Tsipras' Referendumsplan Der Zocker

Alexis Tsipras zockt: Mit seiner spontanen Referendumsankündigung löst der griechische Premier große Unruhe aus - in Griechenland wie im Rest Europas. Was hat er sich dabei nur gedacht?

Griechischer Premier Tsipras: Die Macht des Volkes
AP/dpa

Griechischer Premier Tsipras: Die Macht des Volkes

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Welche Entscheidung will Alexis Tsipras am 5. Juli von uns Griechen? Offenbar geht es darum, ob sein Vorschlag zum Sparkurs und zu Steuererhöhungen akzeptiert wird - statt des Vorschlags der europäischen Institutionen. Wir Griechen sollen über die Details eines Primärüberschusses debattieren, über die Mehrwertsteuer auf Spaghetti und über Sozialabgaben. Vielleicht wird Tsipras ja eine Hotline einrichten, unter der Gianis Varoufakis Fragen beantwortet.

Aber natürlich ist die eigentliche Frage, um die es hier geht: Soll Tsipras grünes Licht bekommen für einen Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone, wenn es denn sein muss - ohne eine Wahl zu riskieren? Bei der letzten hatte Tsipras versprochen, den Sparkurs zu beenden und Griechenland gleichzeitig in der Eurozone zu halten. Er hat versagt.

Und jetzt will er, dass wir sein Mandat ändern und etwas entscheiden, das von historischer Bedeutung für künftige Generationen sein kann - und das in sieben Tagen, unter Bedingungen, die sehr wahrscheinlich Kapitalverkehrskontrollen und tiefe gesellschaftliche Spaltungen mit sich bringen. Mit leeren Kassen und mittendrin in der touristischen Hochsaison - der einzigen Branche, die in diesem Land noch funktioniert und Geld abwirft.

Es ist egal, warum Tsipras zockt: Weil er festgestellt hat, dass er nicht in der Lage ist, einen Deal gegen die Hardliner seiner Partei durchzubringen? Oder weil er es nicht ertragen konnte, seine Unterschrift unter ein neues Rettungspaket zu setzen? Oder weil ein Konflikt mit Europa von Anfang an sein Plan war?

Entscheidend ist, dass Tsipras die Wut der Menschen in Griechenland ausnutzen will, um Nein zu dem Angebot der Gläubiger zu sagen. Es kann gut sein, dass Tsipras diesen Kampf verliert.

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Referendum in Griechenland

Alexis Tsipras will die Griechen in einem Referendum über die Forderungen der Gläubiger abstimmen lassen. Was halten Sie von dieser Idee?

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d.krommydas 27.06.2015
1.
Einen Kampf zu verlieren ist keine Schande, sich vor einem Kampf zu drücken, dagegen schon.
de vriend 27.06.2015
2. Angst und keine Verantwortung
Alle Seiten haben Angst Tsipras pokert hoch, hat aber Angst a) beim Grexit für die möglichen Folgen verantwortlich zu sein b) bei weitreichenden Zugeständnissen seine Wahlversprechen gebrochen zu haben Da macht man dann ein Referendum, um sich dem Wählerwillen zu beugen und ohne Verantwortung dazustehen Merkel und Co machen es beinahe dito - aber Geld nachschießen ist einfacher als die Folgen für die europ. Wirtschaft bei einem Grexit zu riskieren
laubblaeser 27.06.2015
3. Bin gerade hier
Urlaube gerade in Griechenland. Heute Nacht standen die Leute (wie in einem anderen Artikel erwähnt) an den Geldautomaten Schlange. Ich mittendrin. In der Hoffnung, nicht als deutscher erkannt zu werden. 200€ konnte ich noch bekommen Kredit- oder EC-Karte wird immer weniger vertraut. Aber nicht hinfahren hilft auch nicht!
berthold.moeller 27.06.2015
4. Super Idee
Nun, ob eine Demokratie ist es doch gut an und zu mal dass Volk zu fragen. Die Schweizer machen dass erfrischend oft! Den Griechen bleibt zu wünschen, dass sie gut informiert sind und sich richtig entscheiden. Dass bringt auch dem Rest von Europa die nötige Klarheit. Noch 10 Jahre wie Griechenlandkrise spielen kann niemand wirklich wollen, der Interesse an einer echten Lösung hat. Wie auch immer dass Referendum ausgeht bleibt zu hoffen, dass es dem Durschnittsgriechen bald besser geht & dass die Zocker zur Kasse gebeten werden. Mein Eindruck der Griechenlandkrise ist mehr eine Bankenkrise 2.0, da von den eigentlichen Systemproblemen abgelenkt wird. Griechenland ist ja so eine Art Mutter des Abendlandes. Egal wie die Wahl ausgeht, ist es ein Fingerzeig der Mutter :-).
frenchie3 27.06.2015
5. Die Griechen werden für den Euro stimmen
Und wegen dieser treuherzigen Antwort wird es keiner übers Herz bringen den Geldhahn abzudrehen. Sparvorschlag an Spon: nehmt die TopTen der bisherigen Berichte zum Thema (Tsiparas lehnt ab, lezte Chance, allerletzte Chance, Mutti ist für/gegen) und numeriert die durch. Dann muß man nicht immer wieder das Gleiche schreiben sondern nur "Standardbericht no. 4, Datum aktualisiert"
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