Konjunktur Deutsche Wirtschaft erholt sich leicht

Die deutsche Wirtschaft kann etwas aufatmen: Laut Bundesbank wird sie mit 4,9 Prozent in diesem Jahr weniger schrumpfen als angenommen. Zuvor war das Institut von 6,2 Prozent ausgegangen. Auf dem Arbeitsmarkt droht jedoch weiterer Stellenabbau.

Metallarbeiter beim Schweißen: Wirtschaft schrumpft weniger als erwartet
DDP

Metallarbeiter beim Schweißen: Wirtschaft schrumpft weniger als erwartet


Frankfurt am Main - Sie ist zuversichtlicher als noch vor einem halben Jahr: Die deutsche Bundesbank hat ihre Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt für das laufende und das kommende Jahr deutlich erhöht. 2009 dürfte die deutsche Wirtschaft um 4,9 Prozent schrumpfen, hieß es in der am Freitag veröffentlichten halbjährlichen Prognose. Im Sommer war die Bundesbank noch von einem deutlicheren Einbruch um 6,2 Prozent ausgegangen.

"Die konjunkturellen Aussichten haben sich in den letzten Monaten spürbar aufgehellt", schrieben die Experten. Dank geld- und fiskalpolitischer Maßnahmen habe ein Erholungsprozess eingesetzt, der in den nächsten beiden Jahren - wenn auch mit reduziertem Tempo - anhalten dürfte.

Verhalten optimistisch sind die Experten auch für das kommende Jahr: Für 2010 erwartet die Bundesbank denn auch ein Wachstum von 1,6 Prozent. Bislang wurde eine Stagnation vorausgesagt. 2011 dürfte das Wachstum bei 1,2 Prozent liegen. Dabei dürften die Effekte der öffentlichen Stabilisierungsmaßnahmen an Gewicht verlieren, an Bedeutung gewännen Impulse aus dem Außenhandel sowie später dann wieder höhere Unternehmensinvestitionen und der private Konsum.

Neuverschuldung niedriger als erwartet

Für den Arbeitsmarkt sieht es hingegen laut Bundesbank nicht so rosig aus. Es sei davon auszugehen, dass weitere Arbeitsplätze verloren gingen. Dürften 2009 noch 3,4 Millionen Menschen ohne Anstellung sein, soll diese Zahl im kommenden Jahr auf 3,8 Millionen steigen. 2011 werde dann die Marke von vier Millionen überschritten - bei erwarteten 4,2 Millionen Arbeitslosen rechnet die Bundesbank dann mit einer Arbeitslosenquote von 10,1 Prozent.

Tatsächlich hatte der deutsche Industrie- und Handelskammertag eine Umfrage bekanntgegeben, wonach jedes vierte deutsche Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten Stellen streichen will.

Preisrisiken sehen die Experten der Bundesbank nicht. Nachdem bislang ein Preisanstieg für 2010 von 0,5 Prozent unterstellt wurde, werde nun ein Anstieg der Verbraucherpreise von 0,9 Prozent und von 1,0 Prozent für 2011 unterstellt. Mit einem prognostizierten Plus von 0,3 Prozent rechnet die Bundesbank weiterhin fast mit einer Stagnation der Preise.

Bauwirtschaft auf wackeligen Beinen

Schlecht steht es weiterhin um die deutsche Bauwirtschaft. Sie findet laut Einkaufsmanagerindex nicht aus dem Konjunkturtal. Die Branche musste im November den 21. Monat in Folge Geschäftseinbußen hinnehmen. Der Index zog zwar auf 44,6 von 43,4 Punkten im Vormonat an, wie das Markit-Institut am Freitag zu seiner Umfrage unter 200 Firmen mitteilte. Damit blieb das Barometer aber deutlich unter der Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird.

Sowohl im Wirtschafts- als auch im Wohnungsbau lief es schlechter. "Die neuerlichen Rückgänge führten die Branchenakteure auf die ungünstigen Marktbedingungen und das gesunkene Verbrauchervertrauen zurück", hieß es. Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht: Die Neuaufträge fielen so stark wie seit fünf Monaten nicht mehr. Entsprechend pessimistisch blicken die Firmenchefs nach vorn. Nur rund jeder Zehnte erwartet, dass die Geschäft in einem Jahr besser laufen werden. 40 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus.

fro/Reuters/dpa-AFX

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