sind zu Recht als teure Stromfresser verpönt. Nach Greenpeace-Berechnungen erzeugen sie dreimal mehr Klimagase als Gas-Brennwertkessel und zehnmal mehr als Holzpelletheizungen. Die klobigen Öfen passen nicht mehr zu einer klimabewussten Energiepolitik. Aus diesem Grund hatte die große Koalition beschlossen, dass die meisten der noch rund 1,5 Millionen aktiven Geräte in Deutschland bis zum Jahr 2019 eingemottet werden.

Nun die Kehrtwende der Bundesregierung: Nachtspeicherheizungen sollen auch im kommenden Jahrzehnt betrieben werden können. Verkauft wird das ganze als Baustein der Energiewende. Die Öfen sollen mit moderner Regeltechnik aufgemotzt werden und künftig als eine Art dezentraler Energiespeicher dienen, der die schwankende Energieversorgung durch Solar- und Windanlagen ausgleicht. Smart Grid lautet das Stichwort, schlaues Stromnetz.

Klingt hübsch, ist aber irrwitzig. Erstens setzt die Regierung in puncto Speicher auf die denkbar schlechteste Technik. Und zweites werden die Nachtspeicherheizungen - wenn sie denn tatsächlich zu Schwarmstrom-Speichern umfunktioniert werden können - die Energiewende nicht beschleunigen, sondern bremsen.

Es gibt bereits viele gute Ideen, wie sich überflüssiger Wind- oder Solarstrom speichern lässt, um ihn bei bedecktem Himmel oder Flaute wieder abzurufen: Im Großen können Pumpspeicherkraftwerke gebaut werden und im Kleinen Elektroautos als flexible, miteinander vernetze Speicher eingesetzt werden. Um Bedarfsspitzen abzufedern, können Kühlhäuser mit voller Kraft arbeiten, wenn das Stromangebot besonders hoch ist. Sinkt das Angebot, können sie sich eine Weile abschalten und Energie sparen. Alles gute Ideen.

Nachtspeicher-Verlängerung bremst Umstellung auf Ökostrom

Aber wie um alles in der Welt sollen Nachtspeicherheizungen in dieses Smart Grid passen, ins intelligente Stromnetz der Zukunft? Die Uralt-Klötze müssten ja erst einmal mit moderner Kommunikationstechnik aufgerüstet werden, ehe man sie fürs Smart Grid gebrauchen kann. Das kostet viel Geld - und wird sich für den Verbraucher nur rechnen, wenn das Ganze mit neuen Förderprogrammen der Regierung bezuschusst wird. Am Ende zahlt so der Steuerzahler für eine überholte Technik mit einem im Vergleich zu anderen Lösungen miesen Wirkungsgrad.

Die Endstufe des Irrsinns wäre dann erreicht, wenn der mit Steuergeld nachgerüstete Nachtspeicherofen hinter der ebenfalls mit Steuergeld gedämmten Fassade vor sich hinbollert - und deren Einsparungseffekt wieder zunichtemacht.

Am schlimmsten aber ist, dass der Nachtspeicher-Irrsinn die Energiewende nicht nur teurer als nötig macht - sondern die Umstellung auf Ökostrom sogar bremsen kann. Denn wenn beim derzeitigen Kraftwerksmix in Zeiten der Stromüberproduktion die überschüssige Energie einfach in Stromspeicher weggedrückt werden kann, dann begünstigt das vor allem schmutzige Kohlekraftwerke, die ihren billigen, aber klimafeindlichen Strom auch weiterhin loswerden.

Die Regierung hat ja nicht umsonst beschlossen, dass Ökostrom in den Netzen Vorfahrt hat - also abgenommen werden muss, ehe Atom- oder Kohlekraftwerke ihre Elektrizität loswerden. Das soll dazu führen, dass der wachsende Anteil an Ökostrom CO2-Dreckschleudern allmählich unrentabel werden lässt. Im Unterschied zum Beispiel zu wesentlich klimafreundlicheren Gaskraftwerken, die ihre Stromproduktion schnell an die schwankende Nachfrage anpassen.

Würden nun tatsächlich bald massenhaft Nachtspeicherheizungen umgerüstet, täte die Bundesregierung vor allem den großen Energiekonzernen einen Gefallen, die mit ihren Uralt-Kohlekraftwerken noch ein bisschen länger Geld verdienen könnten. Der Anreiz, in moderne Gaskraftwerke zu investieren, würde hingegen noch ein bisschen kleiner, als er ohnehin schon ist. Ein echter Schuss in den Nachtspeicherofen.