Wachstum in Deutschland Wirtschaftsforscher kappen Prognose

Bereits das zweite Forschungsinstitut korrigiert seinen Ausblick für die deutsche Wirtschaft: Nach dem RWI rechnet nun auch das IfW Kiel mit weniger Wachstum. Die Wirtschaft werde im kommenden Jahr nur um gut ein Prozent zulegen, die Staatsverschuldung auf 83 Prozent steigen.


Kiel - Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland verliert an Dynamik. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat am Donnerstag seine Wachstumserwartung für das laufende Jahr von 0,9 auf 0,8 Prozent reduziert. Für das kommende Jahr kappte es den Ausblick gar von 1,7 auf 1,1 Prozent.

Auch das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hat seine Prognose für dieses und kommendes Jahr gesenkt. Die deutsche Wirtschaft wird 2012 um 0,9 Prozent und 2013 um 0,8 Prozent wachsen, teilte das Institut am Donnerstag mit. Gründe sind die Eurokrise und eine Abschwächung der Weltwirtschaft. Im Frühjahr hatten die Forscher noch ein Wachstum in diesem Jahr von 1,3 Prozent und 2013 von 2,2 Prozent prognostiziert. Am Mittwoch hatte bereits das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) seine Prognose für 2013 auf 0,8 Prozent gesenkt.

Ursache für die abgeschwächte Prognose sei die abwartende Haltung der Unternehmen bei den Investitionen. Sie werde genährt durch die Unsicherheit über die ungelösten Schuldenkrisen sowie die unklare zukünftige Wirtschaftspolitik im EU-Währungsgebiet. Die Kieler Volkswirte rechnen damit, dass die Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr wieder leicht zunimmt.

Ende diesen Jahres werde Deutschland 2,2 Billionen Euro Staatsschulden aufgetürmt haben, sagte der IfW-Finanzexperte Jens Boysen-Hogrefe dem Düsseldorfer "Handelsblatt". Damit werde die Schuldenquote 83 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen. Das wäre der höchste je in Deutschland ermittelte Wert. Laut Maastricht-Vertrag sind EU-weit eigentlich nur Schuldenquoten von bis zu 60 Prozent zulässig.

Wesentlicher Grund für den Anstieg der Staatsschuld sei laut IfW die Abwicklung der WestLB, die ihr Portfolio in eine staatlich abgesicherte Bad Bank eingebracht hat, schrieb die Zeitung. Zudem trieben die Einzahlungen Deutschlands in den Euro-Rettungsschirm ESM sowie die zusätzlichen Einlagen in die Europäische Investitionsbank und weitere Garantien des temporären Rettungsschirms EFSF an Euro-Krisenstaaten den deutschen Schuldenberg in die Höhe.

ssu/dapd/dpa/Reuters



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