IfW-Prognose Deutschland schrammt wohl doch an Rezession vorbei

Die großen Forschungsinstitute gehen eigentlich davon aus, dass Deutschlands Wirtschaft auch im Sommer geschrumpft ist. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft ist nun überraschend optimistischer.
Solarzellen-Produktion: Deutschlands Wirtschaft könnte der Rezession entkommen

Solarzellen-Produktion: Deutschlands Wirtschaft könnte der Rezession entkommen

Foto: imago images

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat seine Konjunkturprognose angepasst - und schaut nun zuversichtlicher auf die Wirtschaftsentwicklung als noch vor einigen Wochen. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) stagniere im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal lediglich, teilte das IfW mit. Das berechneten die Forscher auf Grundlage von vorläufigen Daten für die Eurozone. Dort ist die Wirtschaftsleistung um voraussichtlich 0,2 Prozent gestiegen.

Mitte September hatte das Institut für Deutschland noch einen Wert von minus 0,3 Prozent prognostiziert. Das Statistische Bundesamt wird am 14. November eine erste Schätzung zur Konjunktur im dritten Quartal veröffentlichen.

"Die Konjunktur in Deutschland zeigte sich im Sommer geringfügig fester, als bislang erwartet worden war. Insgesamt setzte sich der Abschwung aber fort, denn die gesamtwirtschaftliche Auslastung ist weiter gesunken", sagte IfW-Ökonom Stefan Kooths. "Die ohnehin wenig belangvolle Frage nach einer technischen Rezession steht auf der Kippe. Wenn überhaupt, fiele sie homöopathisch aus."

Andere Forschungsinstitute rechnen noch mit Rezession

Bei einem Absinken der Wirtschaftsleistung in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Quartalen spricht man von einer technischen Rezession. Es handelt sich in diesem Fall aber nur um eine milde Rezession. Anders sähe es aus, wenn die Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr gegenüber dem Vorjahr schrumpft. Damit rechnet derzeit allerdings niemand.

Die meisten Ökonomen gingen bislang davon aus, dass das deutsche BIP im Sommer abermals geschrumpft ist, nach einem Minus von 0,1 Prozent im Frühjahr. So rechnen das Münchner Ifo-Institut und das Essener RWI für das Sommerquartal bislang mit einem weiteren Rückgang von 0,1 Prozent. Das Berliner DIW rechnet sogar mit einem Minus von 0,2 Prozent.

Das IfW gehört zum Kreis der Forschungseinrichtungen, die die Regierung beraten. Es legt zusammen mit dem Münchner Ifo-Institut, dem Essener RWI, dem Berliner DIW und dem IWH aus Halle zweimal jährlich ein Gutachten zur deutschen Konjunktur vor. In ihrem Herbstgutachten rechnen die Forscher für 2019 nur noch mit einem BIP-Zuwachs von 0,5 Prozent. Vorher hatten sie noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Höhe von 0,8 Prozent erwartet.

kko/dpa/Reuters