MDR-Umfrage Kommunen berichten von hohen Strafzins-Zahlungen

Städte und Gemeinden müssen teils Zehntausende Euro Strafzinsen auf ihre Bankeinlagen zahlen. Das ergab eine Umfrage des MDR. Letztlich profitieren die Kommunen aber von der derzeitigen Zinspolitik.
Euro-Banknoten

Euro-Banknoten

Foto: Patrick Pleul / dpa

Nicht nur Privatkunden, sondern auch Kommunen sind von den sogenannten Verwahrentgelten der Banken betroffen. Laut einer Umfrage des MDR bei Städten in Mitteldeutschland  zahlen diese teils Zehntausende Euro Strafzinsen.

So teilte die Stadt Chemnitz mit, dass auf Guthaben auf ihren Konten in diesem Jahr voraussichtlich etwa 130.000 Euro an Strafzinsen anfallen werden – im vergangenen Jahr waren es noch 43.000 Euro.

Die Geschäftsbanken selbst müssen aktuell 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Die Kosten geben immer mehr Geldhäuser weiter und berechnen Privatkunden Negativzinsen meist von 0,5 Prozent. Laut einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox erhoben Ende Juni bereits 349 Banken und Sparkassen ein sogenanntes Verwahrentgelt bei größeren Summen auf dem Tagesgeld- oder Girokonto.

Diese Regelungen treffen laut MDR auch Kommunen. Hohe Strafzinsen in Mitteldeutschland zahlt demnach auch Erfurt: Im vergangenen Jahr fielen mehr als 60.000 Euro an, in diesem werden es wohl rund 100.000 Euro sein, teilte die Stadt mit. Die Stadt Halle geht in diesem Jahr von 10.000 Euro aus, Jena von 20.000 Euro.

Manche Kommunen würden daher ihre Gelder auf verschiedenen Konten auch bei kommunalen Eigenbetrieben hin- und herschieben, um die von den Banken gewährten Freibeträge möglichst auszunutzen, berichtete der MDR. Der Kämmerer der Stadt Magdeburg sagte, man versuche, tagesaktuell zu schauen, die Geldbestände auf verschiedene Bankinstitute zu verteilen und gezielt danach zu schauen, wo die Strafzinsen am geringsten seien. »So, wie wir das im Moment einschätzen, werden wir bis zum Jahresende Strafzinsen in Höhe eines mittleren vierstelligen Betrags zahlen müssen«, sagte Zimmermann.

Ralf Leimkühler vom Sächsischen Städte- und Gemeindetag sagte, »liquide zu sein, heißt in Zeiten von Negativzinsen, Geld dafür zu zahlen, dass man jederzeit an sein Geld rankommt«.

Allerdings hat das derzeit niedrige Zinsniveau auch Vorteile für die Kommunen. Letztlich würden diese trotz Strafzinsen sogar mehr profitieren – weil sie so zurzeit selbst kaum Zinsen für ihre Schulden zahlen, berichtet der MDR. So teilte die Stadt Erfurt mit, sie spare jährlich einen einstelligen Millionenbetrag für aufgenommene Darlehen.

mmq
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