Giorgos Christides

Tsipras' Referendumsplan Der Zocker

Alexis Tsipras zockt: Mit seiner spontanen Referendumsankündigung löst der griechische Premier große Unruhe aus - in Griechenland wie im Rest Europas. Was hat er sich dabei nur gedacht?
Griechischer Premier Tsipras: Die Macht des Volkes

Griechischer Premier Tsipras: Die Macht des Volkes

Foto: AP/dpa

Welche Entscheidung will Alexis Tsipras am 5. Juli von uns Griechen? Offenbar geht es darum, ob sein Vorschlag zum Sparkurs und zu Steuererhöhungen akzeptiert wird - statt des Vorschlags der europäischen Institutionen. Wir Griechen sollen über die Details eines Primärüberschusses debattieren, über die Mehrwertsteuer auf Spaghetti und über Sozialabgaben. Vielleicht wird Tsipras ja eine Hotline einrichten, unter der Gianis Varoufakis Fragen beantwortet.

Aber natürlich ist die eigentliche Frage, um die es hier geht: Soll Tsipras grünes Licht bekommen für einen Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone, wenn es denn sein muss - ohne eine Wahl zu riskieren? Bei der letzten hatte Tsipras versprochen, den Sparkurs zu beenden und Griechenland gleichzeitig in der Eurozone zu halten. Er hat versagt.

Und jetzt will er, dass wir sein Mandat ändern und etwas entscheiden, das von historischer Bedeutung für künftige Generationen sein kann - und das in sieben Tagen, unter Bedingungen, die sehr wahrscheinlich Kapitalverkehrskontrollen und tiefe gesellschaftliche Spaltungen mit sich bringen. Mit leeren Kassen und mittendrin in der touristischen Hochsaison - der einzigen Branche, die in diesem Land noch funktioniert und Geld abwirft.

Es ist egal, warum Tsipras zockt: Weil er festgestellt hat, dass er nicht in der Lage ist, einen Deal gegen die Hardliner seiner Partei durchzubringen? Oder weil er es nicht ertragen konnte, seine Unterschrift unter ein neues Rettungspaket zu setzen? Oder weil ein Konflikt mit Europa von Anfang an sein Plan war?

Entscheidend ist, dass Tsipras die Wut der Menschen in Griechenland ausnutzen will, um Nein zu dem Angebot der Gläubiger zu sagen. Es kann gut sein, dass Tsipras diesen Kampf verliert.