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18. Februar 2015, 17:13 Uhr

Milliardenvermögen des Erzbistums Köln

Zu reich für diese Welt

Ein Kommentar von

Das Erzbistum Köln legt sein Vermögen offen: 3,35 Milliarden Euro - angelegt in Immobilien und Wertpapieren. Das ist schlicht zu viel. Die Kirche sollte mehr Geld an die geben, die es nötig haben.

Wie reich darf die Kirche sein? Das Bistum Köln hat erstmals sein Vermögen offengelegt - und kommt auf stattliche Werte: 3.350.429.000 Euro.

Klar, auch ein Bistum braucht Geld. Sofern man grundsätzlich der Meinung ist, dass es so etwas wie Kirche geben soll, muss man ihren Institutionen auch ein gewisses Vermögen zugestehen. Sie brauchen es, um Priester und Lehrer zu bezahlen, Kindergärten auszubauen, um die Kirchengebäude instand zu halten und soziale Dienste wie die Caritas zu betreiben.

All das sind Dinge, die nicht nur Christen zugutekommen: Besucher aus aller Welt freuen sich am Anblick des Kölner Doms (und bringen viel Geld mit in die Stadt), in katholischen Kindergärten werden auch muslimische Kinder betreut, und die Caritas pflegt auch die Atheisten.

Um das alles zu bezahlen, benötigt ein Bistum laufende Erträge. Die kommen vor allem aus drei Quellen: aus der Kirchensteuer, vom Staat und aus dem eigenen Vermögen (in dieser Reihenfolge). So weit, so richtig. Doch damit darf die Diskussion noch nicht beendet sein.

Sicher, es ist dem Kölner Bistum hoch anzurechnen, dass es auf Transparenz setzt und sein Vermögen offenlegt. Nun muss sich die Kirche aber auch gefallen lassen, dass über die angemessene Höhe dieses Vermögens gesprochen wird. Braucht ein Bistum wirklich ein 2,3 Milliarden Euro schweres Wertpapierdepot? Braucht es mehrere Immobilienfirmen, von denen eine auch noch in den Niederlanden sitzt, um Steuern zu sparen? Braucht es 1,6 Milliarden Euro hohe Rücklagen für eventuelle Verpflichtungen in der Zukunft?

"Fällt euch Reichtum zu, so hängt euer Herz nicht daran"

Um es kurz zu machen: Nein, all das braucht ein Bistum nicht - oder zumindest nicht in dieser Höhe. Der Reichtum der Kölner Diözese ist der Ausdruck eines Kirchenverständnisses, das die Institution in den Mittelpunkt stellt und nicht die Menschen, die die Kirche eigentlich ausmachen.

Statt seinen Reichtum immer weiter zu mehren und jedes Jahr weitere Millionen auf die hohe Kante zu legen, sollten vermögende Bistümer wie das in Köln zumindest ihren Gewinn ausschütten - an jene, die das Geld wirklich brauchen.

Das Bistum Köln hat im Jahr 2013 fast 60 Millionen Euro Gewinn ausgewiesen - und gleich in die Rücklagen geschoben. Hinzu kamen noch einmal rund 30 Millionen Euro Erträge aus dem Wertpapierdepot, die direkt wieder angelegt wurden.

Insgesamt also etwa 90 Millionen Euro - mit denen man zum Beispiel dafür hätte sorgen können, dass Flüchtlinge rund um Köln menschenwürdig untergebracht und betreut werden. Das wäre allemal besser, als das Bistum noch reicher zu machen. Denn wie heißt es schon in der Bibel in Psalm 62: "Fällt euch Reichtum zu, so hängt euer Herz nicht daran."

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